Privileg

Schöne werden bevorzugt – auch beim Lohn

Eine Frau umringt von Männern. In der Schweiz beträgt die Frauenquote in Verwaltungsräten magere 11,3 Prozent. (Symbolbild)

Eine Frau umringt von Männern. In der Schweiz beträgt die Frauenquote in Verwaltungsräten magere 11,3 Prozent. (Symbolbild)

Eine neue Studie zeigt, wie gross der Bonus der Schönheit wirklich ist. Gefordert werden deshalb Bewerbungsschreiben ohne Fotos.

Schöne Menschen sind im Vorteil: Sie sind glücklicher, knüpfen leichter soziale Kontakte, werden häufiger zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und sind darum seltener arbeitslos, sie trauen sich mehr zu, dadurch wirken sie überzeugender auf andere, sie werden für produktiver, kompetenter und leistungsfähiger gehalten. Und zu guter Letzt verdienen sie auch mehr.

Wie hoch der Lohn der Schönen ist, zeigt eine Metastudie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Gutaussehende verdienen rund 20 Prozent mehr als weniger Gutaussehende. Wahrscheinlich hänge dies mit ihrer Wirkung auf Mitarbeiter, Vorgesetzte und Kunden zusammen, erklärt Eva Sierminska, die Verfasserin der Überblickstudie zum sogenannten «Schönheits-Bonus». In den vergangenen Jahren nahmen verschiedene Forscher dieses Thema unter die Lupe. Der neue Bericht von Sierminska fasst die bisherigen Erkenntnisse zusammen.

Sie untersuchte verschiedene Arten der Diskriminierung aufgrund des Aussehens. So werden, laut der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts, immer mehr Menschen von ihrem Arbeitgeber wegen ihrer Erscheinung diskriminiert. Gerade in Berufen mit viel Kundenkontakt würden Gutaussehende bevorzugt. Zudem hielten die Vorgesetzten hübsche Menschen für produktiver, auch wenn sie gleich viel leisteten wie weniger Gutaussehende.

Messbar sind Erkenntnisse bezüglich des «Schönheits-Bonus» nur bedingt: Denn Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Mit Befragungen kann laut Sierminska aber gezeigt werden, dass Menschen dazu neigen, an andere Personen ähnliche Massstäbe anzulegen. So könne mit einer Skala von eins bis fünf festgelegt werden, welches Aussehen als hübsch oder welches als hässlich empfunden wird.

Leistung soll ausschlaggebend sein

In ihrem Artikel äussert Sierminska klare Forderungen an die Arbeitgeber: Bewerbungsschreiben sollen ohne Fotos verschickt werden. Zusätzlich sollen Vorgesetzte ihre Mitarbeitenden in Sachen Auftreten und Kleidung schulen. So könnte der «Schönheits-Bonus» verringert werden. Für Ueli Mäder, Professor für Soziologie an der Universität Basel, ist die Neutralisierung des Bewerbungsdossiers keine befriedigende Lösung: «Das Aussehen spielt wohl eine Rolle. Und das ist nicht neu. Der Effekt ist aber auch bezüglich Alter, Geschlecht und Herkunft nachweisbar.» So wirke ein fremd klingender Name mit oder ohne Foto suspekt. Für den Soziologen ist es wichtiger, dass das gewöhnliche Aussehen aufgewertet wird. Mäder: «Menschen sollen eingestellt werden, weil sie die Arbeit beherrschen sowie motiviert und engagiert sind.»

Dietmar Wetzel, Soziologe an den Universitäten Bern und Tübingen, findet die Bewerbung ohne Foto hingegen eine gute Idee: «Es gibt auch schon Arbeitgeber, die explizit keine Bewerbungsfotos wollen. Genau aus den Gründen einer Diskriminierungsgefahr.» Entscheidendes Kriterium soll laut Wetzel die individuelle Leistung und die persönliche Eignung für die Stellenbesetzung sein. Damit geht er mit Mäder einig.

Allerdings hat die Lösung der Bewerbungsschreiben ohne Fotos einen weiteren Haken: In der heutigen Zeit der sozialen Plattformen wird es schwierig sein, anonym zu bleiben. Arbeitgeber geben gerne mal die Namen der Bewerber auf Facebook oder Instagram ein und klicken sich durch deren Fotogalerien. Unvorteilhafte Bilder könnten dort einen ähnlichen Effekt haben wie ein ungenügendes Bewerbungsfoto. Weist die Bewerbung aber ein seriöses und professionell gemachtes Foto auf, könnte der Vorgesetzte über die Freizeitfotos in den sozialen Medien hinwegsehen.

Meistgesehen

Artboard 1