Leben

Neue Studie zeigt auf: Trotz Schnarchen ist der Schlaf erholsam

Schnarcher stören meist nicht sich selbst, sondern ihre Lebenspartner.

Schnarcher stören meist nicht sich selbst, sondern ihre Lebenspartner.

Solange das Schnarchen nicht mit einer ausgeprägten Schlafapnoe verbunden ist, beeinflusst es die eigene Schlafqualität nicht.

Das Schnarchen des anderen kann den eigenen Schlaf erheblich stören. Ob das geräusch­volle Einatmen auch für den Schnarcher selbst negative Folgen hat, war bisher umstritten. Kanadische Mediziner haben jetzt eine neue Studie dazu geliefert. Dazu wählten sie Testpersonen aus, die zwar schnarchten, aber keine oder nur schwache Anzeichen einer schädlichen Schlafapnoe zeigten – ein Krankheitsbild, bei dem die Atmung wiederholt kurzzeitig aussetzt. Um die Stärke des Schnarchens objektiv zu erfassen, zeichneten die Forscher die Atemgeräusche während einer Nacht auf und berechneten daraus einen Schnarch-Index.

Den Ergebnissen zufolge stand dieser Messwert in keinem Zusammenhang mit der Schlafqualität und war unabhängig von der subjektiv empfundenen Müdigkeit am folgenden Tag, berichten die Wissenschafter im «American Journal of Otolaryngology». Schon eine leichte Schlafapnoe dagegen äusserte sich in vermehrten Aufwachphasen und verschlechterte die Qualität des Schlafs.

Gesichtsmasken mit Mikro, um Intensität zu messen

Menschen, die allein schlafen, würden das Ausmass ihres Schnarchens meist unterschätzen und sich dadurch oft auch gar nicht gestört fühlen, schreiben die Forscher um Hisham Alshaer von der Toronto Rehab University. Weder die Selbstauskunft noch die Befragung des Lebenspartners, der im selben Zimmer schläft, könnten zuverlässige Aussagen zur Intensität des Schnarchens liefern. Für ihre Studie legten die Mediziner daher besonderen Wert auf ein objektives Mass für die Schnarchintensität. Dazu verwendeten sie Gesichtsmasken mit einem Mikrofon, wodurch die Atemgeräusche beim Schlafen bis zu acht Stunden lang ­registriert und später durch ein Computerprogramm ausgewertet werden konnten.

An der Studie beteiligten sich 74 Männer und Frauen im Alter von durchschnittlich 46 Jahren, die sich wegen Schlafstörungen an das Schlaflabor der Universität gewandt hatten. Während einer Nacht ermittelten die Forscher mittels Polysomnographie unter anderem Atmungs-, Gehirn- und Muskelaktivitäten sowie Augen- und Körperbewegungen, um den Schlafverlauf zu verfolgen. Später machten die Testpersonen über einen Fragebogen Angaben zu ihrer Schläfrigkeit während des darauf folgenden Tages.

Der Ablauf der einzelnen Schlafphasen, die Schlafdauer, die Wachzeiten und die Tagesschläfrigkeit erwiesen sich als unabhängig vom Schnarch-Index. Nur bei denen mit schwacher Schlafapnoe war der Schlaf häufiger als bei den anderen durch Wachphasen unterbrochen. Es gebe daher keinen Hinweis darauf, dass einfaches Schnarchen die Schlafqualität verschlechtert oder das Schlafbedürfnis am Tag verstärkt, so die Autoren.

Konzentrationsstörungen und Risiko für Infarkte

Die Angaben zur Häufigkeit von nicht krankhaftem Schnarchen schwanken zwischen 10 und 60 Prozent der Bevölkerung. Einer Studie zufolge liess sich nur bei 13 Prozent derjenigen, die nach eigener Auskunft schnarchten, eine obstruktive Schlafapnoe diagnostizieren. Diese beruht auf einer Verengung der oberen Atemwege, was die Luftzufuhr beim Atmen verringert, zu einem Sauerstoffmangel führt und wiederholtes Aufwachen aus dem Schlaf verursacht.

Die Konsequenzen sind teils gravierend: Die Betroffenen leiden unter Tagesschläfrigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und haben ein ­erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Meistgesehen

Artboard 1