Beauty

Geheimwaffe Hanföl: Von der Hippie-Droge zum Luxus-Gut

Immer mehr Marken im Beautysektor setzen auf Hanf.

Immer mehr Marken im Beautysektor setzen auf Hanf.

Cannabis macht nicht nur high, sondern auch schön: Die Beauty-Industrie setzt auf das Wundermittel gegen Hautalterung.

Cannabis, bekannt als Hippie-Droge, geniesst in weiten Kreisen keinen guten Ruf. Wenig verwunderlich also, dass Stimmen laut wurden, als vor einiger Zeit das Cannabidiol (CBD), ein nicht psychoaktiver Bestandteil des Hanfs, immer mehr in den Vordergrund gerückt ist. Vom CBD könne man high werden oder gar halluzinieren, aber auch die Legalität des Produkts wurde in Frage gestellt.

Diverse Studien haben aber ergeben, dass CBD nicht schädlich ist, ganz im Gegenteil: Es wirkt entspannend und heilend. CBD hat entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften und ist daher ideal für viele Hauttypen. Ausserdem reduziert es Talg und hilft so gegen fettige oder zu Akne neigende Haut. Bereits vor mehr als 20 Jahren hat The Body Shop eine Hanf-Reihe auf den Markt gebracht. Damals noch beinahe unvorstellbar und stark kritisiert. Die französische Polizei beschlagnahmte die Produkte und teilweise war der weitere Verkauf von Hanf-Beautyprodukten verboten.

Hanföle schützen die Haut über Nacht

Heute sieht das ganz anders aus: Grosse Marken im Beautysegment wie L’Oréal und Catrice haben sich die Eigenschaften des CBD zu Nutze gemacht. In Form von Cremes, Ölen oder Lippenbalsam – die neuen Linien der Kosmetikfirmen enthalten vermehrt CBD. Das neue Bio-Hanf-Nacht-Öl Erholung & Regeneration von Garnier etwa verspricht, dass die Haut vor äusseren Einflüssen geschützt wird und sich über Nacht erholt. Auch eine vorzeitige Hautalterung soll bekämpft werden.

Doch kann ein Mittel wirklich so vieles auf einmal? «Ja, das kann es. CBD ist eine Allzweckwaffe», sagt die Basler Dermatologin Annett Härtel. Sie habe ausschliesslich gute Erfah­rungen mit Hanfölen gemacht. Dass immer mehr Marken im Schönheitssektor mit CBD arbeiten, sei für sie keine Überraschung. Bereits im letzten Jahr habe sie einen Anti-Aging-Kongress in Wien besucht, an dem das Hanföl eine grosse Rolle gespielt habe. Lediglich den Preis der Produkte prangert die Dermatologin an: «Sobald Hanföl zu den Inhaltsstoffen gehört, werden die Produkte viel teurer.»

Aus der ehemaligen Woodstock-Droge, entwickelt sich CBD nun zum Luxus-Gut, zu dem auch Hollywood-Stars greifen. Hanföl zum Schlafen: ein Ritual, auf das Stars wie Kim Karda­shian und Emma Roberts schwören. Immer wieder tauchen die Produkte auf ihren Instagram-Seiten auf. Grund genug für viele Nutzer, im Internet danach zu suchen. Gibt man CBD in die Suchleiste ein, erscheint eine Frage nach der anderen. Wie oft soll man es nutzen? Wird man davon süchtig?

«Es muss noch sehr viel untersucht werden, aber eines ist klar: Viele Rezeptoren im Gehirn reagieren auf CBD», sagt Härtel. Gerade deshalb sei CBD in ihren Augen eine Allzweckwaffe. Das Hanföl helfe nicht nur bei der äusseren Schönheit, auch die Wirkungen auf die Psyche seien merkbar. Es soll bei Entzündungen und entzündungsbedingten Schmerzen, Epilepsie, schizophrenen Psychosen, Angstzuständen, Stress, Burnout, Schlafstörungen, Migräne, Übelkeit und Erbrechen helfen.

So soll zum Beispiel auch das Hanföl des Basler Start-Up-Unternehmen Noble & Lore gegen diese Beschwerden helfen. Der Gründer selbst habe jahrelang unter Schlafstörungen gelitten, bis das CBD-Öl ihm dabei geholfen habe, diese zu bekämpfen. Nur Jugendliche sollen die Öle, die man oral einnimmt, nicht nehmen, findet die Dermatologin. «Ist die Dosierung zu hoch, oder nehmen sie zu viele Tropfen ein, kann es zu Psychosen kommen, weil das Gehirn noch nicht ganz entwickelt ist.»

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Aber auch für Erwachsene können die Öle problematisch werden. Schlaflosigkeit und innere Unruhe gehören zu den möglichen Nebenwirkungen genauso wie Durchfall, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge. Laut Dermatologin würden die Nebenwirkungen nur in äusserst seltenen Fällen eintreten. Gerade deshalb bewerte sie CBD als positiv: «Es braucht Hanf im Alltag, egal ob in Cremes oder Ölen. CBD lässt uns entspannen – und das brauchen wir in Zeiten von Corona mehr denn je.»

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