Invasion

Asiatische Hornisse: Aggressiver Räuber im Anflug auf die Schweiz

Die Asiatische Hornisse ist kleiner und dunkler als die einheimische Art.

Die Asiatische Hornisse ist kleiner und dunkler als die einheimische Art.

Die Asiatische Hornisse bedroht Schweizer Bienen. In der Westschweiz wurden bereits erste invasive Exemplare gesichtet.

Sie jagt im Flug und greift im Schwarm an, sie kann rückwärts fliegen und legt sich vor Bienenstöcken auf die Lauer: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist ein Superräuber. Einheimische Bienen haben gegen sie keine Abwehrstrategie, selbst einheimische Wespen sind chancenlos. Und nun hat die Superhornisse die Schweiz erreicht.

Nachdem im Dezember 2019 in der waadtländischen Gemeinde Mont-sur-Rolle ein erstes Nest entdeckt wurde, bestätigten Experten in Genf letzte Woche nun den Fund eines weiteren Exemplars. In Frankreich ist die Asiatische Hornisse bereits eine Plage, in Norditalien und Süddeutschland hat sie sich auch schon festgesetzt. Jetzt befürchten die Schweizer Behörden, dass sich die invasive Art in der Schweiz ausbreiten könnte.

Keine Panik, aber Obacht ist angebracht

Dass es nur noch eine Frage von Monaten, vielleicht einem Jahr ist, bis die Asiatische Hornisse sich endgültig in der Schweiz ansiedelt, weiss man beim Bienengesundheitsdienst (BGD). Doch in Panik müssten Imker deswegen nicht geraten, sagt Martin Schwegler, beim BGD zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Wenngleich es vorkomme, dass die Asiatische Hornisse schwache Bienenvölker lokal massiv dezimiere. «Aber», so Schwegler, «Bienen haben viele Feinde, wir werden lernen müssen, auch mit diesen Hornissen umzugehen.»

Trotzdem will man die neue Hornisse im Blick behalten. Deshalb wurde in Zusammenarbeit mit dem Bund ein Identifikationsdienst eingerichtet. Gefundene Insekten, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um Vespa velutina handelt, sollten zum Bestimmen an den Bienengesundheitsdienst gesendet werden.

Stiche sind schmerzhaft, aber ungefährlich

Asiatische Hornissen lassen sich gut von den etwas grösseren Europäischen Hornissen unterscheiden. Sie haben ein oranges Gesicht und einen fast komplett schwarzen Körper, wohingegen Gesicht und Hinterkopf der Europäischen Hornisse gelb sind. Für Menschen ist die Superhornisse ungefährlich. Ihre Stiche sind schmerzhaft, aber nicht giftiger als Bienenstiche. Im Gegensatz zu Wespen werden die Tiere auch nicht von Süssem angelockt, sie machen vielmehr sogar Jagd auf die ungeliebten Wespen. In die Nähe ihrer Nester sollte man aber nicht kommen.

Die europäische Hornisse ist grösser und heller, aber weniger wendig.

Die europäische Hornisse ist grösser und heller, aber weniger wendig.

2004 war das erste Nest der von China bis Indonesien vorkommenden Hornissenart bei Bordeaux entdeckt worden. Vermutlich ist das Insekt in einem Container aus China eingeschleppt worden. Seitdem verbreitet sich der Räuber trotz intensiver Bekämpfung rasant. Jährlich werden allein in Frankreich mehr als 2000 Nester zerstört. Auch in der Schweiz sollen laut Agroscope die Nester dereinst zerstört werden. Fallen erwiesen sich als wenig nützlich.

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David Hablützel, Fachberater für Bienen, Wespen und Hornissen, bietet Umsiedlungen von Nestern an. Dabei kämpft er mit Vorurteilen und versucht, Menschen zu einem Zusammenleben mit den Tieren zu überreden. Wespen seien keineswegs eine Plage.

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