Gesundheitswesen

Freie Betten auf Intensivstationen waren im April Mangelware

Im April gab es in gewissen Spitälern nur noch wenige leere Betten auf Intensivstationen.

Im April gab es in gewissen Spitälern nur noch wenige leere Betten auf Intensivstationen.

Eine Erhebung der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin zeigt: Im April war nahezu jedes Bett auf den Intensivstationen belegt. Die Aufstockung der Bettenkapazität sei nötig gewesen.

(gb.) Am 10. April waren 98 Prozent der Betten auf Schweizer Intensivstationen belegt. Auf diesem Höhepunkt der Auslastung war jeder zweite Patient auf der Intensivstation ein Coronapatient, wie eine Erhebung der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) zeigt. In einer Mitteilung vom Donnerstag heisst es, die Auslastung habe um 23 Prozent höher gelegen als üblich.

Gemäss den Zahlen der SGI blieb die Situation noch bis Ende April angespannt. Am 25. April waren 86 Prozent der Betten belegt und erst Mitte Mai fiel die Belegung unter 80 Prozent. Am 16. Juni betrug sie 77 Prozent. Im Tessin und der Genferseeregion seien die Intensivstationen am stärksten ausgelastet gewesen. Wie die Gesellschaft in ihrer Mitteilung schreibt, beziehen sich die Zahlen nur auf die von ihr zertifizierten und anerkannten Intensivstationen der Schweiz. Kurzerhand eingerichtete Pflegeplätze – wie zum Beispiel im Paraplegikerzentrum in Nottwil – wurden nicht berücksichtigt.

Triagen waren nicht nötig

Die Aufstockung der Bettenkapazität ist der SGI zufolge aber nötig gewesen. «Die teilweise beträchtliche Erhöhung der intensivmedizinischen Kapazitäten in den Spitälern sowie der Beschluss des Bundesrats, nicht dringend angezeigte medizinische Eingriffe und Therapien per 17. März 2020 zu verbieten, haben massgeblich dazu beigetragen, eine Überlastung der Intensivstationen in der Schweiz zu verhindern», heisst es in der Mitteilung.

Dass die Bettenkapazität ausreichend war, bewahrte das medizinische Personal vor sogenannten Triagen. Gemeint sind Entscheidungen, welche Patienten im Falle einer Knappheit von Beatmungsgeräten oder anderen pflegerischen Ressourcen bevorzugt würden. Mit dieser schwierigen ethischen Frage hat sich jüngst ein internationales Fachgremium unter der Leitung von Mathias Wirth, Professor für Systematische Theologie und Ethik der Universität Bern, befasst. Wie die Universität am Donnerstag mitteilte, kam das Gremium zum Schluss, dass die Triage nur unter ganz bestimmten Umständen ethisch vertretbar sei.

Erhält zum Beispiel ein Patient aus Knappheit kein Beatmungsgerät, müssten für den Betroffenen und die Angehörigen maximale Bemühungen in der Behandlung und Betreuung nötig sein, heisst es in der Mitteilung. Allgemein warnen die Expertinnen und Experten aber vor Triagen, da sie zu einer grossen Belastung für Betroffene, Angehörige und das medizinische Personal führen. Es müsse alles dafür getan werden, Versorgungsengpässe zu vermeiden.

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