Toskana

Florenz: Auf den Spuren von Leonardo Da Vinci

Toskanische Idylle: das Städtchen Vinci. Bild: Getty Images

Toskanische Idylle: das Städtchen Vinci. Bild: Getty Images

Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci. Ein Streifzug durch den beschaulichen Geburtsort des Meisters unweit von Florenz.

In Italien und ganz Europa wird heuer der 500. Todestag von Leonardo da Vinci begangen, etliche Ausstellungen und Veranstaltungen rollen dessen Geschichte auf. Doch in seinem Heimatdorf Vinci geht es auch im Jubiläumsjahr gewohnt beschaulich zu und her.

Vinci ist der Inbegriff eines typisch italienischen Dorfes: flanierende Touristen, kaffeetrinkende und tratschende Gäste in der Bar am Strassenrand und angeregt diskutierende Senioren auf Strassenbänken. Der Geburtsort von Leonardo da Vinci liegt mitten im Grünen, umgeben von Wäldern, stattlichen Olivenhainen und gepflegten Rebbergen. Das Dorf wird zwar von Touristen aus dem In- und Ausland besucht, aber nicht überrollt. Der Ansturm hält sich selbst im Jubiläumsjahr, 500 Jahre nach dem Todestag da Vincis, in Grenzen.

Das 15 000-Seelen-Dorf könnte als Aushängeschild eines toskanischen Ortes gelten: sauber, mit lauschigen Winkeln und einladenden Lokalen. Es strahlt eine angenehme Ruhe aus – nur gerade zwei Souvenirläden sind auszumachen. Auffallend sind die Zeichnungen von Leonardo da Vinci, die an jeder Ecke hängen und darauf hinweisen, dass hier am 15. April 1452 ein Genie das Licht der Welt erblickte.

Ihm ist denn auch ein vierteiliger Museumsparcours mit Dauerausstellungen gewidmet: Im ersten Teil, in der Palazzina Uzielli, sind im Erdgeschoss mechanische Erkenntnisse und Erfindungen von da Vinci ausgestellt, im Obergeschoss die anatomischen Recherchen. Die unvergleichliche Handschrift von da Vinci zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Ausstellung.

Errungenschaften im Schloss ausgestellt

Auf dem Weg zum zweiten Teil des Parcours im Castello dei Conti Guidi kommt man an Leonardos Taufkirche Santa Croce mit dem Originaltaufbecken vorbei. Im Schloss läuft noch bis zum 15. Oktober die Ausstellung «Alle origini del genio» (zu den Ursprüngen des Genies), das Leonardos wissenschaftliche Errungenschaften zeigt, etwa die Feuerwaffe für den Krieg, die er erbaut hat, oder die Entdeckungen betreffend die Navigation während seiner Mailänder Jahre. Auch die «Arnolandschaft», da Vincis früheste datierte Zeichnung aus dem Jahr 1473, ist zu sehen.

Eine Terrasse auf dem Turm erreicht man über 124 enge Stufen und geniesst den Weitblick über das Dorf und die umliegende toskanische Landschaft, mit Zypressen und im Sonnenlicht silbrig glänzenden Olivenhainen, wie man sie von Ansichtskarten kennt. Der Blick schweift über den kegelförmigen Monsummano, die sanften Hügel des Montalbano und auf Italiens grösstes Binnensumpfgebiet, den Padule di Fucecchio.

Der Parcours führt weiter ins drei Kilometer entfernte Anchiano, wo unscheinbar das Geburtshaus da Vincis steht. Er ist als uneheliches Kind der Magd Caterina und des Notars Ser Pietro in diesem Steinhaus zur Welt gekommen. Der Eingang führt direkt ins Wohnzimmer mit grossem Cheminée und einer Büste des Genies. Im Nebenraum hängt eine Leinwand von der Decke mit dem Hologramm des greisen Meisters, der in einem zwanzigminütigen Dokumentarfilm, abwechslungsweise in Italienisch und Englisch, dem Publikum aus den Stationen seines Lebens erzählt.

Das Geburtshaus Leonardo da Vincis: Hier erblickte er 1452 das Licht der Welt. Bild: Imago Images

Das Geburtshaus Leonardo da Vincis: Hier erblickte er 1452 das Licht der Welt. Bild: Imago Images

Sein Geist ist allgegenwärtig

Die Villa Il Ferrale liegt auf halbem Weg zwischen Vinci und Anchiano; dort sind die Nachbildungen seiner berühmtesten Werke, der «Mona Lisa» und des «Letzten Abendmahls», in Originalgrösse zu bestaunen. Wer möchte, gelangt zu Fuss über die zwei Kilometer lange Strada Verde von Vinci nach Anchiano, über deren Pfade Patriot und Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi während seines Aufenthalts im Jahr 1867 wandelte. Es wird einem vor Augen geführt, wie sehr den jungen Leonardo die Natur inspirierte.

Er verbrachte seine Kindheit in der Familie seines Vaters im Städchen Vinci, wo er durch die Wälder streifte, die Wassermühlen an den Flüssen studierte, Fossilien unter die Lupe nahm und begann, sich für die Geologie zu interessieren. Eines ist klar: Der Geist da Vincis schwebt über dem toskanischen Dorf, dem bei einer Toskanareise unbedingt ein Besuch abgestattet werden sollte.

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