Rosetta has landed!

Mit Demokratie den Weltraum erobern

Kurz nach halb fünf setzte Rossetas Lander Philae sanft auf dem Kometen «Chury» auf. Doch bis die Wissenschafter der ESA (European Space Agency) die geglückte Landung vernahmen, dauerte es fast eine halbe Stunde.

28 Minuten auf eine Nachricht warten, das ist in unserem hyperschnellen Informationszeitalter eine halbe Ewigkeit. Doch solange hat nun einmal das Signal für die 500 Millionen Kilometer, die zwischen «Chury» und der Erde liegen.

Danach ging es ganz schnell: Die frohe Botschaft wurde von Rosettas Twitter-Account in allen möglichen Sprachen unmittelbar um den Erdball geschickt – und mannigfach retweetet.

Während auf der Erde eine Innovation die nächste jagt, geht die Erforschung der Raumfahrt in geradezu gemächlichem Tempo voran.

Angesichts der Unendlichkeit des Weltraums ist die technische Schaffenskraft des Menschen eben doch sehr begrenzt. Umso beeindruckender ist es, dass e der ESA gelungen ist, zum ersten Mal mit einem menschlichen Objekt auf einem Kometen zu landen.

Vor 20 Jahren haben die Planungen der Mission «Rosetta» begonnen. Vor 10 Jahren ist die Raumsonde gestartet – die Elektronik , die sie an Bord hat, ist im Vergleich zu jener, die in unseren Smartphones steckt längst veraltet. Aber sie funktioniert. Die Landung ist geglückt und Rosetta sendet beständig Daten auf die Erde.

Die Mission ist ein historischer Erfolg für die ESA. Sie zeigt, zu was Europa fähig ist, wenn alle Länder zusammenarbeiten.

Deutschland hätte die Landung alleine nicht geschafft, Frankreich auch nicht, die kleine Schweiz schon gar nicht – obwohl sie bei der Mission alles andere als unwichtig war. Die Kameras im Lander Philae sind made in Switzerland. Und ein zentrales wissenschaftliches Instrument hat die Universität Bern beigesteuert.

In der amerikanischen Raumfahrt bestimmt eine Organisation, die Nasa, wo hin es geht. In Russland und China ebenso. In Europa haben die verschiedenen Länder unterschiedliche Interessen und müssen sich demokratisch auf gemeinsame Missionen einigen.

Der Diskurs ist umständlich, aber nicht unmöglich. So gesehen ist die Landung auf dem Kometen «Chury» – eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt – auch ein Erfolg für das Modell der Demokratie.

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