Volkslieder sind – ich gebs zu - nicht gerade mein bestfrisiertes Steckenpferd. Ich höre den höchst vorwurfsvollen Ton noch heute, als wäre es nicht schon etwa zwei Jahre her: „Ernsthaft? Du kennst ds Vreneli ab em Guggisbärg nicht?“ Ich muss schweren Herzens passen. Ich habe zwar irgendwo ein Vreneli rumliegen. Aber das stammt meines Wissens aus der eidgenössischen Münzprägestätte. Und die ist in Bern.

Als Aargauer müsste ich ja „Im Aargau sind zwoi Liebi“ im Halbschlaf rückwärts intonieren können. Auch dazu bin ich nicht in der Lage. Ich bringe vorwärts knapp die erste Strophe hin. Vom Baselbieterlied habe ich immerhin schon gehört. Und ich kenne sogar - oh Wunder, und fragen Sie nicht weshalb – den Anfang. „Vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy.“

Ammel. Die östlichste Gemeinde im Kanton. Die man auf der Landkarte aber nur findet, wenn man die zwei M durch ein N und ein W sowie das E durch ein I ersetzt. Oder weiss, wo Osten ist. So kann man elegant den Buchstabensalat umgehen.

Im Dorfladen von Anwil gabs zwar Salat, ich hielt aber eher Ausschau nach einem Schluck Wasser und einer Schachtel Zigaretten. Und wurde fündig. Heute wäre das deutlich schwieriger. Ich würde nämlich vor verschlossenen Türen stehen. Die ehemalige Pächterin wollte sich einen weiteren Winter ersparen, einen weiteren „ohne Heizung und mit Eisblumen an den Fenstern.“ Nicht aussen, innen. Da nützen irgendwann selbst mehrere Schichten Kleider, Wärmesäckli und eine Tasse Tee nichts mehr. Seit rund zwei Monaten stehen die Regale nun leer.

Ich klaube mein Portemonnaie aus dem Hosensack und will gerade die EC-Karte aus dem hinteren Fach ziehen, als mir bewusst wird, dass die hier wohl fehl am Platz ist. Ich krame daher im Münzfach und merke bald: Das reicht nie. Dann eben nur das Wasser. „Moment. Wieviel fehlt denn?“ Ein Franken sicher, vielleicht sogar etwas mehr. „Geben Sie mir einfach, was Sie haben. Ich bin froh, wenn so viel wie möglich wegkommt.“

Ich habe das Baselbieterlied später noch ganz durchgelesen. Und bei der Zeile „Das Ländli isch so fründlig“ anerkennend genickt.

Nächster Halt: Herznach AG