Studie
Woher der Juckreiz kommt: US-Forscher lösen das beissende Rätsel

US-Forscher sind dem Geheimnis des Juckreizes auf die Spur gekommen. Demnach ist ein bestimmtes Molekül, das sich in einer spezifischen Nervenzelle im Rückenmark festsetzt, für das peinigende Gefühl verantwortlich - zumindest bei Mäusen.

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Eine Zelle im Rückenmark ist für den Juckreiz verantwortlich. Das haben US-Forscher herausgefunden

Eine Zelle im Rückenmark ist für den Juckreiz verantwortlich. Das haben US-Forscher herausgefunden

zvg

Experimente mit den Nagern ergaben, dass die Nervenzelle nach dem Andocken des sogenannten Nppb-Moleküls ein Signal aussendet, das im Gehirn als Juckreiz wahrgenommen wird. Dies berichten die Forscher im Fachmagazin "Science" vom Freitag.

Die Wissenschaftler an den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda hatten die Mäuse einer Reihe von Substanzen ausgesetzt, die bei ihnen Juckreiz auslösen. Wenn den Mäusen jedoch das Nppb-Molekül oder die zu ihm gehörende Nervenzelle entfernt wurde, verschwand der Reiz.

Gehirn-Botenstoff

Nppb gehört zu den Gehirn-Botenstoffen, die Sinnes-Signale von einer Nervenzelle an die andere schicken. Die Forscher testeten Nppb auf seine mögliche Rolle bei der Auslösung unterschiedlicher Empfindungen - zunächst ohne Erfolg, wie Santosh Mishra, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler, berichtete.

Die Versuche mit den Juckreiz-Substanzen seien dann aber "erstaunlich zu beobachten" gewesen. Bei den Mäusen, denen das Molekül entfernt worden sei, sei "nichts passiert. Die Mäuse wollten sich nicht kratzen."

Ähnlich beim Menschen

Da die Nervensysteme von Mäusen und Menschen einander ähneln, könnte es laut den Forschern gut sein, dass der Juckreiz beim Menschen auf ähnliche Weise ausgelöst wird. Die Forschungen könnten demnach zur Entwicklung von Medikamenten führen, die sich gezielt gegen bestimmte Moleküle richten, die den Juckreiz auslösen.

Millionen von Menschen weltweit leiden an Krankheiten mit chronischem Juckreiz, wie Exzemen und der Schuppenflechte.

Die Entwicklung von Medikamenten erschwert jedoch, dass Nppb auch im Herzen, den Nieren und noch anderen Körperteilen auftritt. Versuche, das Molekül im Rückenmark zu kontrollieren, könnten unerwünschte Nebeneffekte in anderen Organen haben, sagten die Forscher. Die Arbeit stehe somit erst am Anfang. (sda)