Denkmal

Der grösste Nikolaus der Welt steht in der Schweiz

Wo die Kirche steht, ragt momentan der grösste Nikolaus in die Höhe.

Wo die Kirche steht, ragt momentan der grösste Nikolaus in die Höhe.

Damit sich der Kirchturm in St.Niklaus in den bärtigen Mann in ­rotem Gewand verwandelt, hilft selbst die Air Zermatt.

Im tiefsten Tal der Schweiz liegt das Dorf St.Niklaus, von den Einheimischen «Zaniglas» genannt. 3427 Höhenmeter liegen zwischen dem Gipfel des Nadelhorns und dem tiefsten Punkt im Talkessel. Die Besiedlung des Nikolaitals ist wegen der schroff abfallenden Felswände seit jeher problematisch. Steinschläge, Murgänge und Lawinen halten die Bevölkerung immer wieder in Atem.

Zahlreich sind daher auch die Sagen und Legenden. So soll der heilige Nikolaus, der Kirchen­patron der Gemeinde, zwei Kobolde daran gehindert haben, einen grossen Felssturz aus­zulösen und das Dorf zu verschüt­ten. Die «Zaniglaser» errich­teten darauf zur Ehre ihres Schutzpatrons eine neue, grössere Kirche am alten Standort.

«Zaniglas», zentral zwischen den Tourismusdestinationen Grächen und Zermatt gelegen, hat laut Guinness-Buch der Rekorde seit 1998 den grössten Nikolaus der Welt. In der Advents- und Weihnachtszeit ragt er dort mit 36,8 Metern in die Höhe. Darunter verschwindet – in Blachen gepackt – der Kirchturm für einige Wochen. Diese Idee, die das Dorf über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen sollte, hat sich zu einer lieb gewordenen Tradition entwickelt. Es ist ein Vorhaben, das logistisch recht anforderungsreich ist: Zuerst muss ein Arbeitsgerüst um den Dachansatz des Turms aufgebaut werden. Die Air Zermatt fliegt zu dessen Schutz ein riesiges ­zylinderförmiges Gitter heran.

Abends ist der Nikolaus beleuchtet

Auf dem nahen, höher gelegenen Bahnhofplatz steht ein Baukran mit einem langen Ausleger und einem Arbeitskorb bereit. Vier bis sechs Spezialisten, darunter Bergführer, sind je nach Wetter ein bis zwei Wochen mit der Verkleidung des Turms beschäftigt. «Am schwierigsten ist das Herrichten und Befestigen des Nikolauskopfes, der aus sechs Blachen besteht. Einfacher geht es dann mit den vier seitlichen, turmlangen Teilen weiter», sagt Markus Lambrigger, Mitarbeiter des Werkhofs St.Niklaus. Der Nikolaus­stock ist sechsteilig und wird zum Abschluss der Arbeiten ­angebracht.

«Für mich löst der Nikolaus am Kirchturm Heimatgefühle aus. Er gehört zur Adventszeit, zur Einstimmung auf Weihnachten», sagt die verantwortliche Gemeinderätin Marseline Gruber. «Wenn er nicht da wäre, würde er mir fehlen», ergänzt Natascha Imboden, Sachbearbeiterin der Gemeinde, die diese Tradition seit ihrer Jugendzeit erlebt. Am eindrücklichsten sei es für sie, wenn abends ein Zug im Bahnhof einfährt und der beleuchtete Nikolaus die Touristen in seinen Bann zieht.

Viele würden dann für ein Foto aus den Wagen steigen. Der Anblick sei für manche so fesselnd, dass sie sogar schon die Weiterfahrt vergessen hätten. «Ihr Zug fährt ab, und bis zum nächsten Anschluss stehen sie fasziniert vor dem grössten Nikolaus der Welt im tiefsten Tal der Schweiz», sagt Imboden.

Am 5. Dezember ziehen die Kinder nach Schulschluss mit Glocken ums Dorf und läuten so offiziell die Nikolauszeit ein. Am Patronatsfest, dem 6. Dezember, findet um 9 Uhr ein Hochamt zu Ehren des heiligen Nikolaus statt. Fast ein Dutzend Nikoläuse mit je zwei Schmutzli werden am 5. und 6. Dezember in der weitläufigen Gemeinde unterwegs sein.

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