«Es wäre schon schön, wenn er einen Töff hätte», sagt Marianna über ihren Traummann. Aber es sei kein Muss. Die 60-Jährige fährt selber gerne Motorrad und lernt dabei viele Männer kennen. Der Richtige war jedoch bisher nicht dabei. Die bodenständige Frau mit den kurzen, dunklen Haaren ist seit 18 Jahren verwitwet und hat drei Söhne grossgezogen. «Ich brauche keinen Mann, der mir sagt, was ich tun soll.» Marianna könnte sich auch einen jüngeren Mann als Partner vorstellen. «Männer, die altersmässig zu mir passen würden, sind mir zu langweilig. Eine Bedingung haben aber ihre drei Söhne gestellt: Ihr neuer Partner darf nicht jünger sein als die Söhne.

Wer, wie Marianne, mit 60 Jahren Single ist, kommt meistens aus einer langen Lebenspartnerschaft. Man hat seine Erfahrungen in Sachen Liebe, Beziehungen gemacht, die eigenen Kinder sind oft selbst schon Eltern und man ist vor allem eins: auf sich allein gestellt. Doch da bleiben noch einige Jahre Lebenszeit – gute Lebenszeit mit viel Freizeit, oft auch einem finanziellen Polster. Warum also diese Zeit allein geniessen?

Tatsächlich sind viele Alleinstehende um die 60 auf Partnersuche, ob in Reisegruppen, am Stammtisch oder eben im Internet. Eine ganze Reihe von Anbietern hat sich auf die einsamen «grauen Panther» spezialisiert (siehe Kasten). Denn der Single-Markt ist hart für Nicht-mehr-Junge. Rundum ist alles vergeben oder jenseits von Gut und Böse. Und zwanglose Events für reifere Jahrgänge, bei denen man nicht schon alle Teilnehmer seit 30 Jahren kennt, gibt es nicht viele.

Viele Senioren sind auf der Suche

Liebe per Mausklick ist deshalb längst auch bei älteren Semestern angekommen. Das Online-Portal Date50.ch hat fast 10 000 registrierte Nutzer. Rund 150 Mitglieder sind sogar 85 Jahre alt oder älter. Auch bei der Online-Partneragentur Parship sind laut Aussagen des Betreibers ein Viertel der Nutzer älter als 50 Jahre. Und in Schweden finden gemäss einer Befragung aus dem Jahr 2016 heute mehr Senioren neue Liebhaber im Internet als über den Freundeskreis.

Marianne hat sich auf der Schweizer Online-Plattform «Date a rentner» angemeldet. Im echten Leben falle ihr ein Mann «auf Augenhöhe», der akzeptieren könne, dass sie unter der Woche durch ihre Arbeit im öffentlichen Dienst viel unterwegs sei, nicht vor die Füsse. Viele Männer in ihrem Altern hätten Mühe mit selbstbewussten Frauen. «Die Männer sind schockiert, dass ich drei Bohrmaschinen habe und meine Harley selber repariere», berichtet Marianne. Einer habe gleich beim ersten Date verlangt, dass sie ihren Job aufgebe und zu ihm ziehe.

Solche Erfahrungen hat auch die 57-jährige Thurgauerin Zita gemacht. «Ein Mann hat mich beim ersten Date in die Ferien eingeladen», sagt sie. «Das ging mir zu schnell.» Am liebsten würde sie aber eigentlich im realen Leben einen Partner kennen lernen. Sie ist unternehmungslustig. «Ich wandere, fahre Velo, Ski und reise gerne», sagt die Frau, die seit vergangenem Frühling alleinstehend ist. Vor einigen Jahren hatte sie einen Mann beim Skifahren kennen gelernt. Auf die Dauer wurde nichts daraus. «Ich will nicht einfach einen Mann, damit ich einen Partner habe. Die Chemie muss stimmen», sagt die gelernte Köchin.

Im echten Leben wie auch auf den Online-Plattformen sind die alleinstehenden Frauen über 60 Jahre in der Überzahl. Attraktive ältere Single-Herren hingegen sind Mangelware. Einerseits, weil sie oft sozial zurückgezogener leben oder sich dann lieber mit jüngeren Partnerinnen liieren. Das Manko an Männern wird von Betrügern ausgenutzt. Die Senioren-Organisation Pro Senectute warnt denn auch davor, dass sich auf diesen Datingplattformen viele «Heiratsschwindler» tummeln würden, die nur auf das Geld älterer Damen aus seien.

Bea will nicht allein alt werden

Auch die 65-jährige Bea tut sich schwer mit der Suche nach dem passenden Mann. «Je älter ich werde, desto schwieriger wird es», sagt sie. «Aber ich will nicht allein alt werden.» Die zweifache Mutter ist seit 1995 geschieden. Die Ostschweizerin ist nicht viel unterwegs, bleibt lieber zu Hause. Sie wünscht sich einen selbstständigen, feinfühligen Mann, der zuhören kann, nicht klammert und sie so akzeptiert, wie sie ist. Warum es bisher nicht geklappt hat, weiss Bea nicht. «Die Männer haben nie gesagt, was der Grund ist. Sie waren nicht ehrlich zu mir.»

Ein weiteres Problem verbindet die drei Frauen auf ihrer Online-Partnersuche: Immer wieder melden sich bei ihnen Männer, die verheiratet sind. «Ich will kein Stopffutter sein», sagt Bea. «An den Festtagen ist er dann bei seiner Familie und ich sitze wieder allein da. Ich will meinen Mann nicht teilen.» Auch Zita wünscht sich, dass ein Mann zuerst seine Beziehung beendet, bevor er eine neue beginnt. «Ich finde das unfair gegenüber der Partnerin. Das ist nichts für mich.» Marianne sagt: «Die sollten zuerst zu Hause ihre Baustellen aufräumen. Ich habe kein Interesse an Männern, die noch gebunden sind.»

Wenn man die drei so reden hört, dann unterscheiden sich ihre Wünsche gar nicht so sehr von jenen jüngerer Frauen. Nicht mal, wenn sie über Sex reden: Die Frauen sind sich einig, dass man auch im Alter ein Recht auf Sexualität hat. Aber Sex steht nicht an erster Stelle. «Viele Männer sind bloss auf Bettgeschichten aus. Das ist nichts für mich», sagt Bea. Zita hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass bei vielen Männern Sex erste Priorität hat. «Man kann auch kuscheln. Es mussnicht immer Sex sein – vor allem nicht beimersten Date», sagt die Thurgauerin. «Bei mir muss zuerst ein Kribbeln da sein. Sonst kann ich gleich rote Lichtlein montieren.»