Studie

Zu dick – das verkürzt nicht gleich das Leben

Der Body-Mass-Index, das Mass für Fettleibigkeit, ist ein sehr grober Richtwert. Als Stundenglas für die Lebenserwartung taugt er mitnichten. Neuere Studien zeigen sogar das Gegenteil, nämlich das dickere Mitmenschen auch länger leben.

Die jüngste Studie zur Fettleibigkeit in der Schweiz wertete den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) aus von gut 300 000 Stellungspflichtigen. Ein Paradox hierbei besteht darin: Mit irgendwas muss man messen. Ein Massstab ist freilich keine zweifelsfreie Elle, sondern umstritten – gerade beim BMI. Ein höherer BMI kann beim Einzelnen Fettmasse anzeigen, aber auch Muskelmasse.

Ein zweites Paradox kommt dazu, wenn man vom Index gar auf die Lebenserwartung des Einzelnen schlösse. Da taugt der BMI-Wert kaum – und jüngsten medizinischen Publikationen zufolge gar nicht mehr. Vier Haupt-Relativierungen fassen amerikanische Studien unter dem Stichwort «BMI-Paradox» zusammen. Sie wurden von der National Library of Medicine veröffentlicht.

«Dicke leben länger»

Vorab wegen eines Zusammenhangs wird der Nutzen des BMI heftig diskutiert: Leute mit einem BMI ab 25 (ungefähre Grenze zu Übergewicht) leben oft länger als solche mit sogenannt normalem BMI. Das lässt sich sogar genauer sagen: Untergewichtige Männer ohne Fitness haben ein vier- bis fünfmal höheres Risiko, früh zu sterben, im Vergleich zu fitten Männern mit Normalgewicht. Bei fitten Übergewichtigen ist dieses Risiko nicht mal halb so hoch.

Und weiter: Bei Patienten mit Herzschwäche ist die Sterblichkeit mit 55 Prozent am höchsten bei einem BMI unter 20. Auch bei Operationen haben Leute mit Übergewicht um 25 Prozent bessere Chancen, den Eingriff zu überstehen, als Normal- oder Untergewichtige. Und schliesslich: Das geringste Risiko für Alzheimer und andere Formen von Demenz haben ältere Personen mit einem BMI über 30; am höchsten ist das Risiko mit einem BMI unter 20.

So fasst die journalistische Website «gesundheit.ch» die amerikanischen Forschungen zusammen.

Ein Mathematiker schuf den BMI

Der Begriff Body-Mass-Index ist vergleichsweise neu (1972); er wurde jedoch schon 1832 vom belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet entwickelt. Der BMI bezieht das Körpergewicht auf das Quadrat der Körpergrösse. Ein höherer BMI kann auch durch viel Muskelmasse, höhere Knochendichte und höhere Gelenkdurchmesser, grössere Schulterbreite und andere Faktoren verursacht sein. Besonders austrainierte Kraftsportler haben aufgrund ihrer Muskelmasse meist einen hohen BMI.

Es gibt alternative Methoden und Indizes. Indem man etwa gesundheitliche Risiken über das Verhältnis von Bauchumfang zur Körpergrösse abschätzt. Man nimmt ganz einfach das gute alte Zentimeterband von der Nähmaschine und schlägt es sich um den Bauch – statt diesen voll.

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