Coronavirus

Die Zahl der Viren im Kinderrachen ist nicht entscheidend

Kinder spielen nach den allermeisten Studien  keine Rollge bei der Übertragung des Coronavirus..

Kinder spielen nach den allermeisten Studien keine Rollge bei der Übertragung des Coronavirus..

Infizierte Kinder tragen gemäss dem deutschen Virologen Christian Drosten gleich viele Viren wie Erwachsene. Doch deswegen sind sie nicht gleich ansteckend.

Der deutsche Virologe und Berater von Bundeskanzlerin Merkel, Christian Drosten, sorgt für Verwirrung mit einer noch nicht von Fachkollegen begutachteten Studie, einem sogenannten Preprint. Er schreibt, dass es keinen bedeutenden Unterschied gibt zwischen infizierten Kindern und Erwachsenen, was die Zahl der Viren betrifft, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt.

Nach Koch geht von Kindern keine Gefahr aus

Die Virenlast sei in allen Altersstufen gleich. Der Berliner Wissenschafter weist zwar darauf hin, dass Kinder trotzdem viel weniger Krankheitssymptome wie Fieber und Husten zeigen als Erwachsene. Folgert aber, dass infizierte Kinder das Virus genau so gut weitergeben könnten wie Erwachsene. Das widerspricht vielen in den letzten Wochen gemachten Studien sowie auch den Aussagen von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit. Genau weil von den Kindern keine Gefahr ausgehe, dürfen unter 10-Jährige wieder von ihren Grosseltern umarmt werden und können die Schulen geöffnet werden.

Auch Professor Pietro Vernazza, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen, widerspricht.

Die Ansteckung eines Virus, nämlich jene des HIV, ist seit den frühen 1990er-Jahren das zentrale Forschungsthema des Infektiologen. Dabei zeigte sich, dass die Viruslast nur eine Teilaussage ist. Die Infektiosität hängt nach Vernazzas Studien viel mehr von anderen Faktoren ab als von der Zahl der Viren.

Weniger Virusrezeptoren auf Zellen Junger

«Die Autoren haben in ihrer Diskussion zudem einige Argumente unterschlagen, welche gegen ihre Schlussfolgerungen sprechen», sagt Vernazza. Unterschlagen worden seien auch wichtige epidemiologische Beobachtungen wie, dass die Virusrezeptoren bei jungen Menschen in geringeren Konzentrationen auf der Zelloberfläche vorliegen. Das könne aber ein wichtiges Argument sein, warum infizierte Kinder trotz gleicher Viruslast eben doch nicht so ansteckend sind.

Gestern ist Drosten wieder zurückgekrebst und hat eine neue «Science»-Studie geteilt mit Daten aus China. Demnach sind Kinder im Alter von null bis 14 Jahren weniger anfällig für eine Infektion mit SARS-CoV-2 als Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren. Weiteren Sukkurs erhält Daniel Koch auch durch zwei weitere ganz frische Studien. Im australischen New South Wales waren 18 Personen in 15 Schulen positiv getestet worden, welche die Möglichkeit hatten, das Virus unter 735 Studenten und 128 Angestellten der Schulen zu verbreiten. Angesteckt hat sich kein Lehrer und kein Angestellter. Lediglich zwei Studenten sind möglicherweise deswegen angesteckt worden.

Auch eine aktuelle Studie aus Holland zeigt, dass die Kinder eine sehr kleine Rolle spielen bei der Verbreitung von Covid-19. Die Schweizer Kinderärzte verweisen darauf, dass in Schweden die Fallzahlen bei unter 20-jährigen nicht anders waren, obwohl die Schulen dort gar nie geschlossen wurden. Vernazza hält es nicht für statthaft, dass Drosten aus einer ungeprüften Beobachtung solche verwirrenden Schlüsse zieht.

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