Es ist passiert: Österreichische Forscher konnten Mikroplastik im menschlichen Körper nachweisen. Haben wir uns jahrelang vergiftet? Eine schwierige Frage, denn die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen sind umstritten. Hier eine Übersicht in fünf Fragen und Antworten. 

1. Was haben die Forscher herausgefunden?

Die Pilotversuche des Umweltbundesamtes (UBA) und der MedUni Wien haben Mikroplastik im Stuhl von Menschen nachgewiesen. In der Studie mussten acht Personen, fünf Frauen und drei Männer, ein Ernährungstagebuch führen und schliesslich eine Stuhlprobe einschicken. Bei allen Acht konnte Mikroplastik nachgewiesen werden.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Mikroplastik beim Verzehr von in Plastik verpackten Lebensmitteln in den menschlichen Körper gelangt. Doch: «Zusammenhänge zwischen Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik können wir aufgrund der geringen Anzahl der ProbandInnen nicht sicher herstellen», so ein Studienautor.

2. Wie überraschend sind die Resultate?

Mikroplastik konnte bereits in mehreren anderen Lebewesen nachgewiesen werden, so zum Beispiel in Meerestieren, besonders in Muscheln.

Die Forschung vermutete schon lange, dass durch die ständig ansteigende Verschmutzung der Ozeane und der weit verbreiteten Verwendung von Mikroplastik in Kosmetikprodukten Stoffe in den menschlichen Kreislauf geraten.

Wie gefährlich ist Mikroplastik? Die Forscher sind sich uneins.

Wie gefährlich ist Mikroplastik? Die Forscher sind sich uneins.

Die österreichische Studie ist aber die erste ihrer Art und zum ersten Mal konnte so zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Mikroplastik auch in den menschlichen Organismus gelangt. Alle Probanden haben sich unter anderem mit Nahrungsmittel aus dem Meer oder in Plastik verpackten Produkten ernährt.

3. Was bedeutet das für die Plastik-Industrie?

Für die Plastik-Industrie dürfte sich vorerst nicht viel ändern. Dafür müsste zuerst nachgewiesen werden, dass die Stoffe gesundheitsgefährdend sind. Dies ist auch bereits bei einigen Stoffen passiert, so zum Beispiel bei DEHP, der sich auf Nieren, Leber und Hoden schädigend auswirkt. Die Plastik-Industrie wich daraufhin auf andere Stoffe aus, die bis jetzt noch als ungefährlich eingestuft wurden.

Trotzdem dürfte der öffentliche Druck auf die Plastik-Hersteller noch stärker ansteigen. Über den Sommer 2018 entschieden sich immer mehr Staaten, gegen Plastikmüll vorzugehen. So will auch die EU Wegwerfprodukte wie Trinkhalme aus Plastik verbieten. In Neuenburg ist ein solches Verbot bereits Tatsache.

4. Gibt es also keine gesundheitlichen Auswirkungen?

Diese sind weiterhin umstritten. Bei einigen Stoffen konnten bereits gesundheitsschädliche Folgen nachgewiesen werden. Trotzdem gelte viele Stoffe noch als ungefährlich. Beunruhigend dürften besonders Ergebnisse aus der Tierwelt sein. So haben grössere Mikroplastikansammlungen bei Muscheln bereits zu Entzündungen und Wachstumshemmung geführt.

Besonders umstritten sind die sogenannten Weichmacher und «Plastikhormone». Davon setzt die Plastik-Industrie mehrere Duzend verschiedene Stoffe ein. Manche wirken sich dabei im menschlichen Körper wie Hormone aus und können zu Unfruchtbarkeit führen. Die EU drängt darauf, dass die Industrie deshalb in Zukunft auf Weichmacher verzichtet. 

Weiter vermuten Forscher, dass sich an Mikroplastik-Teilchen andere Schadstoffe ansammeln. Die Teilchen dienen also quasi als Taxi für krankmachende Stoffe. Dies ist jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen und bisher nur eine Theorie.

5. Wie geht es jetzt weiter?

Die Studien-Autoren haben bereits angekündigt, dass nun der gesundheitliche Aspekt im Fokus stehe: «Die Auswirkungen der gefundenen Mikroplastikpartikel auf den menschlichen Organismus – insbesondere auf den Verdauungstrakt – können erst im Rahmen einer grösser angelegten Studie erforscht werden.» So befassen sich bereits mehrere Studienabteilungen auf der ganzen Welt mit dem Thema.

Die EU drängt die Plastik-Hersteller, weiter auf umstrittene Stoffe zu verzichten. Mit Verboten hält sie sich jedoch noch zurück. So gelten in der EU nur Verbote für umstrittene Plastikstoffe in Kinderspielzeugen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hält sich bisher noch mit Einschätzungen zurück. Auch hier wartet man auf weitere Ergebnisse aus der Forschung.

(leo, mit Material der sda)