Klimawandel

Gletscher-Schmelze in der Schweiz – wenn die Kleinen Adieu sagen

Die Schweizer Gletscher schmelzen dahin. Symbolbild.

Die Schweizer Gletscher schmelzen dahin. Symbolbild.

In fünf Jahren haben die Schweizer Gletscher einen Zehntel ihres Volumens verloren.

Vor einigen Wochen wurde in der Ostschweiz der Pizolgletscher beerdigt. Etwa 250 Umweltaktivisten hatten sich Ende September zu einem Trauermarsch aufgemacht, um dem sterbenden Gletscher zu gedenken. Seit dem Jahr 1900 haben über 500 Schweizer Gletscher das gleiche Schicksal erlitten.

«Das Verschwinden kleiner Gletscher wird weitergehen», sagt Matthias Huss, Glaziologe an der Uni Freiburg und der ETH Zürich. Der Grossteil dieser Gletscher hatte keinen Namen. Der Pizolgletscher schon, dessen vier Fussballfelder grosse Resten in fünf Teile zerfallen sind. Das zeige, dass in Zukunft auch Gletscher mit Namen verschwinden würden, sagt Huss.

Verluste sind zwar gross, aber kleiner als befürchtet

Das bestätigt auch der Bericht der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften, die gestern die Messungen auf 20 Schweizer Gletschern vorgestellt hat. Auch in diesem Jahr sind die Gletscher stärker geschmolzen, als sie durch Schnee wachsen konnten. Und das obwohl der Winter 2018/19 kalt und schneereich war und der Mai 2019 aussergewöhnlich frisch.

Die Hitzewellen im Sommer haben die grossen Schneemengen schnell verschwinden lassen. So sind die Verluste 2019 markant, aber weniger dramatisch als in den beiden Jahren zuvor. Während der letzten zwölf Monate gingen rund zwei Prozent des gesamten Schweizer Gletschervolumens verloren.

Die Bilanz ist durch regionale Unterschiede geprägt. Vor allem im Osten und auf der Alpennordseite waren die Verluste stärker als im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts. Bei vielen Gletschern, wie zum Beispiel am Silvrettagletscher, ging die mittlere Eisdicke um ein bis zwei Meter zurück. Noch schlechter sieht die Bilanz über die letzten fünf Jahre aus. In diesen schrumpften die Schweizer Gletscher um zehn Prozent.

«Das ist extrem viel. Verlieren wir weiter genau gleich viel jedes Jahr, hätten wir bis 2070 gar keine Gletscher mehr», sagt Huss. Das ist dramatischer, als das Modell mit dem schlimmsten Klimaszenario aufzeigt. Demnach gibt es Ende des Jahrhunderts «immerhin» noch fünf Prozent des heutigen Gletschervolumens.

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