Knellipedia-Kolumne
Leser fragt, Wissensredaktor antwortet: Stimmt die Redensart «fleissig wie eine Biene» eigentlich?

Leser A. K. aus Goldau möchte wissen, ob Bienen im Tierreich tatsächlich die vorbildlichsten Arbeiterinnen sind.

Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
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Eine ihrer Verwandten sammelt tatsächlich noch mehr Pollen als die Biene.

Eine ihrer Verwandten sammelt tatsächlich noch mehr Pollen als die Biene.

Keystone

Da denkt man an die Honigbiene, die emsig von Blüte zu Blüte fliegt, um dort am Nektar zu saugen. Dieser Fleiss führt zum einen dazu, dass die Blüte befruchtet und daraus ein Apfel wird. Zum anderen freut sich der Imker über den Honig, den seine Bienen im Stock sammeln.

Deutlich fleissiger als die Honigbiene ist aber die Hummel. Während die Honigbiene pro Tag etwa 3000 Blüten besucht, schafft die Hummel 5000. Zudem haben die Hummeln die deutlich längere Jahresarbeitszeit und fliegen bis in den Oktober, während die Honigbiene Ende Sommer genug hat.

Und nicht nur das: Die Honigbiene geht nur bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen auf Bestäubung. Die Hummel ist dagegen auch eine Schlechtwetter-Bestäuberin, die bei Wind und Wetter und schon bei 7 Grad ihr Nest verlässt.

Wählerisch ist sie auch nicht, denn im Gegensatz zur blütentreuen Honigbiene besucht die Hummel verschiedenste Blüten und auch Nachtschattengewächse, zu denen die Tomaten gehören. Da muss sie anpacken, denn die Staubbeutel der Tomatenblüte hat nur eine winzige Öffnung an der Spitze, weshalb die Hummel die Blüte schütteln muss, um an die Tomaten-Pollen zu kommen.

Fleissig wie eine Hummel müsste es also heissen. Da sie aber eine grosse Biene ist, stimmt die Redensart zumindest halbwegs. Gebremst wird die Hummel in ihrem Arbeitselan durch all die Pestizide. Wegen dieses Giftcocktails ist die Hummel ständig auf einem Drogentrip und weniger fit.

Leserfragen an:
bruno.knellwolf@chmedia.ch