In der Nacht auf Morgen findet die Walpurgisnacht statt, die Nacht, in der sich nach mittelalterlichem Glauben Hexen, Schwarzmagier und allerlei böses Gesindel auf Hügeln treffen, um ihren Pakt mit dem Teufel zu feiern. Böse Zauberinnen fliegen – zwar CO2-neutral – auf ihren Besen zum Treffpunkt im Wald, wo sie in einem Kreis um ein loderndes Feuer herumtanzen. Sie beschwören ihren Meister, den Teufel, der an diesem Abend höchstpersönlich auf der Erde erscheint. Der Herr der Hölle nimmt dann die Form eines Mischwesens aus Mensch und Ziegenbock an und verleitet seine Anhänger zu allerlei unmoralischen Riten und Lustspielen. Die Hexen müssen ihm unter anderem in einem grossen Kessel magische Beschwörungstränke zubereiten, mit denen sie Unheil unter den Menschen anrichten sollen.

Todeswurzel aus Harry Potter

Für die erfolgreiche Trankzubereitung brauchen die Hexen verschiedene Zutaten, welche sie schon lange vor dem heutigen Abend sammeln und vorbereiten müssen. Wenn man Harry-Potter-Filmen und verschiedenen Netflix-Serien Glauben schenkt, ist eine bestimmte Pflanze mit magischer Wirkung für die erfolgreiche Verwünschung besonders wichtig: die Alraune (lat. Mandragora). Sie taucht in fast jedem Buch und jeder Verfilmung von übernatürlichen Phänomenen auf.

Es ist kein Zufall, dass gerade die Alraune so präsent ist, denn die Autoren von moderner Fiktion bauen ihre eigenen Storys gerne auf historischen Berichten auf und die Pflanze wird schon von jahrtausendealten Quellen als Zutat für magische Rituale ausgewiesen. So beschrieb zum Beispiel bereits der römische Gelehrte Plinius (der Ältere) eine spezielle Zeremonie zur Stärkung der Liebeskraft, bei der unbedingt eine Alraune verwendet werden musste.

Als wichtige Zauberpflanze hat sie auch in den Harry-Potter-Filmen einen prominenten Auftritt erhalten. Harrys Lehrerin erklärt ihren Schülern, dass die Alraune eine besonders gefährliche Pflanze sei. Wenn man sie ausreisse, stosse sie einen schrillen Schrei aus, der für den Menschen tödlich sei. Die Schüler müssen darum während des Unterrichts Ohrenschutz tragen.

Die Alraune taucht in fast jedem Buch und jeder Verfilmung von übernatürlichen Phänomenen auf

Was die meisten Menschen für die Fantasie der Harry-Potter-Autorin halten, kommt in Wahrheit von einem uralten Glauben aus dem Mittelalter. Autoren aus allen Jahrhunderten berichten von der tödlichen Gefahr, welche das Ausreissen einer Alraune mit sich bringt. Die Gelehrten schlagen in ihren Büchern deshalb spezielle Erntemethoden für die Wurzel der Alraune vor: So soll man die grünen Teile der Pflanze an einen Hundeschwanz binden und sich einige Meter von der Pflanze entfernen. Wenn man sich dann die Ohren zuhält, kann man den Hund rufen. Dieser reisst beim Sprint zum Herrchen die gefährliche Pflanze aus und ihr tödlicher Schrei verhallt ungehört.

Eine andere bekannte Pflanze, der magische Eigenschaften nachgesagt werden, ist der Knoblauch. Vor ihm muss man sich als Mensch allerdings nicht fürchten, denn er schadet höchstens Vampiren oder Geistern. Die Zwiebelpflanze gilt seit je als Wunderwaffe gegen alle Arten von schwarzer Magie und bösen Dämonen. Wer heute Abend also einen Nachtspaziergang im Wald plant, ist gut beraten, eine Knoblauchzehe mitzuführen.