Technik

Das sind die Autos der Zukunft – unser Autor berichtet von der Internationalen Automobil-Ausstellung aus Frankfurt

Ola Källenius präsentiert die Zukunftsstudie Vision Mercedes EQS.

Zahlreiche Hersteller verzichten auf einen Auftritt an der IAA. Trotzdem bleibt Frankfurt die Autohauptstadt.

Die internationale Automobil Ausstellung, kurz IAA, kann für Besucher und Journalisten schnell zum Fitnessprogramm werden.

Wer vom BMW-Stand zu Mercedes wechseln will, ist rund 15 Minuten unterwegs; immerhin im Freien, man spaziert durch den riesigen Innenhof des Messegeländes. Hier füllen ein paar Verkaufsstände sowie Möglichkeiten für kurze Probefahrten den Platz.

Denn Platz gibt es, sowohl aussen als auch innen, mehr als genug. Zahlreiche Hersteller, wie Kia, Mazda, Toyota, Peugeot, Volvo oder der gesamte Fiat-Konzern haben ihre Messeauftritte in Frankfurt für dieses Jahr gestrichen.

BMW hat seinen Stand drastisch verkleinert; statt einer Halle mit 11 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und einer Probefahrtenstrecke gibt es 2019 einen vergleichsweise bescheidenen Stand mit rund 3000 Quadratmetern.

Mercedes auf der anderen Seite des Geländes nutzt den freigewordenen Platz und belegt die gesamte Festhalle mit einem Auftritt, der mehr an ein Museum als an einen Messestand erinnert.

Beide Marken wollen in Frankfurt einen Ausblick in die Zukunft bieten. Bei BMW geschieht dies mit dem Concept4, ein Vorgeschmack auf das neue 4er Coupé, das wohl 2021 präsentiert wird.

Auffallend ist die riesige Doppelniere an der Front, die in dieser extremen Form wohl kaum den Weg in die Serie finden wird. Realistischer ist die sanft abfallende Dachlinie am Heck, die an den grossen Bruder, das 8er Coupé, erinnert.

Das Concept 4 von BMW ist ein erster Ausblick auf das neue 4er Coupé. Bild: zvg

Das Concept 4 von BMW ist ein erster Ausblick auf das neue 4er Coupé. Bild: zvg

Antriebsseitig wird sich der 4er am aktuellen 3er orientieren; das heisst: Benziner und Diesel mit 184 bis 510 PS. Vermutlich wird, erstmals im Coupé, auch ein Plug-in-Hybrid unter die Haube kommen.

Deutlicher auf Strom setzt Mercedes an der IAA. Denn: «Begehrenswerter, zeitgemässer Luxus muss nachhaltig sein – aber eben auch nachhaltig faszinierend», sagte Ola Källenius, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG.

Dafür steht das Concept Vision EQS; der Ausblick auf eine S-Klasse mit reinem E-Antrieb. Dank zweier E-Motoren verfügt der Luxus-Stromer über Allradantrieb und 760 Nm Drehmoment. Dank 100 kWh Batteriekapazität soll er bis zu 700 Kilometer Reichweite bieten, binnen 20 Minuten soll sich der Akku auf 80 Prozent laden lassen.

Wann der Strom-Stern auf die Strasse rollt, ist allerdings schwer abzuschätzen. Dafür haben die Schwaben auch die neuen Plug-in-Hybrid-Modelle von A-, B- und GLE-Klasse mit nach Frankfurt gebracht.

Letztere markiert einen grossen Sprung für die Kombination aus Verbrenner und E-Motor: Bis zu 106 Kilometer (NEFZ) sollen rein elektrisch möglich sein, danach übernimmt ein sparsamer Diesel. Damit will der Stern das Luxussegment in die Zukunft bringen.

Retro für die Zukunft

Einen grossen Sprung vollzieht in Frankfurt Land Rover: Der lange erwartete neue Defender wurde endlich enthüllt. 2016 haben die Briten den Kult-Geländewagen nach über 70 Jahren in Rente geschickt.

Der robuste Allradler gilt als Kern der Marke, er verkörpert nicht nur deren Tradition, sondern steht auch für das Offroad-Talent der Briten. Mit dem Nachfolger hat man sich nun etwas Zeit gelassen, schliesslich darf hier nichts schiefgehen.

