Schimpansen

Der affige Gendergap: Weibchen verzichten auf Machtspiele

Weibchen warten ab, bis sie in der Gruppe eine Hierarchie aufsteigen. (Symbolbild)

Weibchen warten ab, bis sie in der Gruppe eine Hierarchie aufsteigen. (Symbolbild)

Um die Macht zu erlangen, nutzen Männchen und Weibchen andere Methoden. Den Weibchen ist es wichtig, lange zu leben, um möglichst viele Kinder aufziehen zu können.

Für Schimpansen beiderlei Geschlechts ist eine hohe Stellung in der sozialen Rangordnung mit mehreren Vorteilen verbunden. Die höhergestellten Tiere geniessen bessere Versorgung mit Nahrung, mehr Gelegenheit zur Paarung und grössere Überlebenschancen für sich selbst und den Nachwuchs.

Wie die Tiere ihre Rangstufe im Lauf des Lebens verändern, ist bei Weibchen kaum untersucht. Jetzt haben amerikanische Biologen langjährige Aufzeichnungen des Sozialverhaltens einer Gruppe wild lebender Schimpansen ausgewertet. Demnach unterscheiden sich Männchen und Weibchen grundsätzlich darin, wie sie auf der sozialen Leiter auf- und absteigen.

Während männliche Affen aktiv mit Ranghöheren konkurrieren, warten die Weibchen meist einfach ab, bis sie nach dem Tod der älteren Weibchen automatisch auf eine höhere Stufe rücken, berichten die Forscher im Fachblatt «Scientific Reports».

Beide Geschlechter erreichen offenbar dasselbe Ziel eines möglichst grossen Fortpflanzungserfolgs durch ganz unterschiedliches Verhalten.

«Wir wussten schon lange, dass es Rangunterschiede zwischen den Weibchen gibt, aber es war schwierig, diese genau zu messen, weil die weiblichen Affen wirklich sehr selten miteinander Kontakt haben», sagt Anne Pusey von der Duke University in Durham. Ihre Arbeitsgruppe erforschte, wie sich die Rangordnung einzelner Schimpansen entwickelt.

Dazu nutzten die Biologen dokumentierte Beobachtungen einer Gruppe freilebender Schimpansen im Gombe-Nationalpark von Tansania, die einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren erfassten. Sie werteten 2740 Kontakte von 22 erwachsenen Männchen und etwa 1000 Kontakte von 44 erwachsenen Weibchen aus, bei denen jeweils zwei Individuen desselben Geschlechts aufeinandertrafen.

Aus dem Verhalten und den typischen Grunzlauten liess sich schliessen, wer von beiden die höhere Stellung hatte und ob jemand versuchte, dem anderen den Rang streitig zu machen. Bei den Weibchen kam es viel seltener zu solchen Begegnungen als bei den Männchen.

Weibchen in der Warteschlange

Die mit etwa 15 Jahren erwachsenen Männchen verbesserten ihre Stellung durch aggressives Verhalten gegenüber Ranghöheren. Die höchste soziale Stufe war im Alter von Anfang 20 erreicht, danach begann der soziale Abstieg. Dagegen stiegen die Weibchen mit zunehmendem Alter kontinuierlich in der Rangordnung. «Wir haben nie einen Kampf von Weibchen um einen höheren Rang beobachtet. Es ist, als würden sie sich in eine Warteschlange einreihen», sagt Erstautor Steffen Foerster.

Ein weiterer geschlechtsbedingter Unterschied besteht darin, dass ein Männchen seinen sozialen Aufstieg stets von der untersten Stufe der Hackordnung aus beginnt. Die Weibchen ordnen sich ab einem Alter von etwa zwölf Jahren in die soziale Hierarchie ihrer Gruppe ein, wobei manche aber auf einem höheren Rang beginnen als andere.

Das könnte damit zusammenhängen, dass zwar viele Weibchen nach dem Erreichen der Geschlechtsreife in eine andere Gruppe wechseln, in der sie dann zunächst auf der untersten Rangstufe stehen. Doch andere Weibchen, die bleiben, starten ihren sozialen Aufstieg wahrscheinlich bereits von einer höheren Stufe aus.

Männchen und Weibchen ist es auf ganz unterschiedliche Weise gelungen, ihre biologische Fitness zu maximieren. Um viele Nachkommen zu zeugen, genügt es den Männchen, für kurze Zeit einen hohen Rang einzunehmen, erklärt Pusey. Dafür kämpfen sie mit aller Gewalt.

Den Weibchen dagegen sei es wichtiger, lange zu leben, um möglichst viele Kinder aufziehen zu können. Für sie hat es sich wohl als vorteilhafter erwiesen, auf Rangkämpfe zu verzichten. Denn wenn eine Mutter beim Kampf verletzt oder getötet würde, hätte auch ein noch nicht selbstständiges Junges kaum eine Überlebenschance.

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