Zürich

Ausflugstipp fürs Wochenende: Alten Fabrikhallen und wilden Bächen nach

Zeuge der Industrialisierung: Die Spinnerei in Wetzikon.

Zeuge der Industrialisierung: Die Spinnerei in Wetzikon.

Einheimische reisen für einen Erholungstrip selten nach Zürich. Dabei gäbe es dort einiges zu entdecken.

Wer fährt für einen winterlichen Ausflug schon nach Uster, in die über 35'000 Einwohner zählende Stadt in der Agglomeration Zürich? Gut, da wäre der lieblich gelegene Greifensee mit seinen Naturschutzgebieten. Aber es gibt noch etwas anderes in und vor allem hinter Uster, dass einem interessieren könnte: der Industriepfad Zürcher Oberland. Der lässt sich auch im Winter gut abspazieren, vor allem der Teil in Uster.

Auf dem Stadtgebiet finden sich zahlreiche architektonische und andere Zeugen der hier einst blühenden Textilindustrie: grosse umgenutzte Fabrikensembles, Arbeiterhäuser, Herrschaftsvillen, eine frühe Mietskaserne sowie Kanäle, künstlich angelegte Weiher und Pärke.

Letztere wurden und werden attraktiv in die neuere Stadtentwicklung einbezogen. Faszinierend auch das Projekt «Arche Nova»: In eine grossflächige Werkhalle einer einstigen Spinnerei sind auf elegante Weise 56 Reihenhäuser eingebaut worden. Das architektonische Erbe wurde clever belebt.

Uster war einmal ein Hotspot der Schweizer Industriegeschichte. Und erlebte auch deren Untergang äusserst schmerzhaft mit. Die Arbeiter wehrten sich einst äusserst handfest gegen die Automatisierung. 1832 zündete eine aufgebrachte Menge eine Spinnerei und Weberei an, die erste Webmaschinen installierte hat. Aufhalten liess sich dadurch die industrielle Revolution nicht.

Ein Stück Zeitgeschichte: das Turicum-Ensemble in Uster.

Ein Stück Zeitgeschichte: das Turicum-Ensemble in Uster.

Tatsächlich entstand im Zürcher Oberland im frühen 19. Jahrhundert die erste mechanisierte Textilindustrie-Region ausserhalb Grossbritanniens, also zwischen Greifen- und Pfäffikersee, von Uster über Wetzikon bis hinüber nach Bauma im Tösstal.

Immer entlang der vielen Bäche und Flüsse, die die nötige Energie lieferten. Nach dem Niedergang der Textilindustrie drohte ihr gebautes Erbe zerstört zu werden. Private lancierten deshalb 1979 das Projekt «Industrielehrpfad Zürcher Oberland» – mit Erfolg.

Der rund 30 Kilometer lange Weg verbindet 50 industriegeschichtliche Sehenswürdigkeiten. Er lässt sich nach Lust und Laune etappieren. Einen Tag lässt sich gut in Uster spazieren, einen zweiten bei schönem Wetter auf dem Abschnitt von Wetzikon Richtung Tösstal nach Bäretswil wandern. Lässt man Wetzikon/Kempten hinter sich, führt der Weg weitgehend durchs Grüne.

Sehr reizvoll ist das wild anmutende Kemptnertobel mit herabstürzenden Bächen und Weihern. Selbst hier wurden spektakuläre Anlagen gebaut, um die Wasserkraft zu nutzen. Zu sehen sind beispielsweise noch zwei Turbinentürme. Die von ihnen erzeugte Kraft wurde durch Seiltransmission hinauf auf die Talschulter transportiert, wo die Fabriken standen.

Bevor der Weg tiefer hinein ins Oberland führen würde, nochmals zurück nach Uster. 2001 erhielt die Stadt den Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes. Auszeichnungswürdig sei nicht zuletzt die innovative Nutzung der zahlreichen stillgelegten Textilfabriken, hiess es damals unter anderem. Uster sei auf dem Weg, sich wieder eine Identität zu geben. Und ist allemal ein Ausflug wert.

© CH Media

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1