Man schaut sich eine TV-Serie an und muss sich am Ende einer Folge eine Woche gedulden, bis es weitergeht. So sah Fernsehen einmal aus – ganz früher. Eine modernere Möglichkeit: Man kauft sich eine DVD mit einer ganzen Staffel der Lieblingsserie und schaut sich alle Episoden am Stück an. Auch diese Variante ist überholt.

Heute geht das anders. TV-Serien werden übers Internet geschaut. Dabei wird der Zuschauer zum User, er kauft sich nicht mehr einzelne Folgen, sondern bezahlt für den Zugang zu einer breiten Palette von Produktionen. Netflix und Hulu heissen die beliebten Portale, die in den USA – und teils auch in Europa -– Serien-Fans schon lange mit den neusten Inhalten bedienen.

Fast wie Netflix für die Schweiz

Ein entsprechendes Angebot fehlte bisher für die Schweiz. Nun ändert sich das: Ab sofort bietet der Online- Service Teleboy ein Flatrate-Angebot für Serienfans. Für knapp 15 Franken pro Monat erhält man Zugriff auf 45 komplette Serien – weitere sollen folgen. Statt sich nach dem Programmdiktat eines TV-Senders zu richten, bestimmt hier der Nutzer, wann er was schauen möchte – und auch auf welchem Gerät. Man beginnt beispielsweise eine Serie auf dem Handy, während man mit dem Zug am Abend nach Hause fährt, beim Nachtessen schaut man auf dem iPad weiter und wechselt dann auf den Fernseher. Entsprechende Applikationen stehen bereits zur Verfügung oder werden in den nächsten Wochen (Android, Apple TV) aufgeschaltet.

Für diese Art von TV-Genuss sind Serien wie gemacht. Sie lassen sich einerseits in kleine Häppchen unterteilen, andererseits scheinen sie kaum jemals zu Ende zu gehen. Und punkto Qualität und narrativen Kniffs laufen die Serien den Hollywood-Filmen ohnehin allmählich den Rang ab.

Bisher war Teleboy – wie Wilmaa und Zattoo – bekannt als Web-TV-Anbieter. Der Dienst bringt das aktuelle TV-Programm auf den PC und mobile Geräte. Das funktioniert auch zeitversetzt, was Serienfans zugute-kommt. Der Besuch der Schwiegermutter ist kein Grund mehr, die neuste Staffel von «Homeland» zu verpassen. Man schaut sie sich einfach später an. Nun will Teleboy den Nutzern die ganz grosse Freiheit bieten: alle Folgen einer Serie zu jeder Zeit! Über 700 Episoden stehen bereit. Das klingt nach viel. Doch einiges vermisst man. «Homeland» läuft etwa auf dem guten alten SRF, fehlt aber auf dem hippen Portal nicht. Die schrille Comedy-Serie «Girls» fehlt ebenso wie «Newsroom» und «Downton Abbey».

Die neuen Teleboys und Telegirls

Dafür feiern die vierte und die fünfte Staffel von «Breaking Bad» auf dem Portal ihre Schweizer Premiere. Einige spannende, aber nicht ganz so angesagte BBC-Produktionen wie «Luther» sind auch dabei. Vieles ist aber eher alt und vorbei wie «Lost». Je nach Geschmack kann Teleboy eine Offenbarung sein oder aber eine glatte Nullnummer. Dass zum Start noch nicht mehr Serien dabei sind, hat einen einfachen Grund: Das Aushandeln der Lizenzen ist harte Arbeit – und muss für jede Produktion aufs Neue abgewickelt werden. «Über zwei Jahre haben wir mit verschiedenen Produktionsfirmen verhandelt», sagte Karim Zekri, Geschäftsführer von Teleboy, anlässlich der gestrigen Medienkonferenz. Wäre das Erwerben der Lizenzen nicht so schwierig, gäbe es ein entsprechendes Angebot schon länger.

Doch Produktionsfirmen sträuben sich noch immer, den digitalen Realitäten ins Auge zu schauen. Sie sehnen sich nach einer Zeit, in der nicht die Nutzer, sondern die TV-Sender das Zepter in der Hand hielten, was ordentlich Zaster einbrachte. Doch Zeiten ändern sich. In den 1970er-Jahren schaffte es Kurt Felix noch, mit «Teleboy» über zwei Millionen Zuschauer gleichzeitig vor die Röhrenbildschirme zu locken. Umschalten war damals auch kaum möglich. Neben DRS waren höchstens noch ARD und ZDF auf den Schirm zu kriegen.

Dann kamen die privaten Sender und die Differenzierung des Programms begann. Nun bringt das Internet den nächsten Wandel mit sich und stellt den Nutzer ins Zentrum. So werden wir alle ein wenig zu Teleboys und Telegirls, die mittels Apps das Programm bestimmen.

Einmal klicken und los gehts

«Die Leute sind bereit, für digitale Medien zu bezahlen, wenn das Produkt stimmt», ist Karim Zekri überzeugt. Natürlich könnte man die neusten Serien im Internet zusammensuchen und – zumindest in der Schweiz – halbwegs legal herunterladen. Doch das ist mühsam. Man muss die Dateien zuerst orten und dann horten. Oft stimmt auch die Qualität nicht. Und wer sie auf dem iPad schauen will, muss sie dafür ins richtige Format umwandeln. Komfortabler ist anders: Einfach eine App öffnen, auf die gewünschte Folge klicken und schon geht es los. Beim neuen Angebot Teleboy-Serien, das zeigt ein kurzer Test, ist das der Fall.