Jugendliche polarisieren und sind im Gespräch. Oft ist von fehlendem Engagement und fehlender Partizipation die Rede. Viel lieber geht die heutige Jugend feiern und in die Badi. Interessiert am Weltgeschehen und an der Politik sind die Wenigsten. Vorurteile, die oft keine sind.

«Warum mich Journalismus interessiert»: Lena Ogi stellt sich vor

«Warum mich Journalismus interessiert»: Lena Ogi stellt sich vor

Der Klimastreik ist das beste Beispiel dafür, dass sich schon viel in den Köpfen von uns Jugendlichen bewegt hat. Schauen wir auf das letzte halbe Jahr zurück, so bin stolz, Teil dieser Generation zu sein. Ich bin stolz, dass sich so viele in meinem Alter engagieren und sich für eine bessere Welt und einen bewussteren Umgang mit den Ressourcen einsetzen.

Durch den Klimastreik, welcher von einer Jugendlichen in die Welt gerufen wurde, ist das Thema Umwelt in aller Munde. Man diskutiert, überlegt und kritisiert. Und dies generationenübergreifend. Als mich letztens meine Grossmutter auf den Klimastreik angesprochen hat, musste ich schmunzeln und freute mich sehr darüber. Sie sagte mir, dass sie nun bewusst weniger Fleisch kaufe. Super, dachte ich, schliesslich kann man auch mit kleinen Taten viel bewirken.

«Ich will eine grosse Altersklasse repräsentieren»: Lena Ogi übers Schreiben und über ihre Kolumne

«Ich will eine grosse Altersklasse repräsentieren»: Lena Ogi übers Schreiben und über ihre Kolumne

Auch in meinem Umfeld nehme ich zunehmend eine Veränderung im Verhalten war. Die eine Freundin kauft auf einmal Fair Trade, die andere verzichtet bewusst auf Plastik. Auch ich versuche, etwas zu einer grüneren Welt beizutragen. Konkret bedeutet dies mehr zu kompostieren, weniger Abfall zu produzieren und so oft wie möglich das Fahrrad zu benutzen. Besonders im Sommer, wenn ich schweissgebadet mit meinem viel zu kleinen Fahrrad zu Hause ankomme, zweifle ich an diesem Vorhaben. Und insbesondere dann, wenn mich meine Freundin mit ihrem Auto nachhause gefahren hätte - mit Klimaanlage!

Nebst der Umwelt habe ich noch weitere Ideen und Wünsche, welche die Welt, unsere Gesellschaft aber auch mich persönlich betreffen. Ich möchte mitreden, gehört und ernst genommen werden. Mich für Hilfsorganisationen einsetzen und beim Thema Flüchtlingshilfe einen kleinen Beitrag leisten. Wie und in welchem Ausmass ich meine Meinung vertreten will, weiss ich noch nicht. Und wer tut dies schon in so jungen Jahren?

Gleichzeitig empfinde ich es als schwierig und herausfordernd, neben den gesellschaftlichen Verpflichtungen auch noch eine Meinung zu bilden und diese aktiv zu vertreten. Die letzten Jahre sass ich oft bis spät in die Nacht mit meinen Mathematikhausaufgaben, Emilia Galotti und der Formelsammlung im Bett. Das heissgeliebte Zivilgesetzbuch nicht zu vergessen! Zeit, das aktuelle Weltgeschehen zu beobachten und mich zu engagieren, blieb kaum.

Häufig habe ich den Gedanken, dass ich mit meinen 1.60 Meter Körpergrösse die Welt weder verändern noch etwas zu einer besseren Gesellschaf beitragen kann. Eine schlechte Ausrede meinerseits. Denn wo ein Wille ist, gibt es bekanntlich auch einen Weg. Schliesslich hatten auch Ghandi und Che Guevara vor vielen Jahren die gleichen Träume. Hätten sie sich damals nicht engagiert und an sich geglaubt, so hätte sie meine Geschichtslehrerin vermutlich nicht so oft erwähnt.

Machen wir also weiter wie bisher: Diskutieren, an uns glauben und uns einsetzten. Versuchen, mit kleinen Taten Grosses zu bewirken.