Kommunikation

Das Funknetz 5G strahlt gezielt

5G ist nicht einfach der Nachfolger des 4G-Netzes, sondern eine kleine Revolution im Datenverkehr.

5G ist nicht einfach der Nachfolger des 4G-Netzes, sondern eine kleine Revolution im Datenverkehr.

Die Einführung des Mobilfunkstandards 5G geht langsam voran. Denn das aktuelle Gesetz ist für die neue Technologie nicht bereit.

Schon bald startet die Versteigerung der Konzessionen für die neuen Hochfrequenz-Bandbreiten für den Mobilfunk – darunter jene Frequenzen, die für das neue 5G-Netz nötig sind. 220 Millionen Franken kostet das mindestens und die Netzbetreiber Swisscom, Salt und Sunrise werden bezahlen.

Denn 5G ist nicht einfach der Nachfolger des 4G-Netzes, sondern eine kleine Revolution im Datenverkehr. Mit 5G lädt man einen hochaufgelösten Spielfilm innerhalb von wenigen Sekunden herunter. Und Videotelefonie wird mit 5G reibungslos ablaufen. Noch wichtiger als für Privatpersonen ist die rasche Einführung der neuen Technologie für Firmen. Mit der blitzschnellen Verbindung wird das viel beschworene Internet of Things möglich – eine Vernetzung von Tausenden von Geräten.

Doch in der Schweiz ist der Weg zu 5G ein steiniger. Entsprechende Antennen gibt es erst an einzelnen Standorten – etwa in Burgdorf im Kanton Bern oder in den Städten Bern, Basel und Zürich. Die Netzbetreiber würden den Ausbau des Netzes gerne forcieren, können das aber nur beschränkt. Das liegt an den Grenzwerten für Mobilfunkstrahlung. Diese würden neue 5G-Antennen vielfach überschreiten.

Aber nicht, weil die 5G-Strahlung so viel stärker wäre, sondern weil die bisher gültigen Grenzwerte schlicht nicht geeignet sind, um die Strahlung der neuen Antennen zu beurteilen. Denn für das 5G-Netz kommen sogenannte adaptive Antennen zum Einsatz: Sie senden keine konstant hohe Strahlung mehr aus, sondern strahlen nur dann, wenn sie gebraucht werden. Wenn also beispielsweise jemand eine App öffnet und sein Gerät der Antenne meldet, dass eine Verbindung gewünscht ist.

Keine permanente Strahlung

Und: Die Strahlen werden zielgerichteter aufgebaut als jetzt. Darum spricht Physiker Jürg Leuthold, Professor für Photonik an der ETH Zürich, von sogenannten «Pencilstrahlen», also Bleistiftstrahlen. Das steht für die Präzision, mit der die adaptiven Antennen ein Smartphone ins 5G-Netz einbinden. Im Gegensatz zum bisherigen Mobilfunknetz, das heute fast überall hin reicht, bestrahlen die neuen Antennen nur einen schmalen Bereich um das Gerät herum.

Die aktuell gültigen Grenzwerte für Mobilfunkanlagen berücksichten gebündelte Strahlung jedoch nicht. «Die Rechtslage ist im Moment unklar», erklärt Urs Walker, der beim Bundesamt für Umwelt Bafu die Abteilung leitet, die sich mit Mobilfunkstrahlung befasst. Darum werden die adaptiven Antennen manchmal so behandelt, als würden sie in alle Richtungen mit der maximalen Intensität strahlen. So sprengt die 5G-Strahlung in vielen Fällen die Grenzwerte, vor allem dann, wenn es in der Nähe schon 4G-Antennen hat. Mit dem Resultat, dass heute 90 Prozent des Gebiets in Städten nicht mit 5G aufgerüstet werden können.

Im letzten Jahr gab es zwei Vorstösse im Parlament, die eine Lockerung der Grenzwerte beantragt haben. Beide wurden im Nationalrat angenommen, jedoch im Ständerat abgelehnt – beide Male aufgrund einer einzigen Gegnerstimme mehr. «Dieses Zerrissenheit im Parlament ist auch ein Abbild der Verunsicherung in der Gesellschaft gegenüber Handystrahlen», sagt dazu Urs Walker vom Bafu.

Tatsächlich verzeichnet das Umweltamt in jüngster Zeit eine Häufung von Wortmeldungen von besorgten Bürgern und Bürgerbewegungen gegen 5G. Ist die Verunsicherung begründet? Nein, sagt ETH-Physiker Jürg Leuthold. «Seit 15 Jahren untersucht man, ob Mobilfunkstrahlen die Gesundheit beeinträchtigen.» Die Studienlage sei klar: «Keine gross angelegte, unabhängige Studie hat einen negativen Effekt von Handystrahlung auf die Gesundheit gefunden.»

Auf politischer Ebene geht es vorwärts: Zurzeit ist eine Verordnungsrevision in Arbeit, welche die gesetzlichen Lücken schliessen soll. Mitte des Jahres soll sie in Kraft treten und die Basis schaffen, um 5G doch noch zu forcieren.

Dieser Artikel wurde ermöglicht durch die Gebert Rüf Stiftung:

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