Reinlichkeit

Gebäudereinigerin: «Einige halten meine Arbeit für selbstverständlich»

Fiorella Murzio lebt in Rheinfelden.

Fiorella Murzio lebt in Rheinfelden.

Fiorella Murzio ist in der Ausbildung zur Gebäudereinigerin und arbeitet im Theater Basel. Im Interview spricht sie über ihren künftigen Beruf, mangelnde Wertschätzung – und verrät, ob sie lieber zu Hause oder im Theater putzt.

Weshalb haben Sie sich für die Ausbildung zur Gebäudereinigerin entschieden?

Fiorella Murzio: Es ist ein Beruf, der Zukunft hat. Denn es wird enorm viel Wert auf Hygiene gelegt. Ich gehe deshalb davon aus, dass künftig die Nachfrage nach ausgebildetem Personal zunimmt. Für den Beruf habe ich mich aber auch entschieden, weil ich darin viel Kontakt mit Menschen habe und körperlich aktiv bin. Beides ist mir wichtig.

Putzen Sie lieber im Theater oder bei sich zu Hause?

Im Theater, weil dort die Abwechslung grösser ist. Ich entferne beispielsweise Kunstblut von den Böden oder reinige Werkstätte und Büros. Vielmehr als zu Hause sehe ich dort den Effekt meiner Arbeit. Zudem weiss ich ja, was mich in meiner Wohnung erwartet.

Müssen Sie manchmal bei der Arbeit blöde Sprüche anhören?

Ja, im Sinne von «putz mir das». Das liegt daran, dass der Beruf der Gebäudereinigerin nicht so angesehen ist. Es sind Einzelpersonen, die mir manchmal mit fehlendem Respekt begegnen. Etwa, wenn ich die Toiletten reinige und sie, ohne zu fragen, reintrampen und ein WC benutzen. Einige halten meine Arbeit für selbstverständlich. Umgekehrt bedanken sich aber auch Menschen bei mir, dass es sauber ist und gut riecht.

Halten Sie automatisch nach Staub Ausschau, wenn Sie privat eingeladen sind?

Nicht mehr. Am Anfang meiner Ausbildung habe ich meinen Mitmenschen regelmässig erklärt, dass putzen nicht reinigen bedeutet. Ich habe sie dann auch darauf hingewiesen, dass sie mal wieder ihre Fenster reinigen könnten. Das hat Wirkung gezeigt, inzwischen muss ich mich nicht mehr wiederholen. (lacht)

Was ist der Unterschied zwischen putzen und reinigen?

Wer, wie wir, Gebäude reinigt, eliminiert Mikroorganismen und Keime. Dafür braucht es Fachwissen. Ein Gebäudereiniger würde beispielsweise nie die Böden von verschiedenen Räumen mit ein- und demselben Wasser nass aufziehen. Es reicht auch nicht, bloss einen Lappen in die Hand zu nehmen und gut zu schrubben, um die Stelle tatsächlich sauber zu kriegen. Es braucht auch die richtigen Chemikalien.

Was zeichnet einen guten Gebäudereiniger aus?

Gut arbeitet, wer das Fachwissen in der Praxis umsetzt. Dafür muss man etwa die verwendeten Chemikalien kennen. Deren Dosierung ist zentral. Viel zu oft werden zu grosse Mengen gebraucht, wodurch die Umwelt belastet wird. Wer zudem das Gebäude richtig reinigt, trägt zu seinem Werterhalt bei.

Wie geht es für Sie nach der Ausbildung weiter?

Ich will auf jeden Fall als Gebäudereinigerin arbeiten. Mir macht der Beruf grosse Freude. Mein langfristiges Ziel ist es, mich zur Tatortreinigerin weiterzubilden. In diesem Bereich möchte ich mich später selbstständig machen.

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