Wer an Portugal denkt, sieht wohl Sandstrände, die Algarve oder Lissabon vor seinem inneren Auge. Doch das Land hat viel mehr zu bieten. Die junge Reiseleiterin Verena Lobenwein führt ihre Gäste zwar auch an all die bekannten Orte des Landes, das gerade einmal doppelt so gross ist wie die Schweiz.

Aber: «Mich hat es schon lange gewurmt, dass dabei das Hinterland mit all seinen Schätzen viel zu kurz kommt», sagt sie. Darum hat sie jetzt eine zusätzliche Tour kreiert, in der sie all die Geheimtipps vereint, welche die üblichen Portugal-Touristen nicht zu sehen bekommen.

Es sind atemberaubende Fleckchen Erde, die einen die Geschichte von der Steinzeit über die Tempelritter bis zur heutigen Gastfreundschaft der Portugiesen erleben lassen. Unsere Reise beginnt zwar in Lissabon und hört in Porto wieder auf. Allerdings sehen wir von ihnen einzig die Flughäfen. Für einmal lassen die Städte den Dörfchen und der Natur den Vortritt.

Die Tricks der Könige

Das Abenteuer beginnt rund 140 Kilometer nördlich der Hauptstadt, in Tomar, genauer in der grossen Wehrklosteranlage oberhalb des Städtchens. Portugal ist geradezu übersät mit Burgen und Klöstern, denn als die Mauren Mitte des 13.  Jahrhunderts aus dem Land vertrieben worden waren, sollte es gegen erneute Angriffe aus dem Süden gefeit sein.

Das Wehrkloster Convento de Christo in Tomar ist nicht nur wegen seiner Grösse spannend. Auch zeigt es die Gewitztheit der damaligen Könige, vor allem von König Dinis (Regierungszeit 1279 bis 1325) und König Manuel (1495 bis 1521).

Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, wurden die Tempelritter wohl wegen ihres Reichtums vom französischen König Philipp überfallen und verboten. König Dinis von Portugal hingegen hatte den Wert der Templer für sein Land erkannt und wollte sie nicht auslöschen. Seine List: Er liess sie sich vom Orden der Tempelritter in den Christusorden umbenennen. Dadurch konnten sie unbehelligt weiterleben.

König Manuel «der Glückliche» hatte mit den Templern insofern zu tun, als dass die verschnörkelten Verzierungen der Architektur auf ihn zurückgehen, die heute beispielsweise die Templerkirche in Tomar zieren. Sein Einfallsreichtum zeigte sich zwei Jahrhunderte später, als die katholischen spanischen Könige die Juden aus ihrem Land vertrieben. Auch König Manuel hätte das in Portugal tun sollen; das war die einzige Bedingung, damit er nacheinander beide spanischen Prinzessinnen heiraten durfte. Aber Manuel sah, wie wichtig das jüdische Volk für sein Land ist.

Also liess er sie zu «Neuchristen» umtaufen. Ihm war dabei bewusst, dass sie unter diesem Deckmantel ihre Traditionen im Verborgenen weiterlebten.

Jüdisches Erbe

So ist Portugal – insbesondere das Städtchen Belmonte nahe dem Sternengebirge mit seinem jüdischen Museum – bis heute ein Ort, den viele jüdische Menschen besuchen, um die Geschichte ihres Volkes nachzuvollziehen. Die Steindörfer, aber auch die Juderias, also die Judenviertel in den verschiedenen Städtchen, sind noch heute spannende Zeitzeugen und hübsche Fotomotive.

Neben den kulturellen Stätten stellt Verena Lobenwein die Natur ins Zentrum der Reise. Die alten Korkeichen und Olivenbäume, die ungeliebten und doch lukrativen Eukalyptusbäume, aber auch die schmackhaften Früchte des Feigenbaums sind Weggefährten auf den ein- bis dreistündigen Wanderungen, die ihre Gäste jeden Tag unter die Sohlen nehmen.

Rätsel um ein Loch

Lobenwein ist Wahlportugiesin, sie stammt aus Tirol. Bei ihrer Tour achtet sie darauf, ihren Gästen jene kleinen Details zu präsentieren, die sie selber spannend findet. Zum Beispiel das «Loch»: Im Sternengebirge mit dem Torre als höchstem Berg Portugals (1993 Meter) spaziert sie durch die von Gletschern geformte Landschaft bis zu einem hübschen, kleinen Stausee.

An dessen Ende will sie ihren Gästen unbedingt eine Kuriosität zeigen. Das kreisrunde «Loch» mit etwa zwei Meter Durchmesser mitten im Stausee regt die Fantasie an. Die Gäste raten. Ein Vulkan? Ein Geysir? Nein. Es handelt sich nur um den hier unerwarteten Abfluss des Stausees, der das Wasser zum nächsten, tiefer gelegenen Seelein leitet.

Die Reise führt uns weiter zum wunderhübschen Dörfchen Monsanto. Es klebt an einem Hügel, der von den Gletschern geformt wurde. Abgerundet werden die acht Tage im Zentrum Portugals aber von den unglaublichen Felszeichnungen in Foz Cõa. Es ist das weltweit grösste Gebiet steinzeitlicher Felszeichnungen, die nicht in Höhlen, sondern im Freien gefunden wurden. Seit rund 30'000 Jahren halten sie dort Wind und Wetter stand.

Die Zeichnungen wurden nur deshalb entdeckt, weil der Fluss Cõa zu Energiegewinnungszwecken hätte gestaut werden sollen. Einzelne Betonstützen erinnern noch an das Bauvorhaben. Das wurde jedoch unterbunden, um die Felsen und deren eingeritzte Auerochsen, Pferde und Hirschen zu bewahren.

Ein Baum für jeden Gast

Bevor es nach Hause geht, gibt es aber noch ein paar Eindrücke von der Seefahrernation Portugals: Die Reise endet nahe der Stadt Porto, in Espinho – mit Blick aufs Meer und einem Gläschen Portwein in der Hand. Letzterer ist wichtig für die Region, denn nur Produzenten rund um Porto dürfen ihr Getränk auch tatsächlich Portwein nennen.

Hier, in einem der kleineren Lokale werden noch einmal teller- und schüsselweise Leckereien auf den Tisch aufgetragen. Beim traditionellen portugiesischen Abendessen schöpft sich jeder, was er grad mag auf den Teller.

Und weil Verena Lobenwein dem Land, das ihr seit gut zehn Jahren so viele schöne Erlebnisse beschert, etwas zurückgeben will, hat sich die ehemalige Architektin und heutige Vollzeit-Reiseleiterin für ihre Gäste eine Überraschung ausgedacht: «Die Waldbrände vertilgen in Portugal immer wieder grosse Waldflächen, weil vor allem der Eukalyptus wie Zunder brennt.

Darum lasse ich für jeden meiner Gäste einen einheimischen Baum pflanzen, um die Aufforstung voranzutreiben», sagt Lobenwein. So kurbelt sie mit der Reise und den Besuchen der traditionellen kleinen Gasthäuser einerseits die Wirtschaft im Hinterland an, andererseits aber auch den Naturschutz.

Diese Reise wurde durch den Veranstalter Baumeler Reisen AG ermöglicht.