Umwelt

«CO2 ist gar nicht so schlimm»: 9 Mythen der Klimaskeptiker im Faktencheck

Am Samstag demonstrierten in der Schweiz über 50'000 Personen für mehr Klimaschutz. Doch auch die Klimaskeptiker haben zugenommen.

Am Samstag demonstrierten in der Schweiz über 50'000 Personen für mehr Klimaschutz. Doch auch die Klimaskeptiker haben zugenommen.

Am Samstag gingen schweizweit erneut über 50'000 Personen für mehr Klimaschutz auf die Strassen. Doch nicht nur die Befürworter haben Konjunktur, auch die Skeptiker. Neun häufige Aussagen im Faktencheck.

1. «Es gibt gar keinen Klimawandel»

«Manchmal ist es halt kalt und manchmal warm!» Mit dieser einfachen Aussage versuchen Klimaskeptiker immer wieder, den Klimawandel zu widerlegen. Doch: Das Wetter ist nicht das Klima. Ein Klimawandel findet dann statt, wenn sich Wetterdaten – wie zum Beispiel die Temperatur – im Durchschnitt über einen längeren Zeitraum verändern.

Genau dieses Phänomen beobachten Wissenschaftler auf der ganzen Welt im Moment. Die Temperaturen fallen höher aus, die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre wird dichter und der Meeresspiegel steigt. All dies sind starke Hinweise darauf, dass sich das Klima im Moment verändert.

Das Leugnen eines Klimawandels im Allgemeinen entbehrt also jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Deshalb ist die Aussage «es gibt gar keinen Klimawandel» klar falsch.

2. «Es gab schon immer Schwankungen, das ist normal»

Tatsächlich gab es in der langen Geschichte unseres Planeten immer wieder starke Schwankungen, was die Temperatur, den Meeresspiegel und das CO2 in der Atmosphäre betrifft. So gab es sogar Zeiten vor mehreren Millionen Jahren, in denen die CO2-Dichte und die Durchschnittstemperaturen über denen von heute lagen.

Während dem Pliozän, etwa vor zwei bis fünf Millionen Jahren, war die Dichte von CO2-Molekülen in der Atmosphäre etwa gleich hoch wie heute. Die Durchschnittstemperatur lag etwa drei Grad über heutigen Messungen.

Aber: Das hohe Level an CO2 in der Atmosphäre wurde damals über mehrere Jahrtausende hinweg erreicht und nicht in weniger als 100 Jahren. Das Ökosystem des Planeten konnte sich also über eine sehr lange Zeitspanne an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wir können das nicht.

Doch auch ein so kurzfristiger Anstieg ist nicht neu. In der Vergangenheit gingen solche CO2-Explosionen aber jeweils mit einem Massensterben einher. Es stimmt also, dass es bereits vorher Schwankungen gab. Solche kurzfristigen Schwankungen sind aber alles andere als normal und für das Ökosystem stets katastrophal.

3. «Der Klimawandel ist gar nicht so schlimm»

Wie bereits im vorherigen Punkt gezeigt, sind starke und kurzfristige Schwankungen in der Atmosphäre oft mit einem Massensterben einhergegangen. Ähnliche Anzeichen dafür gibt es bereits heute.

Die Folgen des Klimawandels äussern sich bereits heute in einigen Regionen der Erde. So breiten sich wegen des Temperaturanstiegs in sehr trockenen Regionen Wüsten aus. Wegen des Anstiegs des Meeresspiegels sind Küstenregionen bedroht und extreme Wetterlagen häufen sich auf der ganzen Welt.

Extreme Wettersituationen wie der Zyklon in Mosambik werden vom Klimawandel noch verstärkt.

  

Dadurch wird sehr viel Lebensraum zerstört, die Folgen sind Massenmigration und Ressourcenknappheit. Dies als «nicht so schlimm» zu bezeichnen, ist schlicht falsch.

4. «Der Mensch hat gar keinen Einfluss auf den Klimawandel»

Der Zusammenhang zwischen einem Anstieg von Treibhausgasen – am wichtigsten CO2 – und früheren Klimaveränderungen ist bereits ausführlich erwiesen. Vor der Industrialisierung waren in der Atmosphäre im Durchschnitt von einer Million Molekülen 277 CO2-Verbindungen. Heute sind es bereits über 400.

Doch woher kommen die zusätzlichen CO2-Moleküle? Von natürlichen Quellen wie zum Beispiel Vulkanausbrüchen, meinen Skeptiker. Vulkanausbrüche gab es aber bereits vor der Industrialisierung. Ausserdem stossen Vulkane jährlich etwa 200 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Menschen sind aber durch fossile Brennstoffe alleine jährlich für mehr als 35 Milliarden Tonnen CO2 verantwortlich.

Sehr viel mehr als Vulkane: So viel CO2-Emissionen verursacht der Mensch über fossile Brennstoffe.

  

Der Mensch sorgt also für gleich viel CO2, wie wenn jährlich 175 Mal mehr Vulkane ausbrechen würden. Den Einfluss des Menschen auf die Steigerung der CO2-Konzentration und damit auf den Klimawandel zu negieren, ist also falsch.

5. «Die Schweiz trägt gar nicht so viel zum Klimawandel bei»

Im weltweiten Vergleich belegte die Schweiz 2017 in absoluten Zahlen mit einem Gesamtausstoss von etwa 40 Millionen Tonnen CO2 den 67. Platz. Wenn dieser Ausstoss noch pro Kopf ausgerechnet wird, belegen wir sogar nur den 80. Platz. Die Schweiz gehört damit tatsächlich nicht zu den Hauptproduzenten des Treibhausgases.

