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Allen guten Absichten zum Trotz: Wie die Psyche uns zu Umweltsündern macht

Da kauft man sich ein umweltfreundliches Auto und macht plötzlich mehr Kilometer: Forscher untersuchen die Psychologie dahinter. (Symbolbild)

Da kauft man sich ein umweltfreundliches Auto und macht plötzlich mehr Kilometer: Forscher untersuchen die Psychologie dahinter. (Symbolbild)

Die Politik müsste bei Lenkungsabgaben stärker auf die menschliche Psychologie Rücksicht nehmen, sagen Westschweizer Forschende. Denn: Trotz guter Klimavorsätze sabotierten wir uns immer wieder selbst.

(wap/agl/sat) «Mentale Buchführung» heisst ein Konzept aus der Verhaltensökonomie. Dieses soll erklären, wie wir trotz guter Vorsätze immer wieder zu Egoisten werden. Nun haben Psychologen der Universität Genf und der Fachhochschule Westschweiz (He-So) dieses Konzept im Zusammenhang mit dem Klimawandel untersucht. Wie die Uni Genf und die He-So am Montag mitteilen, ging es bei der Studie um die simple Frage: Wie kann die Politik die Bevölkerung dazu bringen, Energie zu sparen und den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren?

Denn oft komme es vor, dass sich Menschen im einen Lebensbereich vorbildlich verhielten, nur um zeitgleich auf einem anderen Gebiet die Zügel schleifen zu lassen. Dabei würden dann gemachte Erfolge wieder zunichte gemacht. Die Westschweizer Forschenden machen dazu ein Beispiel: Da fährt jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit, um seinen Treibhausgasausstoss tief zu halten – und kauft sich dann mit ruhigem Gewissen ein Flugticket für Ferien auf den Seychellen.

Die Wissenschafter sprechen dabei von «Spillover» und «Rebound»-Effekten: Weil das Gehirn unbewusst Buch führt, tendiert es dazu, Einsparungen in einem Gebiet mit Mehrausgaben in einem anderen Bereich zu kompensieren. Dieser Effekt zeige sich auch beim Energiesparen, wird Psychologieprofessor Tobias Brosch in der Mitteilung der Uni Genf und der He-So zitiert. Wenn sich etwa Solarzellen auf dem eigenen Hausdach in einer tieferen Stromrechnung niederschlügen, werde dies nicht als Energieeinsparung erkannt – und das gesparte Geld darauf nicht in weitere nachhaltige Massnahmen investiert.

Ein «Werkzeugkasten» für die Politik

Hier kommen nach Ansicht der Westschweizer Forschenden die Behörden und die Politik ins Spiel. Sie müssten bei Lenkungsabgaben die Psychologie der Konsumenten mitberücksichtigen. Nicht optimal sei zum Beispiel, wenn – wie in der Schweiz üblich – ein Teil der CO2-Lenkungsabgabe über eine Vergünstigung der Krankenkassenprämie rückvergütet werde. Aus psychologischer Sicht wäre es demnach besser, dieses Geld als Bezahlung für eine Klimamassnahme zu etikettieren, so Psychologe Brosch.

Man müsse den Preis der Energie den Konsumierenden aufzeigen und die positive Wirkung von Sparmassnahmen durch konkrete Feedbacks deutlich machen, zitiert die Mitteilung den Erstautor der Studie, Ulf Hahnel. Er forscht ebenfalls am Departement für Psychologie der Universität Genf. Werde das Konzept der «mentalen Buchführung» nämlich auch in der Politik stärker berücksichtigt, könne diese grössere Änderungen des Verhaltens erreichen als alleine über den Preis, folgern die Forschenden der Universität Genf und der Fachhochschule Westschweiz gemäss ihrer Medienmitteilung.

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