Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Doo isch de Wurm dinn!

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, das schon seit Jahrhunderten Ekelgefühle auslöst.

Althochdeutsch wurm bedeutet ‹kriechendes Geschöpf›; dazu zählen nicht nur Regenwürmer, sondern auch Drachen (Lindwürmer), Schlangen, Raupen und Insektenlarven. Im mittelalterlichen Weltbild gab es vier Hauptgruppen von tierischen Lebewesen: Vierbeiner (althochdeutsch tier), Vögel, Fische und eben Würmer.

So ist es ganz logisch, dass schweizerdeutsch Wurm bis heute ein breites Bedeutungsspektrum aufweist. Der Wurm macht einen Apfel oder ein altes Möbelstück wurm-äässig, -eessig; das gehört zu ässe, wird aber auch als wurm-mässig interpretiert, wie soumeessig. In anderen Gegenden sagt man wurmstichig, ein Wort, das früher auch ‹dienstuntauglich› bedeutete.

Viele Krankheiten schrieb der Volksglaube unter der Haut versteckten Würmern zu, so auch die Nagelbettentzündung, die darum an vielen Orten Wurm oder Fingerwurm hiess. Sogar hinter der Akne (Giizwurm) stecke ein Wurm, sagt ein Arzneibuch um 1800, und wer mit einer Schere zupacke, wenn dieser bei der Pustel herausschaue, habe die Krankheit besiegt.

Wurmtokter bedeutete ‹Quacksalber›. Offenbar haben solche Wunderheiler ihren Patienten gelegentlich zum Schein Wüürm us der Naase zoge, wonach sie geheilt sein sollten; das dürfte der Ursprung der bekannten Redensart sein.

Auch Marotten oder schlechte Laune schreibt der Volksmund einem Wurm zu, und dann heisst es: Hesch Würm, oder was feelt der? Als man noch vorwiegend mit lebenden Ködern fischte, nannte man das Angeln Würmlibaade, und ein Spruch lautete: Du hesch mer grad no gfeelt i de Wurmbüchs!

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