Autonomes Auto

Wer haftet, wenn der Auto-Pilot einen Unfall baut?

Swisscom präsentierte am Dienstag erstmals ein selbstfahrendes Auto in der Schweiz.

Swisscom präsentierte am Dienstag erstmals ein selbstfahrendes Auto in der Schweiz.

Die Auto-Industrie lehrt ihre Fahrzeuge das autonome Fahren – noch haben sie jedoch ihre Bedenken. Die sind nicht zuletzt juristischer Art.

Kürzlich fuhr ein Audi in den USA 900 Kilometer von Palo Alto nach Las Vegas. Am Lenkrad und am Fahrpedal einzig ein Computer. Völlig autonom glitt der A7 über die Highways und durch den Verkehr – problemlos, der hinter dem autonomen Audi fahrende Begleittross musste nie eingreifen.

Audi schaffte es auch, einen Wagen ohne Piloten um eine Rennstrecke zu rasen zu lassen – und Mercedes schickte eine S-Klasse ohne Fahrer über die legendäre Strecke, die Bertha Benz einst mit dem allerersten Automobil hinter sich gebracht hatte. Doch nicht nur die deutschen Premium-Anbieter forschen mit Hochdruck am autonomen Automobil, es sind quasi alle Hersteller involviert.

Technisch wäre es heute zum einen schon machbar, das autonome Automobil. In den vergangenen Jahren hat die Radar- und Laser-Technik grosse Fortschritte gemacht. Fahrzeuge können auf den Zentimeter genau selbst parkieren, sie halten auf der Autobahn selbstständig die Spur und den richtigen Abstand – sie kennen dank der Weiterentwicklung der Navigationssysteme auch ihren Weg und wo es noch freie Parkplätze gibt.

Probleme bei Regen und Schnee

Grau ist, allerdings, alle Theorie und grün nur des Lebens Baum: Die Technik funktioniert fehlerfrei nur bei strahlendem Sonnenschein. Starker Regen oder ein wenig Schnee beeinträchtigt die «Sicht» dieser elektronischen Helferlein schon ziemlich stark. Es wäre aber, ebenfalls rein theoretisch, heute schon möglich, dass die Autos untereinander kommunizieren könnten, einander warnen vor Eisglätte oder einem Unfall hinter der nächsten Kurve. Doch da gibt es noch rechtliche Probleme. Die Fragen des Datenschutzes, etwa, sind noch nicht geklärt – und wem die unfassbare Menge an Daten gehört, die solch ein autonomes Automobil erfassen kann. Auch das ist noch unklar.

Gemäss der Wiener Strassenverkehrskonvention von 1968 muss der Fahrer sein Gerät jederzeit beherrschen können – und ausserdem haftet er, wenn er einen Unfall verursacht. Wenn nun ein Computer lenkt, kann der Fahrer dann wirklich noch eingreifen? Und wer trägt die Schuld, wenn ebendieser Computer einen Unfall baut. Ist es der Besitzer des Wagens, der allerdings kaum mehr Einflussmöglichkeiten hat, oder der Hersteller, der diesen «Piloten» programmiert hat?

Das sind schwierige rechtliche Fragen, über die sich derzeit alle Auto-Hersteller ihre Gedanken machen. Ganz besonders in den Vereinigten Staaten, wo schon Millionenklagen drohen, wenn die Kundschaft nicht gewarnt wird, dass der gerade frisch servierte Kaffee heiss sein könnte. Die Rechnung ist ganz simpel: Ein tödlicher Unfall nach einem Fehler des fahrenden Computers – und der «fehlbare» Hersteller wäre wohl ruiniert. Der Kunde allerdings ist wohl aber auch nicht bereit, die Verantwortung zu übernehmen, er kennt ja schon die Computerprobleme beim Synchronisieren des Druckers. Es zeichnet sich deshalb ab, dass die Produzenten in Zukunft mehr Juristen als Ingenieure einstellen müssen, sollten sie wirklich das autonome Fahren propagieren wollen.

Es ist also noch ein steiniger Weg bis hin zum autonomen Fahren. Und wie fragte sich ein hochdekorierter Fahrwerksingenieur von BMW kürzlich: «Weshalb soll ein Auto-Hersteller das autonom fahrende Fahrzeug propagieren? Wenn alle hintereinander herfahren, geführt von einem Verkehrsleitsystem, dann kommt es ja auch nicht mehr auf Design, Fahrwerk oder Motorenleistung an.» Genau da setzen Google und Apple an, die schon wohl bald ihre ersten eigenen Autos vorstellen werden – selbstfahrend, selbstverständlich.

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