Hochbegabt
Der 9-jährige Max will an der ETH Mathematik studieren

Nach ausgezeichneten Ergebnissen bei der Mathe-Matur möchte das Wunderkind Maximilian Janisch an der ETH Zürich Mathematik studieren. Seine Kommilitonen wären dann etwa doppelt so alt wie er.

Daniel Fuchs
Drucken
Teilen
«Habe mich gut in die Klasse integriert», sagt Maximilian Janisch, seit einem Jahr in der Klasse 1a des Gymnasiums Immensee.

«Habe mich gut in die Klasse integriert», sagt Maximilian Janisch, seit einem Jahr in der Klasse 1a des Gymnasiums Immensee.

Emanuel Freudiger

«Hallo und guten Morgen», begrüsst uns eine helle Knabenstimme in gepflegtem Schriftdeutsch. Maximilian Janisch steht in seinem grasgrünen Poloshirt im Eingang des Gymnasiums Immensee (SZ). Für das Gespräch mit der «Nordwestschweiz» hat ihn die Schulleitung kurzerhand vom Unterricht des Bildnerischen Gestaltens freigestellt. Was Max nicht besonders stört, interessiert er sich doch viel mehr für Formeln, Gleichungen und mathematische Beweise.

Vor einem Monat hat der 9-jährige Bub aus dem nahen Meierskappel (LU) die Mathematik-Maturaprüfungen abgelegt. Erfolgreich. Schriftlich gab’s eine 5,5, mündlich sogar eine 6. Nun wollen die Eltern und der Rektor des Gymnasiums Max an die ETH nach Zürich schicken. Dort soll er die Prüfungen mitschreiben, gleichzeitig aber in Immensee die reguläre Matura abschliessen.

Drei Jahre Primarschule

Wenn an der ETH im September das neue Semester beginnt, wird Max seinen zehnten Geburtstag gefeiert haben. Die meisten seiner Kommilitonen wären dann doppelt so alt wie er.

Eigentlich beginnt die Geschichte bei Max’ Vater, Thomas Drisch. Selbstsicher, mit gestärktem Hemd, gepflegtem weissen Bart und dem ebenso gepflegten Schriftdeutsch, mit dem uns sein Sohn kurz vorher überrascht hat, trifft er beim Gymnasium ein: «Schönen guten Morgen, ich grüsse Sie.» Drisch war Mathematik-Professor an deutschen Universitäten. Später arbeitete er als Direktor beim Schweizerischen Rückversicherer Swiss Re.

Heute ist er 67 und Pensionär. Er hat Zeit, fährt seinen Sohn vier Mal täglich von und zur Schule und ist auf einer bildungspolitischen Mission: Seinem Sohn hat er die Leidenschaft für die Mathematik mitgegeben. Er und andere Hochbegabte sollen besser gefördert werden. Wenn nötig mit einem vorzeitigen Studienbeginn an der ETH.

Wir setzen uns an den Tisch in einem stickigen Sitzungszimmer. Max wirkt aufgeweckt. Würde er seine Worte nicht so sorgfältig wählen, er wirkte wie ein ganz normaler Junge. Doch Max formuliert, reflektiert und nutzt die Begriffe wie ein Erwachsener. «Ich denke, dass ich mich gut in die Klasse integriert habe», antwortet er etwa auf die Frage, ob er unter seinen 15-jährigen Schulkameraden Freunde gefunden hat. Einer, mit dem er besonders gut auskomme, durchlebe gerade seine pubertierende Phase. Doch Max ist zuversichtlich, dass es «gut mit ihm kommt».

Bevor Max im vergangenen Sommer in die 7. Klasse des Gymnasiums Immensee aufgenommen wurde, durchlebte er ein stetes schulisches Auf und Ab. Im August 2009 trat er in die Primarschule Meierskappel ein. Noch im darauffolgenden November wurde er in die 2. Klasse versetzt, und bereits im Frühling durfte er in die 3. Klasse. Das führte sich fort bis zum Gymnasium-Übertritt.

«Nach jeder Versetzung kämpfte ich eine Weile mit Überforderung. Schnell aber fühlte ich mich unterfordert. Mir wurde langweilig», erinnert sich Max. Besonders zeigte sich die Unterforderung im Mathematikunterricht. Waren seine Klassenkameraden noch am «Rechnen», betrieb Max zu Hause mit seinem Vater bereits Analysis. Sie führten allabendliche Gespräche über mathematische Probleme.

ETH trifft Familie zu Gesprächen

Auch in den Kernfächern erbringt Max ausgezeichnete Leistungen. «Er kommt überall gut mit», sagt Schuldirektor Aldo Magno, der sich in der Zwischenzeit dazugesetzt hat. «Von einem ähnlichen Fall habe ich in der Schweiz noch nie gehört», so Magno.

Weder er noch Max’ Vater sehen eine sinnvolle Alternative zum vorzeitigen Studienbeginn. «Soll Max etwa wieder jene Übungen machen, die er längst beherrscht und die ihn langweilen?», fragt Drisch, um die Antwort gleich selber zu geben: «Zurück in den regulären Mathe-Unterricht – das käme einem geistigen Gefängnis gleich.»

Noch hat die ETH nicht entschieden. Möglicherweise fällt dazu nächste Woche ein Entscheid. Das ETH-Rektorat hat die Familie und den Schuldirektor Magno nächsten Mittwoch zu Gesprächen eingeladen. Das bestätigt die ETH-Medienstelle gegenüber der «Nordwestschweiz».

Sie verweist aber auf die formalen Anforderungen an Studierende: Das ist entweder eine eidgenössisch anerkannte Matura oder eine bestandene Aufnahmeprüfung, die ähnliche Inhalte umfasse wie eine Matura. Eine Maturaprüfung jedoch, die nur in einem Fach abgelegt wurde, sei für eine Zulassung nicht ausreichend, so die ETH.

Aktuelle Nachrichten