Sprechstunde

Prostatakrebs: Vorsorge ist das Wichtigste

Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel bestritten. (Symbolbild)

Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel bestritten. (Symbolbild)

Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel bestritten. Sie erscheint alle zwei Wochen. PD Dr. med. Hans Helge Seifert ist Chefarzt Urologie am Universitätsspital Basel, Urologische Universitätsklinik Basel-Liestal.

Ich bin 53 und stelle seit einer Weile fest, dass ich beim Wasser lassen viel mehr Zeit benötige, bis ich fertig bin. Zudem wache ich nachts hin und wieder auf, weil ich starken Harndrang verspüre. Muss ich mir Sorgen um meine Prostata machen?

Die von Ihnen beschriebenen Symptome deuten auf eine Blasenentleerungsstörung hin. Bei Männern über 50 Jahren ist die häufigste Ursache hierfür eine vergrösserte Prostata. Weil die Prostata im Alter grösser wird, kommt es zu einer Verengung der durch die Prostata verlaufenden Harnröhre. Dies erschwert das Wasserlösen, und es dauert länger, bis die Blase entleert ist. Weitere Symptome sind ein abgeschwächter Harnstrahl, Restharngefühl sowie häufiges und nächtliches Wasserlassen. Treten solche Beschwerden auf, ist eine fachurologische Abklärung ratsam. Die Untersuchungen werden in der Regel ambulant durchgeführt und sind nicht schmerzhaft.

In Abhängigkeit der Befunde und Beschwerden erstellen wir in der Klinik für Urologie des Universitätsspitals Basel mit jedem Patienten ein individuelles Behandlungskonzept. Heutzutage stehen gut verträgliche Medikamente zur Verfügung und sollte doch eine Operation notwendig sein, kommen modernste und schonende Verfahren wie Laserbehandlung, Implantat, Wasserdampfinjektionen oder die bipolare elektrische Ausschälung der Prostata zur Anwendung. Für einige Patienten kann auch die Verödung von Prostatagefässen in Betracht kommen.

Ist es in meinem Alter sinnvoll, die Prostata auf einen bösartigen Tumor untersuchen zu lassen? Und welche Untersuchungsmethode ist Ihrer Meinung nach die sinnvollste?

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart beim Mann. Da es keine Möglichkeit der Vorbeugung gibt, ist die Früherkennung extrem wichtig. Deshalb empfehle ich die Krebsvorsorge ab dem 50. Altersjahr. Leiden nahe Verwandte (Vater, Bruder, Sohn) an Prostatakrebs, ist die Wahrscheinlichkeit, selber daran zu erkranken, zusätzlich erhöht und die Vorsorge sollte schon ab 45 Jahren stattfinden.

Die wichtigsten beiden Untersuchungen sind das Abtasten der Prostata und die Messung des PSA-Wertes. Die Abtastung liefert Informationen hinsichtlich Grösse und Beschaffenheit der Prostata und ob krebsverdächtige Verhärtungen vorliegen. Die Messung des PSA-Wertes erfolgt durch eine Blutentnahme, denn liegt ein Prostatakarzinom vor, ist der PSA-Wert erhöht. Es gibt allerdings keinen international anerkannten Grenzwert. Wichtiger ist oft der Verlauf der Werte über die Zeit.

Weil die Höhe des PSA-Wertes auch durch weitere Faktoren wie die gutartige Vergrösserung der Prostata, Entzündungen und Beschwerden beim Wasserlassen beeinflusst wird, ist für die Interpretation der Werte eine gründliche Untersuchung durch einen Urologen nötig. Bei höheren PSA-Werten oder auffälligem Tastbefund sind weitere Abklärungen sinnvoll.

Eine Magnetresonanztomographie liefert die beste Diagnostik zur Erkennung eines Prostatakarzinoms und ermöglicht auch eine gezielte Entnahme von Gewebe. Wird ein Prostatakarzinom nachgewiesen, stehen den Patienten am Urologischen Tumorzentrum des Universitätsspitals Basel modernste Behandlungsmethoden wie etwa die Operation mit dem Da Vinci-Roboter oder die 3D-Strahlentherapie zur Verfügung.

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