Gadget des Monats
Die Fernbedienung ist tot, es lebe die Fernbedienung!

Google bringt eine neue TV-Box in die Schweiz. Das Innovative: Sie hat eine Fernbedienung. Warum der «Drücker» nicht tot zu kriegen ist.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Die Chromecast-TV-Box von Google.

Die Chromecast-TV-Box von Google.

zvg

Zappen wir zehn Jahre zurück. In der Hosentasche das iPhone 4s, wir auf der Suche nach neuen Apps und über allem schwebt der Geist des eben verstorbenen Steve Jobs. Die Demoskopen sind sich einig: Bald wird der Fernseher dem Mobiltelefon folgen und sich in ein völlig neues smartes Gerät verwandeln. Doch auf den iTV warten wir bis heute.

Die kleine Box namens Apple TV ist ein unwürdiger Ersatz, bloss dazu da, den TV ins Apple-Ökosystem zu integrieren. Weder ästhetisch noch bedientechnisch ein grosser Wurf.

Nun hat Google in der Schweiz eine neue Version seiner TV-Box Chromecast lanciert. Sie ist so klein, dass man sie gar nicht sieht: ein Knopf, den man an der Rückseite des TVs an den HDMI-Ausgang anschliesst. Die grösste Neuerung: Es gibt eine Fernbedienung dazu. Welch Innovation! Dabei dürfte es die Fernbedienung eigentlich gar nicht mehr geben, wurde sie doch vor zehn Jahren totgesagt. Der Fernseher der Zukunft, so prophezeiten es die Tech-Weisen, würde mit Sprachbefehlen und Gesten gesteuert.

Nun ja, die grossen Gesten haben sich nach einem kleinen Intermezzo (Microsoft Kinect) wieder auf den kleinen Smartphone-Bildschirm verzogen. Die Sprachsteuerung ist zwar überall: Handy, Musikbox und Fernseher. Offenkundig kann sie die Fernbedienung aber nicht ersetzten. Woran es liegt? Vielleicht wollen Kontrollfreaks einfach was in der Hand halten. Als Zeichen der Macht.

Verändert haben sich zumindest die Fernbedienungen selber. Sie sind schmaler geworden, was vor allem dazu führt, dass man sie jetzt noch länger in Sofaritzen suchen muss. Die Anzahl Knöpfe hat sich reduziert. Zahlentasten gibt’s keine mehr. Dafür eine mit Mikrofon für die Sprachsteuerung. Auf der Google-Fernbedienung fallen allerdings vor allem zwei Knöpfe auf. Sie sind beschriftet mit «Netflix» und «Youtube».