Mörgeli-Sperre

So entscheidet Facebook, welches Profil gesperrt wird

SVP-Nationalrat Mörgeli wurde wegen «unangebrachtem» Inhalt temporär gesperrt - wer die Benimmregeln einhält, bleibt weiterhin online.

Auf Facebook tummeln sich weltweit fast eine Milliarde Menschen. Ähnlich wie in Vereinen, Organisation und Firmen gibt es auch hier Benimmregeln. Beleidigung, Diskriminierung oder das Veröffentlichen von Beiträgen mit sexuellem Inhalt führen schnell zur Sperrung auf dem Portal des blauen Riesen. Entweder wird Facebook selbstständig aktiv oder aber reagiert auf Hinweise durch andere Nutzer.

Bei Verletzung der Benimmregeln oder der Meldung eines Nutzers, dass sich dieser belästigt oder gar beleidigt fühlt, überprüft Facebook in einem ersten Schritt die Inhalte, entfernt diese bei Bedarf, sperrt Nutzern den Zugang zum Portal oder leitet rechtliche Schritte ein.

Das Sperrprozedere von Facebook aber ist nicht transparent: Am Dienstagabend ist das Benutzerkonto von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli wegen «unangebrachten Inhalten» gesperrt worden.

Mehrere Nutzer auf Facebook und Twitter verkündeten, sie hätten rassistische Inhalte Mörgelis gemeldet. Grund für die temporäre Sperrung soll das «Fachkräfte»-Bild, das der SVP-Politiker am 26. August auf seiner Pinnwand aufgeschaltet sein.

Ob dies tatsächlich der Grund für die Sperrung war, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Seit Mittwochmorgen ist der SVP-Mann wieder online.

Gefährlicher Trend

Schliessen sich Nutzer zu einem Mob gegen ein Facebook-Mitglied zusammen, sperrt Facebook voraussichtlich das Profil des angeblichen Störenfriedes. Wird bei der Überprüfung des gemeldeten Beitrages nach den «Facebook Community Standards», also dem Knigge für Facebook, nichts Anstössiges oder Widerrechtliches gefunden, erhält der Nutzer wieder seine Zugangsberechtigung zur Facebook-Gemeinschaft.

Die Mobbing-Macht der Nutzer ist laut Social Media Experte Michael Glünz nicht zu unterschätzen: «Der Gruppenzusammenschluss und die Hetze gegen einen Nutzer ist gefährlich. Wie im Falle Mörgeli gab es keine direkte Konfrontation, die Meldungen passieren hinter dem Rücken des Nutzers. Das ist heikel», erklärt Glünz.

Für Facebook, die weltweit unzählige Kulturen und Gesinnungen auf dem Portal verbindet, ist das Sperrprozedere ein Balanceakt: Wo beginnt Rassismus und wann ist Nacktheit eine Belästigung? Wie genau die Suchmaschinen programmiert sind, die die Plattform auf besagte Inhalte prüfen, ist unklar.

«Facebook will keine Plattform für Rassisten sein, muss also solche Inhalte unterbinden. Auf der anderen Seite sollen politische Diskussionen nicht unterbunden werden», sagt Glünz. Auch haben die Statuten des amerikanischen Unternehmens aus dem Silicon Valley sehr strenge Richtlinien was Nacktheit angeht.

«Nackte Haut ist im amerikanischen Raum heikler als in Europa. Und Meinungsfreiheit geniesst dort eine grössere Wertschätzung als in unseren Breitengraden.» Dies führe dazu, dass Verstösse gegen das Nacktheitsverbot rigoroser geahndet werden, als etwa politische extreme Äusserungen.

Realnamenzwang ist neu

Seit Anfang Jahr sperrt Facebook neue Nutzer die sich mit Pseudonymen anmelden. Das Portal will damit für das verantwortungsvolle Verhalten im Netz sensibilisieren.

In einem solchen Fall wird der Nutzer aufgefordert den echten Vor- und Nachnamen, sowie das Geburtsdatum mitzuteilen. Als Beleg soll eine Kopie des gesetzlichen Ausweises mitgeliefert werden.

Bei der Reaktivierung des Zugangs entspricht der Profilname nun dem echten Namen. Wenn ein Nutzer seinen Namen ändert, etwa weil er heiratet, steht ihm ein digitaler Papierkrieg bevor.

Mörgeli kurzfristig von Facebook gesperrt

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