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Wer in Europa am meisten Dreckstrom produziert – und wie die Schweiz dasteht

Kohlekraftwerk und Strommasten in Deutschland (Archiv).

Kohlekraftwerk und Strommasten in Deutschland (Archiv).

Kürzlich tauchte auf reddit eine Infografik zur europäischen Stromproduktion auf. Fein säuberlich wurden die ökologischen und weniger ökologischen Stromproduktionsarten pro Land aufgedröselt – und welche Verschiebungen in den letzten 18 Jahren stattgefunden haben.

Doch wie es so ist mit Infografiken aus dem Internet – sie sind mit Vorsicht zu geniessen. Wir haben deshalb die Angaben und Quellen überprüft und die Schweiz hinzugefügt. Und uns sind einige Dinge aufgefallen.

Für die CO2-Produktion fällt vor allem der Kohlestrom stark ins Gewicht. Doch dessen Anteil reduzierte sich in den letzten 18 Jahren in den meisten Ländern. Einige Vorzeigeländer wie Dänemark und England reduzierten massiv. In anderen Ländern wie Bulgarien oder Deutschland geht es weniger schnell voran.

Zur Schweiz gilt es zu sagen, dass ein beträchtlicher Anteil der Schweizer Stromproduktion auf die Wasserkraft fällt (2018 = 55,4%). Diese beinhaltet sowohl Lauf- (2018 = 25%) wie auch Speicherkraftwerke (2018= 30.4%). Beide fallen in die Kategorie der Erneuerbaren. Zu den Speicherkraftwerken gehören allerdings Pumpspeicherkraftwerke. Bei diesen muss die Korrektheit des Labels «Erneuerbar» hinterfragt werden.

Die Schweiz importierte 2018 16,5 TWh elektrische Energie aus Deutschland (und exportierte 4,4 TWh). Gut möglich also, dass mit deutschem Strom Schweizer Pumpspeicherkraftwerke gefüllt wurden. Der Strom, der dann bei der Leerung entsteht, wird in der Schweizer Statistik als erneuerbar ausgegeben, obwohl der deutsche Strommix daran beteiligt war. Die Schweizer Statistik ist deshalb geschönt.

Eine korrekte Darstellung ist leider unmöglich. Zur Relativierung sei aber gesagt: Pumpspeicherkraftwerke produzierten 2017 gerade mal 1,5 TWh elektrische Energie. Das entspricht 4,3% der gesamten Wasserkraftenergie.

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