Zuneigung
Anschmiegen statt Dackelblick: So ziehen Katzen den Menschen auf ihre Seite

Katzen gucken sparsam – und doch wissen sie, wie sie den Menschen auf ihre Seite ziehen.

Jörg Zittlau
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Wenn Katzen sich dem Menschen zuwenden, tun sie das nicht nur um seiner selbst willen. Getty Images/iStockphoto

Wenn Katzen sich dem Menschen zuwenden, tun sie das nicht nur um seiner selbst willen. Getty Images/iStockphoto

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Augenbrauen rauf, treuherzig gucken – wenn Hunde den «Dackelblick» aufsetzen, kann ihnen kaum ein Mensch widerstehen. Doch was machen Katzen, um ihre Herzensbrecher-Chancen zu erhöhen? Mit ihrer Mimik erreichen sie, wie jetzt englische Forscher herausgefunden haben, nur wenig. Sie arbeiten eher mit dem ganzen Körper.

Das Team um Bridget Waller von der University of Portsmouth untersuchte an insgesamt 106 Katzen in drei verschiedenen Tierheimen, welche Samtpfoten es besonders schnell schafften, die Herzen der menschlichen Besucher zu erweichen und dadurch ein neues zu Hause zu ergattern. In ihren Beobachtungen berücksichtigten die Forscher nicht nur das Minenspiel der Katzen, sondern auch deren Fellfarbe und Gesamtverhalten.

Weniger Gesichtsausdrücke

Es zeigte sich: Im Unterschied zum Hund haben Katzen nur ein spärliches mimisches Repertoire. «Wir fanden gerade mal 15 Gesichtsausdrücke», berichtet Waller, «und bei 7 von ihnen waren hauptsächlich die Ohren involviert». Der herzerweichende, dem Kindchen-Schema entsprechende Dackelblick – er klappt bei Katzen auch deshalb nicht, weil ihnen das mimische Rüstzeug dazu fehlt. Als Ursache vermutet Waller, dass Katzen erst vor 10 000 Jahren domestiziert wurden.

«Der Hund lebt hingegen schon seit über 15 000 Jahren eng mit dem Menschen zusammen», so die HaustierExpertin. Die Evolution hatte also bei ihm viel mehr Zeit für das Entwickeln der Feinkoordination in der Gesichtsmuskulatur, die für einen solch komplexen Vorgang wie den Dackelblick gebraucht wird. Bei der Katze spielt hingegen die Mimik beim Sammeln von Sympathiepunkten keine Rolle. In der englischen Studie konnten die Samtpfoten gucken, wie sie wollten – es erhöhte ihre Chancen auf ein neues Zuhause nicht. Und dies gilt auch für die Musterung ihres Fells. Stattdessen hat die Evolution sie mit einer anderen Strategie beschenkt. Die Forscher entdeckten nämlich, dass jene Katzen, die ihren Körper an Einrichtungsgegenständen oder Spielzeugen schmiegten, 30 Prozent weniger Zeit als nicht-schmiegende Katzen brauchten, um sich eine Adoption zu sichern. Die Samtpfoten wissen also auch ohne devoten Dackelblick, wie man die Herzen eines Zweibeiners erobert.

Wobei Waller jedoch klarstellt, dass dies nur bei ausgewiesenen Katzenliebhabern klappt: «Die achten offenbar weniger auf die Optik als auf Faktoren, die Hinweise auf das Sozialverhalten der Tiere geben.»