"Wir sehen heute eine starke Zunahme vieler Formen von Hass, einschliesslich des Giftes des Antisemitismus' und anderer Angriffe auf Minderheiten", erklärte sie in Genf. Dazu gehörten auch körperliche Übergriffe auf Kinder und Erwachsene sowie Kampagnen gegen ganze Völker, ethnische Minderheiten und Migranten - "in einigen Fällen auch mit der Unterstützung durch Staatenlenker", kritisierte Bachelet, ohne Namen zu nennen.

Flut von Fremdenfeindlichkeit zurückdrängen

Ebenso prangerte sie die steigende Tendenz an, die Ereignisse des Holocaust zu verharmlosen oder gar zu leugnen. "Wir müssen uns gemeinsam gegen diese Normalisierung des Hasses stellen", unterstrich Bachelet. Es gelte, gemeinsam die "langsam wachsende Flut von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und andere Versuche, bestimmte Gruppen ihrer Menschlichkeit und ihrer Rechte zu berauben", zurückzudrängen.

Es sei wichtig zu bedenken, dass der Holocaust nicht mit den Gaskammern begonnen habe. "Dieser Hass entwickelte sich allmählich aus Worten, Stereotypen und Vorurteilen - durch rechtliche Ausgrenzung, Entmenschlichung und Gewalteskalation", betonte die Uno-Kommissarin.

Auch heute stehe man vor ähnlichen Tendenzen. "Angesichts solcher Versuche, Gruppen zu entmenschlichen und zu dämonisieren, müssen wir zusammenstehen in der Verteidigung der Menschenrechte." Nur dadurch könne sichergestellt werden, dass sich ein solcher Völkermord nie mehr wiederhole, unterstrich Bachelet.

Sie erinnerte an die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945. In dem grössten Vernichtungslager der Nazis seien Menschen in den Gaskammern oder durch Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und angebliche "medizinische" Experimente getötet worden.

Respekt und Trauer gegenüber Opfern

"Zu den Opfern der Nazi-Lager gehörten neben Millionen Juden Hunderttausende Roma und Sinti, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Kriegsgefangene, politische Dissidenten und Mitglieder von Widerstandsbewegungen aus dem gesamten besetzten Europa", so Bachelet. Am Internationalen Tag des Gedenkens bringe man für die Opfer dieses schrecklichen Verbrechens Respekt und Trauer zum Ausdruck.

Die katholische Laiengemeinschaft Sant'Egidio erklärte laut kathpress in Rom, der Holocaust-Gedenktag sei "kein leeres Ritual, sondern ein Aufruf an die Institutionen und Bürger, wachsamer zu sein angesichts fortlaufender antisemitischer und rassistischer Vorurteile". Vor allem unter Jugendlichen seien nationalistische, ausgrenzende und fremdenfeindliche Bewegungen in verschiedenen europäischen Ländern im Wachsen begriffen, hiess es.