Doch: Die Schweiz ist ein Dienstleistungsland. Viele für die Schweiz produzierte Produkte werden im Ausland hergestellt. Die Emissionen durch die Produktion fallen deshalb auch in diesen Ländern an und sind in dieser Auflistung nicht sichtbar.

Ausserdem zeigte kürzlich eine Studie des Bundes, dass das viele Geld, welches in der Schweiz angelegt wird, kaum klimafreundliche Verwendung findet. Ein Grossteil des Geldes fliesst in Anlagen von Unternehmen, die klimaschädliche Geschäfte betreiben.

6. «CO2 ist gar nicht so schädlich»

CO2 ist ein natürlich vorkommendes Molekül in der Luft. Viele Pflanzen brauchen die Zusammensetzung für die Photosynthese und somit zum Überleben. Pauschal zu sagen, CO2 sei schlecht, stimmt also nicht.

Das Problem ist die Masse an CO2. Wie bereits in vorherigen Punkten gezeigt, ist die Dichte an CO2-Molekülen in der Atmosphäre seit der Industrialisierung stark gestiegen. Je mehr CO2 in die Atmosphäre steigt, desto stärker wird der sogenannte Treibhausgaseffekt.

Konkret wird die Energie, die durch die Sonneneinstrahlung auf die Erde gelangt, durch die CO2-Verbindungen zurück auf die Erde geworfen, anstatt dass sie wieder in den Weltraum reflektiert wird.

Doch sind wir wirklich sicher, dass es die CO2-Moleküle sind, die den Treibhausgaseffekt auslösen? Ja, denn es lässt sich messen, welche Energiewellen der Sonneneinstrahlung weniger gut ins All zurückreflektiert werden. So lässt sich errechnen, welche Moleküle dafür verantwortlich sind. An der Spitze der Tabelle steht CO2, gefolgt von Ozon und Methan. CO2 ist also sehr wohl schädlich.

7. «Nicht alle Forscher glauben an den menschengemachten Klimawandel»

Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass jede Theorie, jede These durch neue wissenschaftliche Befunde widerlegt werden kann. Klimaskeptiker weisen deshalb gerne darauf hin, dass dies auch bei der Klimaforschung der Fall sei. Mittlerweile gebe es durchaus Befunde, die den Menschen als Hauptverursacher des Klimawandels entlasten.

2016 veröffentlichten sechs Wissenschaftler unabhängig voneinander Studien zu dieser Frage. Sie alle kommen zum Schluss: In etwa 97 Prozent aller Fälle unterstützen die Ergebnisse die These, dass der Klimawandel auf den Menschen zurückzuführen ist. Der Studie liegen fast 12'000 Forschungsprojekte zu Grunde.

Von 12'000 Untersuchungen von ganz unterschiedlichen Wissenschaftlern kommen also rund 11'500 zum Schluss, dass der Klimawandel auf den Menschen zurückzuführen ist. Einen 100-prozentigen Konsensus gibt es also nicht, aber die Zahl liegt sehr nahe dran.

  

8. «Die Klimaschützer schalten AKWs ab und setzen dafür auf Kohlestrom»

Kohlekraftwerke sind grosse CO2-Schleudern, wenn es um die Energiegewinnung geht. Deshalb sind diese bei Klimaschützern besonders verpönt. Die Alternative der Kernenergie ist aber ebenfalls nicht sehr beliebt. Im Vordergrund stehen hier die Gefahr eines Zwischenfalls und die Frage der Entsorgung.

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 beschloss Deutschland im Gegensatz zur Schweiz, bis 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten. Gegner dieses Entschlusses wiesen darauf hin, dass die Atomkraftgegner damit den Kohlekraftwerken wieder Tür und Tor öffneten.

Der Energieträger Atomstrom (pink) hat in Deutschland abgenommen, die erneuerbaren Energien (grün) sind deutlich gewachsen.

  

Nun – acht Jahre später und nach der Schliessung von zehn Kraftwerken – lässt sich feststellen: In Deutschland kam es zu keinen Energieengpässen und die weggefallene Kernenergie konnte komplett durch erneuerbare Energiequellen ausgeglichen werden.

9. «AKWs sind klimaneutral»

Atomkraftwerke produzieren während des Betriebs kein CO2, sondern nur Wasserdampf. Doch in der sogenannten «vorgelagerten Prozesskette» ist das nicht mehr so einfach. Damit gemeint ist der Bau der Kraftwerke selber, die Gewinnung der Rohstoffe wie zum Beispiel Uran oder Plutonium sowie der Rückbau der Anlagen.

Werden diese Faktoren hinzugezählt, sind Atomkraftwerke nicht mehr so klimaneutral, wie sie scheinen. Ein Vergleich zwischen verschiedenen Arten der Energiegewinnung zeigt, «dass erneuerbare Energien [...] im Hinblick auf Treibhausgas-Vermeidungskosten wettbewerbsfähiger sind als Atomstrom – und dies selbst dann, wenn keine externen Kosten für nukleare Risiken veranschlagt werden», wie eine Studie des Instituts für angewandte Ökologie in Darmstadt zeigt.

Auch erneuerbare Energiequellen sind nicht gänzlich klimaneutral. So fallen besonders durch die Produktion von Solarzellen ebenfalls CO2-Emissionen an. Diese lassen sich mit jenen von Atomkraftwerken vergleichen. Wasserkraftwerke und Windanlagen verursachen jedoch weniger CO2.

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