Geht es nach der Sonntagspresse, so sollen auf Fans von Serien wie «Game of Thrones», «How I met your mother» oder «Modern Family» bald schlechte Zeiten zukommen.

Wie die «NZZ am Sonntag» und «20minuten» berichten, hat die Arbeitsgruppe des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum, «Agur12» hat im Auftrag von Justizministerin Simonetta Sommaruga einen Vorschlag ausgearbeitet, der Internetanbieter dazu verpflichten soll, künftig Warnhinweise einzublenden, wenn ihre Kunden auf Seiten zugreifen, um gratis Musik oder Filme herunterzuladen.

Offensichtlich illegale Seiten sollen sogar ganz gesperrt werden. Sind die Inhalte in der Schweiz gespeichert, sollen die Anbieter in einer Art Selbstregulierung diese Dateien löschen müssen, schreibt die «NZZ am Sonntag».

Die Arbeitsgruppe, die das Urheberrecht im digitalen Kontext untersucht, fordert auch Warnhinweise, die Verbände von Künstler oder Labels veranlassen sollten.

Solche Warnhinweise für die Internetbenutzer sind laut Franz Grüter, Geschäftsführer des Internetanbieters Green.ch und Präsident der SVP Luzern, eine abstruse Idee:

«Die Internetprovider würden damit zu einer Internet-Polizei, die überwachen müssen, welche Seiten ihre Kunden ansteuern. Das geht Richtung Zensur und entspringt einem totalitären Ansatz.» Auch beliebte Seite wie serienjunkies.org oder movie-blog.org würden bei der Umsetzung des «Agur12»-Vorschlags gesperrt werden.

Bereits heute verpflichtet ein Verhaltenskodex die Hosting-Provider dazu, illegale Inhalte aus dem Netz zu nehmen, wenn diese gemeldet werden. Doch meist tauchen sie kurz danach wieder auf.

Weltweit sind es laut NZZ 200 bis 300 Seiten, die im grossen Stil illegale Inhalte anböten. Bekäme man diese blockiert, würde sich laut Audivision Schweiz «wohl 80 Prozent des Problems lösen».

Gretchenfrage: Bezahlschranke

Dass Künstler und Autoren für ihre Werke entschädigt werden sollen, bestreitet niemand. Doch unter welchen Voraussetzungen man Freunden in Zukunft noch CDs und DVDs brennen darf oder aktuelle Bluckbuster, Serien oder Dokumentationen in DVD-Qualität im Netz herunterladen darf,oder wie man die Konsumenten dazu bringt, künftig für etwas zu bezahlen, dass man im Internet gratis herunterladen kann, darüber ringt die Arbeitsgruppe «Agur 12» mit ihren 18 Vertretern aus Kultur, Verwaltung, Produktion und Nutzern seit fast einem Jahr.

Die Arbeit der Agur 12 ist jedoch keineswegs abgeschlossen, wie der Sekretär der Arbeitsgruppe und Leiter des Rechtsdienstes Urheberrecht des IGE, Emanuel Meyer auf Anfrage mitteilt.

Ob die Aussagen der Sonntagspresse so zutreffend sind, wollte Emanuel Meyer nicht kommentieren. Er beruft sich auf die noch laufenden Arbeiten und Verhandlungen, die nicht kommentiert werden dürfen.

Eine letzte Sitzung würde am Mittwoch, 28. November stattfinden und ihren Schlussbericht am 6. Dezember veröffentlichen.

Danach ist vorgesehen, dass die Vorschläge an das Justizdepartement gehen, das dem Bundesrat anschliessend eine Vorlage unterbreiten dürfte.

So sieht das Gesetz heute aus

Urheberrechtlich geschützte Musik, Filme, Bücher und Games dürfen in der Schweiz für den persönlichen Gebrauch heruntergeladen werden, auch von illegalen Seiten. Wenn eine erlaubte Privatkopie gemacht wird, dürfen sogar Programme zum Umgehen eines Kopierschutzes verwendet werden.

Strafbar macht sich einzig jemand, der urheberrechtlich geschütztes Material auf seine Webseite hochlädt oder dieses via Tauschbörsen verschickt.

Zahlen zum Konsum von illegalen Inhalten sind widersprüchlich, manche wie International Intellectual Porpertiy Alliance gehen von 35 Porzent der Schweizer aus.

Doch wo ein Bedürfnis ist, ist auch ein Markt. Die Nachfrage nach halblegalen Download-Portalen ist gross.

Bis anhin habe man sich mangels Angeboten  ja gar keine andere Möglichkeit gehabt, als sich Serien in den Grauzonen der Legalität zu beschaffen, sagte Teleboy-CEO Karim Zekri.

Doch seit dem 12. November gibt es für die Schweiz zumindest eine Alternative: Teleboy bietet neu monatliche Serien-Flatrates an, Zattoo hat einen ähnlichen Service angekündigt.

Ganz nach dem Vorbild des US-amerikanischen Senders Netflix, auf dem man sich zuerst registriert, dann monatlichen einen bestimmten Betrag einbezahlt und sich dann die Serien legal im Internet anschaut, das leidige Hoch- oder Runterladen entfällt.

Eine Pionierleistung für die Schweiz, gewiss. Sie entspringt aber nichts anderes als dem Bedürfnis einer Generation. Die Jungen ab 15 sehen heute kaum mehr fern. Sie bestimmen ihr Programm im Internet selbst, ihr TV-Konsum ist anders konditioniert als noch ihre Eltern.

Junge halten sich pro Tag vier Stunden im Internet auf, im Fernsehen nur noch durchschnittliche 103 Minuten, wie die deutsche «Zeit» schreibt.

Ein grundlegender Umbruch für die Fernsehindustrie. Das Ende der Gewissheit - und die Bekämpfung illegaler Inhalte bleibt so umstritten wie volatil.