Archäologie

Spektakuläre Bergung eines keltischen Grabs in Baden-Württemberg

Archäologie für einmal nicht mit Schäufelchen und Pinselchen sondern mit Kränen: Im Baden-Württembergischen Hebertingen ist ein frühkeltisches Prunkgrab en bloc ausgehoben worden. (dpa)

Archäologie für einmal nicht mit Schäufelchen und Pinselchen sondern mit Kränen: Im Baden-Württembergischen Hebertingen ist ein frühkeltisches Prunkgrab en bloc ausgehoben worden. (dpa)

In Baden-Württemberg ist bei Herbertingen ein frühkeltisches Prunkgrab auf spektakuläre Weise geborgen worden. Die gesamte Grabkammer wurde am Dienstag im Block von zwei Schwerlastkränen gehoben, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Stuttgart mitteilte.

Der etwa acht mal sechs Meter grosse Block hat ein Gewicht von etwa 80 Tonnen. Er wurde zur weiteren Untersuchung in die Labore des Landesamts für Denkmalpflege gebracht, wo das Grab in den nächsten Jahren von Archäologen, Restauratoren und Naturwissenschaftlern untersucht werden soll. Die Experten versprechen sich davon neue Erkenntnisse zur Geschichte und Kultur der frühen Kelten des siebten bis fünften Jahrhunderts vor Christus.

Der Fundort liegt nahe der Heuneburg bei Herbertingen im Landkreis Sigmaringen. Die Heuneburg gilt als älteste Stadt nördlich der Alpen und ist eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Mitteleuropas.

Papa, Mama, Kind?

Erste Untersuchungen im Hügelbereich hatten ergeben, dass die Hölzer der Grabkammer und auch Grabbeigaben aus organischen Materialien teilweise noch erhalten sind, was äusserst selten vorkommt. Allerdings nehmen die wissenschaftlich wertvollen Objekte durch die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre bereits Schaden und sind auch wegen der fortschreitenden klimatischen Veränderungen akut gefährdet.

Erste Funde, darunter Grabbeigaben aus Gold und Bernstein, nähren laut den Experten die Hoffnung, dass in dem Grab eine bedeutende Persönlichkeit von der Heuneburg bestattet liegt. Bereits 2005 und 2010 wurden nur hundert Meter entfernt die Gräber einer vornehmen keltischen Dame und eines etwa dreijährigen Mädchens freigelegt, die mit aussergewöhnlich reichen Beigaben bestattet worden waren.

Die Archäologen wollen nun herausfinden, wer diese prunkvoll bestatteten Personen sind und in welcher Beziehung sie zueinander standen. Es könnte sich um verwandte Mitglieder der politisch führenden Familien handelt, die um 600 vor Christus das Sagen auf der Heuneburg hatten.

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