Wir schmeissen zu viel weg. Wir schmeissen zu viel unnötig weg, was unter Umständen locker  hätte repariert werden können. Häufig veranlasst durch Verkäufer, welche die Reparatur als zu kostenintensiv abtun und dafür lieber ein neues Modell empfehlen, karren wir Kaputtes und Beschädigtes zum Recyclinghof und geben mit den Altlasten unser schlechtes Gewissen gleich mit ab. Muss nicht sein. Denn Repaircafés bieten eine gute Gelegenheit, dem entgegenzuwirken. Zusammen mit meinem Sohn machen wir den Test und gehen mit zwei beschädigten Superhelden zum Repaircafé Suhr, das im ehemaligen Pfarrhaus untergebracht ist. Tanja Wicki, die das Café zusammen mit ihrem Mann organisiert, kommt uns entgegen und klärt uns gleich über die Vorgehensweise auf. Wir müssen einen Zettel ausfüllen und dann warten, bis der entsprechende Fachmann Zeit hat, sich um die Plastik heroes zu kümmern. Bis
dahin heisst es warten und Kaffee trinken. Und Kuchen essen. Schnell wird klar, dass das hier mehr ist als ein Reparaturservice mit dem Ziel, der Wegwerfgesellschaft zu trotzen. Es geht um Freizeit, Spass und Begegnung. «Alle unsere Freiwilligen kommen sehr gerne hierher, um zu reparieren. Sie bringen ihre Kinder mit, tauschen sich aus und geben ihre Erfahrungen weiter», erklärt mir Tanja Wicki, deren Mann schon immer leidenschaftlich gefl ickt hat. Seit
einem Jahr organisieren sie einmal im Monat zusammen das Repaircafé in Suhr. Insgesamt sorgen 22 freiwillige Experten – darunter Mechaniker, Elektrotechniker oder Physiker – für
leuchtende und häufig überraschte Augen, denn die Erfolgsquote liegt bei 80%. Repariert wird nahezu alles: Staubsauger, Flachbildschirme, Computer, Laptops, Reissverschlüsse, Kinderspielzeug usw. Der älteste Freiwillige ist 89 Jahre alt: Albert ist Profi in Sachen Nähmaschinen und hat schon einige wieder zum Laufen gebracht.

Während ich warte – mein Sohn hat sich längst zu den anderen Kindern verabschiedet –, lerne ich die anderen Anwesenden kennen: eine junge Familie, die mit einer beschädigten Holzkommode und einem kaputten Kinderkran gekommen ist, und ein älteres Pärchen, das eine defekte Kaffeemaschine im Gepäck hat und nicht zum ersten Mal hier ist: «Wir möchten nichts wegschmeissen, was ja eigentlich zum Grossteil noch in Ordnung ist», erzählen sie. «Und zudem mögen wir die unkomplizierte und auch familiäre Atmosphäre hier im Café.» Die unter anderem dafür sorgt, dass ich nicht bemerke, wie die Zeit vergeht. Dann sind wir dran. Dietmar ist gelernter Physiker und hat die Aufgabe, aus acht abgebrochenen und abgerissenen Teilen wieder ein funktionierendes Ganzes zu machen. Während der Inspektion und Reparatur schaut mein Sohn, der sonst nicht so schnell für Detailarbeit zu begeistern ist, aufmerksam zu. «Es ist uns wichtig, dass zugeschaut wird, schliesslich möchten wir auch, dass die Leute
ihre Berührungsängste mit Reparaturen und Maschinen abbauen und sehen, was alles möglich ist», so Dietmar. Zum Beispiel, dass schrauben manchmal sinnvoller ist als leimen. Denn einer unserer Superhelden hat nach seiner OP ein paar Schrauben im Körper. Funktioniert aber wieder wie neu. Der andere ist geleimt. Und mein Sohn für einen Moment der glücklichste Mensch auf Erden. Nach einer kleinen Spende sagen wir «Tschüss!» und fahren mit einem guten Gefühl nach Hause. Auf der Heimfahrt fallen mir ein Stepper und eine Lampe ein, die lädiert im Keller ihr unbestimmtes Dasein fristen. Nächstes Mal sind meine Sachen dran.