Gletschereis mit Honig

Schon die Griechen füllten Gip­felschnee in einen Becher, fertig war das Gefrorene. Die Römer aromatisierten Gletschereis mit Honig und Rosenwasser. Eigent­liche Glace stellte ein Zuckerbä­cker aus Italien erstmals im Mit­telalter her. In dem Land gibt es Granita, die Urform des Sorbets, an Hitzetagen zum Frühstück.

Woraus Fruchtglace ist

Den Anteil der Zutaten zu be­stimmen, eben das nennt Hans­martin Am rein von der Trendge­lateria Di Berna mit Filialen in Bern und Zürich die Kunst des Gelati-Machens. Grob gilt bei ihm: 60 Prozent Früchte, 20 Pro­zent Wasser, 20 Prozent Zucker. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindesten 20 Prozent Früchte.

Glace kennt Trends

Auch wenn der Cafe-Becher von Frisco, 1959 erstmals verkauft, heute noch zu den beliebten Klassikern gehört: Zurzeit liegen «All-natural»-Produkte im Trend. Das Label soll garantieren, dass keine Zusatzstoffe enthalten sind. Die Aromen werden immer ausgefallener. Bei der Gelateria Di Berna etwa erhält man Baum­harz-Arven-Fior-di-Latte, Topi­nambur-Cioccolato-bianco oder Ananas-Basilikum. (Quelle: Frlsco, Glacesulsse, Gelaterla DI Berna)

Die Lieblingsglace

Die Schweizer sind beständig, wenn es um Glace geht. Sie schle­cken am liebsten Vanille, Erdbeer, Schokolade. Seit Jahren.

50 Jahre Rakete

Pro Jahr konsumieren die Schweizer über acht Millionen Stück dieser Glacelegende. Fris­co hat sie 1969 anlässlich der Mondlandung lanciert. Auch Li­nienbewusste naschen hier ohne schlechtes Gewissen: Die Rakete hat nur 51 Kilokalorien. Schlemmer hingegen wählen das Magnum Almond mit Dop­pelrahm und 285 Kalorien. Sie könnten stattdessen auch ein Salamisandwich verdrücken.

Estland liegt vorne

Die fleissigsten Glaceesser leben nicht im Süden: Estland führt mit einem Pro-Kopf-Jah­reskonsum von 12,5 kg. Die Schweiz (2,3 kg) liegt auf Platz 27. 2018 haben die Schweizer Produzenten 59 Millionen Li­ter Glace verkauft.



Das Dilemma am Glacestand: Cornet oder Becher?

Hat man sich endlich für ein, zwei Sorten entschieden, stellt sich sogleich eine andere grosse Frage: Cornet oder Becher?

Pro Cornet von Katja Fische de Santi

Feinstes, hausgemachtes Gelato aus einem pappigen, leicht feuchten Kartonbecher zu essen, das ist etwas für Menschen, die eigentlich gar keine Glace essen sollten. Erstens, weil sie die Kalorien scheuen und glauben, dass die paar Kohlenhydrate der Waffel sich direkt auf ihre Hüften schlagen wird (der Rest der Rahm-Zucker­Mischung auf wundersame Weise jedoch nicht).

zweitens, weil sie Glace nicht schlecken, sondern löffeln. Bitte! Und dann noch mit diesen lächerlich kleinen Plastiklöffelehen, mit denen jede Erwachsenenhand zur Pranke verkommt. Unmög­lich, sich damit nicht vollzu­sauen wie ein Kind. Was passiert, wenn die Glace
im Becher langsam flüssige Form annimmt und diese Menschen versuchen, den Zuckersaft mit diesen Schäu­felchen in ihre Münder zu tropfen, wollen wir hier gar nicht genauer beschreiben. Glace muss man schlecken, und zwar mit der Zunge, besser noch mit dem ganzen Mund, genüsslich, selbstver­gessen -wem das zu anzüg­lich ist, der hat das Prinzip Sommer mit seiner Leichtig­keit nicht verstanden. Und dass es in Zeiten der mit Plastik verrnüllten Meere schlicht und einfach ökologi­scher ist, seine Glace am Strand «rübis und stübis» auf­zuessen, versteht sich ja auch von selbst.

Glace im Becher ist etwas für kleine Kinder (Schlecken will zuerst gelernt sein) und alte Damen (die glauben, sie seien fürs Schlecken zu alt oder zu gesittet). 

Pro Becher von Diana Hagmann-Bula

Zugegeben, ich habe auch mal zur Waffel-Fraktion gehört. Doch in vierzehn Wochen Sevilla wechselt man die Seite: In der andalusischen Hitze verflüssigt sich Glace im Nu und verwandelt auch die knusprigste Waffel in unappe­titlichsten Guetzlimatsch. Zurück in der Schweiz hat mir das Biscuit nie wieder gefehlt.

Momentan zeigt sich gerade, welche Vorteile Glace aus dem Becher auch hier hat. Der
15 Monate alte Bub hält das Cornet vorzugsweise kopf­über. Seine Fingerehen graben sich ins Eis, die Zähnchen in die Waffel. Elterlicher Ein­spruch? Vergeblich. Selbstwirksamkeitsphase! Der Fleckenschlamassel zeigt: Glace aus der Waffel in Kom­bination mit kleinen Kindern verunmöglicht bedächtiges Geniessen auf dem Bänkli in 99 von 100 Fällen. Und macht den Somer wirklich kein bisschen sinnlicher.

Zuerst stechen wir anständig ab, das mag damenhaft wir­ken. Dann geben wir uns aber ganz einer der grössten Som­merwonnen hin: Den Becher ansetzen und austrinken, wie einst als Kind die Salatsauce. Schlürfen erlaubt! Wenn das keine unbeschwerten Sekun­den in einem Erwachsenen­alltag sind.

Blauer Becher, grüne Kugel Pistache: So ein Glacekübeli sieht ausserdem viel fröhli­cher aus als dieses blasse Cornet. In Zeiten von vermüll­ten Meeren kauft man halt beim Gelati-Macher ein, der in den Recyclingbehälter schöpft. Und, fallen die Ku­geln im Becher nicht immer etwas grösser aus? Was für ein Gedränge in diesem Cornet...