Kommentar
Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft: England, was läuft hier schief?

Rassistische Angriffe gegen Englands Spieler in den sozialen Medien überschatten den EM-Final. Verwirkt sich dieses Land so das Recht, künftig Fussball-Grossanlässe zu beherbergen?

Christian Brägger
Christian Brägger
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England muss sich fragen, was da schief läuft.

England muss sich fragen, was da schief läuft.

Rui Vieira / AP

Eigentlich war es ihre EM. Und eigentlich war sie ausserordentlich gelungen mit all den wunderbaren Bildern vom Rasen und von den Rängen, trotz etwas schalem Gefühl wegen der Coronarisiken. Doch dann kamen der Final und das, was gestern geschah.

Die Engländer haben ganz zum Schluss die EM – ihre EM – beschädigt. Einige von ihnen offenbarten ihre hässliche Fratze: Im Umgang mit den Italienern, gegen die es schon bei der Hymne Pfiffe gab, und später kam es gar zu Auseinandersetzungen mit den siegreichen, aber zahlenmässig unterlegenen Fans. Vor allem aber im Umgang mit den eigenen Spielern, die beim Penaltyschiessen nicht trafen. Sogenannte Fans malträtierten sie auf rassistische Weise in den sozialen Medien, und sie versuchten, die Spieler mit Drohungen ins Abseits zu stellen.

Diese erschreckenden Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf den Zustand Englands, und man fragt sich: Verwirkt sich dieses Land so das Recht, künftig Fussball-Grossanlässe zu beherbergen?

Natürlich heisst es jetzt, dass nur ein kleiner Teil der Gesellschaft seine Aggressionen gegenüber Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka nicht kontrollieren konnte – alles Profis mit fremdländischen Wurzeln. Doch solange offener Rassismus mit dieser Wucht aus der Mitte der Gesellschaft kommen kann, muss sich England fragen, was hier schief läuft.