Sprechstunde

Bin ich allergisch auf Grillfleisch?

Hautausschläge wegen Grillfleisch? Ja, das ist nicht auszuschliessen.

Hautausschläge wegen Grillfleisch? Ja, das ist nicht auszuschliessen.

Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel bestritten. Sie erscheint alle zwei Wochen.

Im Sommer ist Grillsaison. Als begeisterter Grillmeister esse ich für mein Leben gern grilliertes Fleisch. In letzter Zeit stelle ich aber nach einem Grillabend Ausschläge an meinem Körper fest. Könnte es sich um eine Allergie auf Grillfleisch handeln?

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Das ist nicht auszuschliessen. Die typischen Symptome einer Nahrungsmittelallergie können – müssen aber nicht – die folgenden Organsysteme betreffen: Auf der Haut bilden sich sogenannte Quaddeln in Form einer Urticaria (Nesselsucht, Nesselfieber), die stark jucken. Es kann auch eine Schwellung (Angiödem, Quincke-Ödem) zum Beispiel der Lippen, der Augenlider, aber auch der Zunge oder des Rachens auftreten.

Vom Magen-Darm-Trakt aus kann es zu Krämpfen und Koliken, Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfallattacken kommen. In den Atemwegen können Fliessschnupfen, Niesattacken sowie asthmatische Anfälle auftreten. Bei den schwersten Verläufen kommt es zu Beeinträchtigungen des Kreislaufs mit Blutdruckabfall. Das kann zu Schwindel, Seheinschränkungen bis zur Bewusstlosigkeit, also zu einem anaphylaktischen Schock, führen.

Nahrungsmittelallergene können pflanzlicher oder tierischer Herkunft sein. Zu ersteren zählen Nüsse, Erdnüsse (ein Bohnengewächs), Soja, Sesam und Sellerie, gewisse Gewürze, seltener auch Getreidemehle. Tierische Allergene sind Kuhmilch, Hühnerei, Krebstiere und Muscheln, seltener auch Fische. Säugetierfleisch gehört zu den sehr seltenen Allergenen, wobei in den letzten Jahren zunehmend Fälle diagnostiziert worden sind.

Allergische Reaktionen, das heisst immunologisch vermittelte Nahrungsmittelallergien, sind nicht so häufig wie oft vermutet wird. Man geht davon aus, dass etwa 2 bis 3% der Erwachsenen und etwa 10 bis 15% der Kinder an einer Allergie auf ein Nahrungsmittel leiden. Davon abzugrenzen sind die häufigeren Intoleranzen wie die Laktose-Intoleranz, die sich mit rein auf den Magen-Darm-Trakt beschränkten Beschwerden äussert.

Wie läuft die Abklärung einer Nahrungsmittelallergie ab?

Auf der Allergologischen Poliklinik des Unispitals Basel nehmen wir bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie zuerst die umfassende Geschichte des Patienten auf. Dafür sind wir auf dessen Mithilfe angewiesen, was beim komplexen «Nahrungsmittelmix», den wir jeden Tag einnehmen, nicht immer einfach ist. Wesentlich ist, welche Symptome auftreten, ob nur die Haut oder auch andere Organsysteme betroffen sind.

Wichtig sind auch das Zeitintervall nach Einnahme der Nahrungsmittel sowie die Symptome, die üblicherweise innerhalb weniger Minuten oder Stunden auftreten. Zudem können sogenannte Kofaktoren wie Alkohol, starke Anstrengung, Stress, Medikamente sowie die Umgebungstemperatur oder die hormonelle Situation bei Frauen, eine wichtige Rolle spielen. Anschliessend werden Hauttests durchgeführt, die IgE-Antikörper gegen Nahrungsmittel gemessen und allenfalls Provokationstests durchgeführt.

Die einzige und bisher wirksamste Behandlung ist das konsequente Weglassen bestätigter Nahrungsmittelallergene. Bei Patienten, die schwere Schockreaktionen, etwa auf Spuren von Erdnüssen, erlitten haben, werden Notfallmedikamente (Kortison, Antihistaminika-Tabletten) und allenfalls auch ein Adrenalinautoinjektor abgegeben.

Bei solch schweren Reaktionen sind die Notfallmedikamente immer mitzuführen. Die Immunreaktion selbst kann heutzutage noch nicht rückgängig gemacht werden, das heisst eine Desensibilisierung, wie sie bei der Pollenallergie und bei der Bienen- und Wespengiftallergie recht erfolgreich ist, existiert für die Nahrungsmittelallergie leider noch nicht.

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