Retrocharme trifft Zukunftsdesign: Der neue Land Rover Defender kommt Anfang 2020 auf den Markt, genauso der Honda e; das Concept 4 von BMW ist ein erster Ausblick auf das neue 4er Coupé. Bilder: zvg

Retrocharme trifft Zukunftsdesign: Der neue Land Rover Defender kommt Anfang 2020 auf den Markt, genauso der Honda e; das Concept 4 von BMW ist ein erster Ausblick auf das neue 4er Coupé. Bilder: zvg

Der neue Defender will optisch an seine Ahnen erinnern und kommt entsprechend kantig daher. Im Innenraum hält mit einem Touchscreen-Navi erstmals das digitale Zeitalter Einzug beim Defender, ansonsten wirkt das Cockpit für ein modernes Auto erfrischend rustikal.

Dass er auch im Gelände so robust ist, wie er daherkommt, musste er bei zahlreichen Abnahmefahrten bereits beweisen; auf die Strasse – oder auch ins Gelände – kommt der neue Defender 2020. Dann muss er seine härteste Prüfung ablegen: ob er auch bei den eingefleischten Fans gut ankommt.

Retro für die Stadt

Lange erwartet wurde ein weiteres Auto im Retro-Design: der Honda e. Die Serienversion, wie sie an der Messe in Frankfurt zu sehen ist, soll im Frühjahr 2020 in zwei Leistungsstufen auf die Strasse kommen, 136 oder 154 PS stehen auf dem Datenblatt. Die Reichweite des Stadt-Stromers soll bei 220 Kilometern liegen; der Verkaufspreis für die Schweiz steht noch nicht fest, es dürfte aber bei weniger als 40 000 Franken losgehen.

Dafür bietet der dreitürige Stadtfloh nicht nur kultiges Aussendesign, sondern auch ein hübsch gestaltetes Cockpit mit hochwertigen Holzeinlagen und grossflächigen Displays, die sich über die ganze Breite des Armaturenbretts ausbreiten.

So sieht Zukunft aus! Doch: Der E-Honda ist nicht allein. Einen direkten Konkurrenten bringt Mini nach Frankfurt: Der Cooper S E bietet ebenfalls kultiges Retro-Design, bis zu 270 Kilometer Reichweite und mit 184 PS sogar noch etwas mehr Kraftreserven. Auf den Markt kommt der britisch-deutsche Stromer im März 2020; er wird ab 39 900 Franken kosten.

Der Honda e kommt ebenfalls 2020 auf den Markt. Bild: zvg

Der Honda e kommt ebenfalls 2020 auf den Markt. Bild: zvg

Das Thema E-Mobilität ist an der Messe in Frankfurt ohnehin stark vertreten. Denn wenn die Hersteller den ab 2020 geltenden maximalen Flottendurchschnitt von 95 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten wollen, müssen sie elektrifizierte Autos auf die Strasse bringen.

Dass die Branche daran arbeitet, zeigt die grosse Frankfurter Auswahl an Stromern und Plug-in-Hybriden, obwohl zahlreiche Hersteller nicht präsent sind.

Mehr Auswahl, mehr Faszination

Von den genannten Kleinwagen über die neuen E-Kompakten aus dem VW-Konzern, den ID.3 und den Seat el Born, bis hin zu grossen SUVs oder Sportlimousinen (Mercedes EQC, Audi e-tron, Jaguar iPace und Porsche Taycan), Vans wie dem Mercedes EQV ist für jeden Einsatzzweck etwas dabei. Nun braucht die E-Mobilität noch mehr Faszination und Akzeptanz.

Dafür will Opel an der Messe in Frankfurt mit der Rallyeversion des Corsa e sorgen. Als erster Rallyewagen mit E-Antrieb soll er in der kommenden Saison die ersten Läufe im Rahmen der deutschen Meisterschaft bestreiten.

Im Renntempo soll der Akku rund 60 Kilometer durchhalten – was für alle Sonderprüfungen genügt. In den Servicepausen wird der Stromrenner direkt vor Ort mit einer mobilen Station geladen. Sie funktioniert ähnlich wie ein Zusatzakku für das Smartphone, nur ein paar Nummern grösser.

Auch wenn der Rallyeeinsatz nicht direkt mit dem Alltag auf der Strasse zu tun hat, zeigen Konzepte wie dieses dem Publikum die Möglichkeiten neuer Technologien. Und genau dafür ist eine Messe nach wie vor der richtige Ort.

Dafür schafft der Umstand, dass sich nicht mehr alle Hersteller einen kostspieligen Auftritt leisten können und wollen, Platz, auf dem das Publikum die Faszination der Zukunft erleben kann.

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