Glosse
Salzkorn: Jeder ein kleiner Epidemiologe und ein ganz grosser Statistiker

Warum man nicht so genau wissen möchte, welche Schulnote gewisse Zahlenanbeter in Mathematik hatten.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

«Statistiken stellen eine Repräsentation gesammelter Daten dar. Je nach Art und Weise der Datengewinnung entspricht der Gehalt der Informationen einem brauchbaren Ergebnis. Bei Verlassen der reellen und objektiven Prozesse können aus Statistiken aber auch falsche Schlüsse gezogen werden.» So weit, so elementar, so Wikipedia.

Corona führt uns vor Augen: Wir leben in einer Zeit, wo gefährliches Halbwissen bedrohlich viel Macht hat. Jeder ein kleiner Epidemiologe und ein ganz grosser Statistiker. Das Ganze sauber unter dem Titel Meinungsfreiheit legitimiert – und bumm, haben wir den Salat aus Besserwissertum und Pseudowissenschaft.

Wer vor reiner Zahlengläubigkeit warnt, dem wird «Emotionalisierung» vorgeworfen. Wer sich durch sterbende Coronakranke erschüttern lässt, ist ein Weichei. Lieber wollen wir nicht so genau wissen, was gewisse Zahlenanbeter in Mathe einst für Schulnoten erzielten.

Ein neues Schulfach wäre nun gefragt: Mitgefühl. Es ist nicht bekannt, dass man es nicht parallel zur Mathematik lehren könnte.