Um uns vor der Sonne zu schützen, tragen wir in diesen Tagen Cremen, Lotionen und Sprays auf, in welchen Filter gegen die Ultraviolettstrahlung (UV) eingearbeitet sind. Verwendet werden organische («chemische») und mineralische («physikalische») UV-Filter.

Mineralische Filter, die aus Zinkoxid oder aus Titandioxid bestehen, haben den Nachteil, dass die Haut beim Auftragen weisslich wird – es sei denn, man zerkleinert Zinkoxid und Titandioxid. Die dabei entstehenden Nanopartikel sind so winzig, dass sie unter Verdacht stehen, über die Haut in den Körper zu gelangen. Das Durchdringen der Haut konnte bisher wissenschaftlich jedoch noch nie nachgewiesen werden.

Weit weniger eindeutig ist das bei organischen («chemischen») Filtern. Einzelne von ihnen zeigten in Labor- und Tierversuchen Wirkungen auf den Hormonhaushalt. Inwiefern das für Menschen von Bedeutung sein könnte, ist laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht bekannt. Weil aber die im Labor verwendeten Dosen bedeutend höher als die geschätzte Aufnahmemenge beim Menschen seien, erachtet das BAG eine Gesundheitsgefährdung «aus heutiger Sicht für unwahrscheinlich».

Doch die Vorbehalte gegen die organischen Sonnenschutzmittel erhalten zurzeit neue Nahrung: Eine im Mai im US-amerikanischen Ärzteblatt «JAMA» veröffentlichte Studie zeigt, dass organische Filter nach dem Auftragen auf die Haut bald einmal im menschlichen Blut nachweisbar sind.

Grenzwert am ersten Tag erreicht

Durchgeführt hat die Studie die US-Arzneimittelbehörde FDA. 24 gesunde Erwachsene trugen im Labor herkömmliche Cremen, Lotionen oder Sprays während vier Tagen viermal täglich in der empfohlenen Menge (2 mg/cm2) auf 75 Prozent ihrer Körperoberfläche auf. Die Produkte enthielten vier der am häufigsten verwendeten Lichtschutzfaktoren (Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul).

In der Studie zeigte sich, dass alle vier Lichtschutzfaktoren im Blut in einer Konzentration über dem Grenzwert (0,5 Nanogramm pro Deziliter) nachweisbar waren. Der Grenzwert war in der Regel bereits nach einem Tag erreicht und stieg an den Folgetagen weiter an.

Welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat, ist vorerst unklar. In einem Kommentar zur Studie schreibt Dermatologin Kanade Shinkai von der Universität von Kalifornien in San Francisco, «dass vom Nachweis der Lichtschutzfaktoren im Blut allein nicht auf eine schädliche Wirkung geschlossen werden kann». Weitere Tests seien aber dringend nötig, ehe man Bedenken ganz ausräumen könne.

Bereits frühere Untersuchungen mit dem Lichtschutzfaktor Oxybenzon haben gezeigt, dass er im Blut, im Urin, in der Muttermilch und auch im Fruchtwasser nachgewiesen werden konnte. Für Kanade Shinaki ist deshalb klar: «Es gibt definitiv Grund zur Besorgnis, wer Medikamente kauft, darf erwarten, dass sie auf ihre Sicherheit getestet wurden.» Bei Sonnenschutzmitteln aber sei das nie bewiesen worden. Abgeraten wird von diesen Mitteln nicht, aber wer ganz auf Nummer sicher gehen wolle, sollte besser mineralische Filter verwenden.

Diese Meinung teilt Christian Surber, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gastprofessor an den Dermatologischen Universitätskliniken Basel und Zürich. Surber rät zu einem bewussten Umgang und einem gezielten Einsatz von Sonnenschutzmitteln. «Wenn man die Mittel gemäss den empfohlenen Vorgaben anwendet, ist man im grünen Bereich.» Bei Schwangeren, Kindern und Kleinkindern sollen aber Sonnenschutzmittel mit organischen Filtern generell gemieden werden.