Millionenschäden

Marmorisierte Baumwanze macht sich über Schweizer Ernte her – asiatischer Gegenspieler kommt zum Einsatz

Eine Marmorierte Baumwanze müht sich über den Federkohl.

Eine Marmorierte Baumwanze müht sich über den Federkohl.

Zwar wurde 2019 in der Schweiz viel Obst geerntet. Doch die Marmorisierte Baumwanze verursacht Millionenschäden.

Der Schweizer Obstverband ist zufrieden mit der Ernte 2019, wie der Verband zu Neujahr meldet. Die Apfel-, Birnen- und Kirschenernten fielen erfreulich aus, nur jene der Kirschen blieb dem Wetter geschuldet um einen Fünftel kleiner als 2018.

Der Stinkkäfer aus Asien

Doch das insgesamt positive Ergebnis wird durch einen Eindringling getrübt: Durch die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), auch Stinkkäfer genannt. Die grau bis braun melierte rund 15 Millimeter lange Wanze ist von April bis Oktober in ihrem Element und befällt Obstbäume, Beeren, Gemüse, Mais, Sojabohnen und Weinreben, zeigt sich aber auch in städtischen Gebieten. Sie schädigt die Landwirtschaft immer mehr. In den Kantonen Thurgau und Zürich rechnet der Obstverband mit einem Ertragsausfall von 25 Prozent bei den Birnen. Die Kantone Aargau, St.Gallen, Luzern und Zug müssen mit einem Verlust von 20 Prozent rechnen. Das ergibt Ausfälle von mehreren Millionen Franken.

Der Plagegeist stammt ursprünglich aus Ostasien. Ende des 20. Jahrhunderts wurde er nach Nordamerika verschleppt und erstmals im Jahr 2004 in Europa und der Schweiz beobachtet. Leicht zu verwechseln ist die asiatische Marmorwanze mit der einheimischen Grauen Feldwanze. Die Schweizer Variante besitzt aber einen Dorn zwischen den Beinen, der auf der weissen Bauchseite des asiatischen Eindringlings nicht zu finden ist.

Marmorwanzen überwintern an der Wärme

Zur Zeit überwintern die Marmorierten Käfer an geschützten Orten und warten in der bis Ende Januar dauernden Winterruhe auf 15 Grad Celsius Wärme. Dann wird die Baumwanze aktiv und das Weibchen wird wiederum rund 250 Eier legen. Die Marmorkäfer profitieren dabei von der Erderwärmung, denn sie lieben es heiss und trocken. Dann beschleunigt sich ihr Entwicklungszyklus und so entstehen statt einer zwei Generationen in einem Jahr. Im Tessin ist das schon der Fall, bei uns droht diese Zunahme.

Die Marmorierten Baumwanzen sind äusserst mobil. Gemäss der Forschungsanstalt Agroscope können sie eigentlich grosse Distanzen überbrücken, fliegen aber meist nur kurze Strecken von weniger als fünf Kilometern. Heikel sind die Marmorkäfer nicht und befallen über 200 Pflanzenarten. Am liebsten dann wenn die Pflanze blüht oder deren Früchte heranreifen. Der Schaden entsteht durch ihr Saugen. Durch den Einstich in die Frucht, gibt es eingesunkene Stellen und Dellen, das Fruchtfleisch kann verbräunen und wird den Weg ins Ladenregal nie finden.

Befürchtungen für 2020

Dementsprechend befürchtet der Obstverband auch für 2020 Schlimmes. Deshalb beantragt er nun die generelle Erlaubnis für die Freilassung der Samuraiwespe. Denn die Bekämpfung der Baumwanze ist schwierig, da sie viele Pflanzen befällt und mobil ist. Insektizide sind gemäss Agroscope nur beschränkt wirksam, führen zu Rückständen und gefährden Nützlinge. Auch die Schlupfwespen, die natürlichen Gegenspieler der Marmorwanzen. Hoffnung setzt man auf die ebenfalls aus Asien stammende Samuraiwespe, die ihre Eier in die Eier der Wanze legt und damit bis zu 80 Prozent der Marmorierten Baumwanzeneier erwischt.

Autor

Bruno Knellwolf

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