Hunde-Rollstuhl
Luisa hat keine Vorderbeine – dank 3D-Drucker kann sie laufen

Die Hündin Luisa wurde ohne Vorderbeine geboren. Um ihr die Fortbewegung zu erleichtern, hat ihre Familie im deutschen Riedhausen bei Ravensburg eine Art Rollstuhl aus dem 3D-Drucker für sie entworfen.

Beate Kittl
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«Streng genommen kommt nur die Brustschale aus dem Drucker», sagt Manuel Tosché, der mit seiner Partnerin Petra Rapp die Strassenhündin aus Italien aufgenommen hat.

Luisas Fahrgestell hat rechts und links zwei Vorderräder, in der Mitte ein Stützrad und die Brustschale, die mit weichem Plüsch überzogen ist.

Die Hündin führt Tagebuch

Wird die Hündin grösser, wird einfach eine neue Schale ausgedruckt. Die Anleitung für das Fahrgestell stellte die Familie ins Internet, um vielleicht auch anderen Tieren helfen zu können.

Daneben führt Hündin Luisa, respektive ihre Besitzer, einen Blog mit Texten, Fotos und Videos zu ihrem Alltag und ihren Fortschritten im Rollstuhl.

Schnabelprothese oder neuer Panzer

Luisa ist nicht das erste Tier, dem mit 3D-Technologie geholfen wurde: In den USA erhielten beispielsweise ein misshandelter Tukan eine Schnabelprothese und eine Schildkröte einen neuen Panzer aus dem Drucker. Es soll sogar einen Fisch geben, dem eine Schwimmhilfe gedruckt wurde.

Grundsätzlich könnte die Technologie in der Tiermedizin generell von Nutzen sein, sagt der Professor für Veterinärmedizin Martin Kramer von der Universität Giessen. Allerdings brauche sie noch eine ganze Weile, um sich auch in Europa wirklich durchzusetzen, da sie mit nicht unerheblichen Zusatzkosten verbunden sei.

Eine wirkliche Innovation stelle der 3D-Druck beispielsweise bei komplexen Knochenbrüchen dar, sagte Kramer. «Hier können dann am Modell die Implantate passgerecht angefertigt werden, um diese anschliessend bei der Operation verwenden zu können.»

«Technologie aus dem letzten Jahrtausend.»

Dass die Technik erst seit wenigen Jahren angewendet wird, sei eigentlich absurd, sagt Alexander Stefas vom «FabLab» in Darmstadt, wo 3D-Drucker, Scanner und andere Werkzeuge öffentlich zur Verfügung stehen. «Die ersten Patente für den 3D-Druck sind von 1986. Wir reden über Technologie aus dem letzten Jahrtausend.»

Bislang werde hauptsächlich mit Kunststoff gedruckt. Aber gerade beim Material entwickelten sich die Maschinen ständig weiter: «Man kann grob sagen, das alles, was schweissbar ist, auch druckbar ist. Man kann Metalle drucken, Polymere – also einen chemischen Stoff aus Makromolekülen, Ton oder Porzellan. Selbst Schokolade kann man drucken.» (SDA)

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