Es beginnt unspektakulär. «Im Herbst 2004 hatte ich ab und zu Schmerzen im Unterleib sowie einen kleinen Abszess am After», erinnert sich Marc Häfliger. «Anfänglich habe ich gedacht, dass ich möglicherweise Hämorrhoiden bekomme. Als dann die Schmerzen immer stärker geworden sind, bin ich zu meinem Hausarzt gegangen. Der hat mich umgehend für eine Darmspiegelung angemeldet.» Eine Untersuchung, die das Leben des heute 34-jährigen Elektromonteurs auf den Kopf gestellt hat.

«Direkt nach der Darmspiegelung hat mir der Arzt mitgeteilt, dass ich am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm eine starke Entzündung habe und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unter Morbus Crohn leide», sagt Häfliger. «Da ich keine Ahnung hatte, was das ist, bin ich davon ausgegangen, dass das nach zwei, drei Wochen wieder vorbei ist.» Ein Irrtum.

Horrorszenarien im Internet

Wir sitzen in Selzach SO im Wohnzimmer von Marc Häfliger, wo er seit 2007 wohnt. Anfänglich mit Kollegen in einer Wohngemeinschaft, seit 2012 mit seiner heutigen Ehefrau Marion. Auf dem grossen Esstisch stehen diverse kleine Eulen («das Lieblingstier meiner Partnerin»), einige Pflanzen und ein kleines Marzipan-Glücksschwein. «Das ist von unserer Hochzeit im letzten August», sagt Häfliger mit einem breiten Lachen im Gesicht.

Ende 2004 hatte noch wenig darauf hingedeutet, dass der ehemalige Ringer und Unihockeyaner 15 Jahre später von sich sagt, «wunschlos glücklich und zufrieden» zu sein. «Es hat ein, zwei Jahre gedauert, bis mir klar geworden ist, was die Diagnose Morbus Crohn bedeutet», sagt er. Und um es gleich vorwegzunehmen: «Dr. Google ist ein äusserst schlechter Ratgeber.» Denn auf Google finde man über den Verlauf der entzündlichen Darmerkrankung vor allem Horrorszenarien. «Und solche helfen einem definitiv nicht weiter.» Geholfen hat ihm hingegen die Crohn Colitis Schweiz mit ihren Infoveranstaltungen, vielen Unterlagen, Wochenendseminaren und dem Austausch mit anderen Betroffenen.

Bei Marc Häfliger gesellten sich zu den Entzündungen im Unterleib und dem Abszess am After bald krampfartige Durchfälle, bleierne Müdigkeit und Bauchschmerzen, die bis zum Erbrechen führten. «Ganz schlimm wurde es Ende 2011», erinnert er sich. «Bei einer Untersuchung hatte man zwei kleine Darmdurchbrüche sowie eine Fistelbildung und einen Abszess entdeckt, die auf die Leistenmuskulatur gedrückt haben.» Es folgte Anfang Januar 2012 eine grosse Darmoperation, bei der man 60 cm Dünn- und 10 cm Dickdarm entfernt hat. Doch damit war der Leidensweg längst nicht zu Ende: «Als es mir nach zwei Wochen langsam wieder etwas besser ging, ging die getackerte Naht des Darms auf», blickt Häfliger zurück. Es folgten eine zweite und eine dritte Operation. «Schliesslich hat man den Darm ganz altmodisch mit Naht und Faden zugenäht», sagt Häfliger, der am 1. August 2012 aus dem Spital entlassen wurde. Damals wog er gerade mal noch 45 Kilogramm! Er sei vor dem Spiegel gestanden und habe sich gewundert, dass ein Mensch so mager überhaupt noch funktioniere. Ohne die Hilfe seiner Frau («sie hat die Pflege der Wunde zu Hause übernommen und mich wieder aufgepäppelt») sowie das grosse Entgegenkommen seines Arbeitgebers («es ist in der heutigen Zeit alles andere als normal, dass man nach einer achtmonatigen Absenz noch einen Job hat») hätte er diese Zeit kaum überstanden, so Häfliger.

Abenteurer und Geniesser

Heute arbeitet der gebürtige Selzacher als Systemtechniker Voice, baut in seiner Freizeit mit grosser Leidenschaft «Fasnachtsböögge» und geniesst das Leben in vollen Zügen. So ist er unter anderem Mitte Januar mit seinem Bruder und einem Kollegen in Wengen am Lauberhorn-Rennen gewesen, und später ging’s mit der Gattin für viereinhalb Wochen nach Südafrika und Mauritius.

Ist diese Reiserei für einen Morbus-Crohn-Patienten kein übermässiges Risiko? Häfliger schüttelt den Kopf und sagt: «Sicher muss man immer gut abwägen, was zu gefährlich sein könnte. Doch ich möchte mich im Alter nicht fragen müssen, ob ich vielleicht etwas verpasst habe.» Und auch auf kulinarische Genüsse muss Häfliger nicht komplett verzichten: «Es gibt Tage, da kann ich problemlos Fondue essen, und dann gibt es eben auch die Tage, da vertrage ich nicht einmal ein leichtes Sandwich.» Grundsätzlich versuche er, so gut es gehe, auf Fertigprodukte und Fast Food zu verzichten. Doch selbst ein Glas Wein oder ein schottischer Whiskey liege ab und zu drin. «Ich versuche einfach, gut auf meinen Körper zu hören. So merke ich schnell, was momentan gerade drinliegt und was nicht.»