Klimaschutz

11'000 Wissenschafter rufen den Notstand aus

Reto Knutti

Reto Knutti

Alarmierungen sind wir uns gewohnt. Doch nun erklären 11'000 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus 153 Ländern, davon rund 300 aus der Schweiz, den Klima-Notstand.

In ihrer Deklaration schreiben die Wissenschaftler, dass unsägliches menschliches Leid unvermeidbar sei, ohne tiefe und nachhaltige Eingriffe in die menschlichen Aktivitäten. Die heute im Fachmagazin «Bio Science» veröffentlichte Deklaration basiert auf wissenschaftlichen Analysen aus mehr als 40 Jahren.

«Wissenschafter haben die moralische Pflicht die Menschheit vor den grössten Gefahren zu warnen», sagt Thomas Newsome, einer der Autoren und Umwelt-Wissenschafter an der Universität Sydney.

Schneller als erwartet

Publiziert werden mit der Deklaration viele Grafiken, die schwindende Gletscher und Eisdicken in Polargebieten, steigende Temperaturen, Meeresspiegel sowie Methan und CO2-Emissionen zeigen. «Der Klimawandel hat uns erreicht und geht schneller voran als viele Wissenschafter erwartet haben», sagt Mitautor William Ripple, Professor an der Oregon State University.

Sieht man die lange Liste der unterzeichnenden Wissenschafter durch, fällt auf, dass in der Schweiz die bekanntesten Klimaforscher wie Thomas Stocker von der Universität Bern und Reto Knutti von der ETH Zürich fehlen. «Ich wurde nicht angefragt», erklärt Knutti. Und das hat seinen Grund. Bewusst wurden nicht Klimatologen aufgerufen, sondern Ökologen und Biologen, deren Arbeit und Forschung direkt von den Auswirkungen des Klimawandels tangiert wird.

Sechs Forderungen

Um die schlimmsten Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels zu minimieren, werden in der Deklaration sechs Forderungen gestellt. Knutti hält sie für korrekt, die Details seien aber unklar und vor allem auch, mit welchen Massnahmen man die Ziele erreichen soll.

Zu den sechs Schritten gehören, das Ersetzen von fossilen Treibstoffen, die Reduktion kurzlebiger Verschmutzer wie Methan, Naturschutz, mehr pflanzliche statt tierische Produkte essen, karbonfreie Wirtschaft und die Stabilisierung der Weltbevölkerung. Dabei geht es nicht darum, Kinder zu verbieten, sondern den Zugang zu Bildung, insbesondere für Frauen in Entwicklungsländern, Hygiene und Verhütung zu fördern, erklärt Knutti.

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