Cannabis-Studie

Studie zeigt: Heute gibt es stärkeres Haschisch und mehr Rausch fürs Geld

Weltweit wird geschätzt, dass 192 Millionen Menschen regelmässig Cannabis konsumieren.

Weltweit wird geschätzt, dass 192 Millionen Menschen regelmässig Cannabis konsumieren.

Daten aus der EU, Norwegen und der Türkei zeigen einen markanten Anstieg des THC-Gehalts im Haschisch innert weniger Jahre.

THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) ist das psychoaktive Element in den Hanferzeugnissen, die als Drogen verwendet werden. Sie werden als Harz (unter dem Begriff «Haschisch») oder in Form getrockneter Blüten («Marihuana») konsumiert. Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction in Portugal sammelte Daten über den Cannabis-Konsum in den 28 Staaten der EU, Norwegen und der Türkei. Schweizer Daten fanden keine Berücksichtigung. Aber man darf davon ausgehen, dass es keine signifikanten Unterschiede gibt.

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Tom Freeman von der Addiction and Mental Health Group der Psychologischen Fakultät der Universität Bath (UK) hat die Daten untersucht. Ziel war, Unterschiede festzustellen im THC-Gehalt (in Prozent THC), im Preis (in Euro pro Gramm Haschisch oder Marihuana) und im «Wert» (gemessen in Milligramm THC pro Euro).

Die Daten sind erwartungsgemäss mit einigen Unsicherheiten behaftet. Die Konzentration konnte nur in den Cannabisprodukten ermittelt werden, welche die Polizei konfiszierte. Und Preisschwankungen auf den meist illegalen Märkten zu beobachten, ist schwierig. Die Politik zeigt aber einen Trend zur Legalisierung des privaten Cannabis-Konsums und zum Erlauben bestimmter Anwendungen in medizinischer Hinsicht. Die Studie ist deshalb durchaus interessant.

Weltweit wird geschätzt, dass 192 Millionen Menschen regelmässig Cannabis konsumieren, in Europa schätzt man 24 Millionen Konsumenten (7,2 Prozent der europäischen Erwachsenen).

Von 2006 bis 2016 ist der THC-Gehalt im pflanzlichen Cannabis von 5 Prozent auf rund 10 Prozent angestiegen. Die Wachstumsraten waren konstant. Anders beim Haschisch: Von 2006 bis 2011 blieb die Konzentration relativ stabil (von 8 auf 10 Prozent), von 2011 bis 2016 stieg sie aber schneller an: von 10 auf 17 Prozent. Auch der Preis stieg, allerdings weniger stark als beim pflanzlichen Cannabis.

Die Schlussfolgerung ist klar: Die Stärke von Haschisch hat in Europa massiv zugenommen. Und auch der «Wert», das THC, das man fürs Geld bekommt, hat zugenommen. Als Ursache wird genannt, dass in Marokko auf das Anpflanzen von stärkeren Hanfpflanzen umgestellt wurde.

Im Harz hat es auch Cannabidiol (CBD). Mit CBD kann man bestimmte Formen der Epilepsie und Psychosen (Angstsyndrome) behandeln. CBD mildert auch schädliche Wirkungen von THC, die bei hohem Konsum nachgewiesen wurden, wie verstärkte Tendenz zu Paranoia und Gedächtnisstörungen.

Mehr THC bei gleich bleibendendem CBD und ziemlich unveränderten Rauchgewohnheiten – dann ist eine Folgerung zwingend: Haschisch ist in den letzten zehn Jahren gefährlicher geworden. Wenn Cannabis legalisiert werden soll, wäre die Einführung einer oberen Limite der THC-Konzentration – vor allem beim Haschisch – eine Überlegung wert.

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