Leben

Trotz Lockdown nicht abgesagt: Der Geburtstag

Wie kann man während der Pandemie seinen Geburtstag feiern? Mit Briefen, Paraden oder Besuchen aus sicherer Distanz.

Wie kann man während der Pandemie seinen Geburtstag feiern? Mit Briefen, Paraden oder Besuchen aus sicherer Distanz.

Warum sich Kinder und Erwachsene das Geburtstagsfest vom Coronavirus nicht vermiesen lassen sollen.

Geburtstage im Frühling sind etwas Feines. Dieses Jahr nicht. Brunch mit den Grosseltern: verboten. Gipfeli und Kafi mit den Arbeitskollegen: verboten. Rauschende Party: verboten. Auf das Soziale muss diesen Frühling am Geburtstag verzichtet werden. Was ist zu tun? Den Geburtstag gleich ganz ausfallen lassen?

Aline ist am 23. März 31 Jahre alt geworden. «Normalerweise geniesse ich es, an meinem Geburtstag Freunde und Familie einzuladen und alle um mich herum zu haben», sagt sie. Dieses Jahr hat sie im Homeoffice gearbeitet. Allerdings sei sie kaum zum Arbeiten gekommen, weil das Telefon den ganzen Tag geklingelt habe. Das Homeoffice verspricht ständige Erreichbarkeit. «Niemand hatte Hemmungen, mich tagsüber anzurufen», sagt sie und lacht. Von Freunden hat sie ein riesiges Päckli per Post gekommen, heraus schlüpfte ein Ballon-Alpaka, das jetzt noch in ihrer Wohnung schwebt, «eine schöne Überraschung». Unspektakulär sei der Geburtstag gewesen, sie habe auch darauf verzichtet, einen Kuchen zu backen, weil sich das für sie und ihren Freund nicht lohnen würde. Sie überlegt sich, die Geburtstagsfeier im Sommer nachzuholen.

Wie können Kinder in der Krise feiern?

Für Erwachsene ist die Enttäuschung über einen kontaktärmeren Geburtstag verkraftbar, Prosecco hilft, Facetime ist auch schön. Doch was ist mit den Kindern? Freuen sich doch die Kleinsten oft schon monatelang auf das einzige Datum, das sie sich im Kalender merken können. Renate, Mutter von vier Kindern, betont: «Den Geburtstag soll man unbedingt im Kreis der Familie gleich feiern, wie in anderen Jahren.» Für die Kinder sei wichtig, dass für sie der gleiche Aufwand betrieben werde wie sonst, so dass sie sich trotz Krise im Mittelpunkt fühlten.

Wie dem Tagebucheintrag eines Sechstklässlers, der dieser Zeitung vorliegt, aber aus Tagebuchschutzgründen nicht wörtlich wiedergegeben werden kann, zu entnehmen ist, war der Geburtstag sein Highlight der Woche. Die Lehrpersonen des Sechstklässlers machen in Homeschooling-Zeiten jeweils die ganze Klasse via E-Mail auf den Geburtstag eines Gspänli aufmerksam und fordern sie auf, per E-Mail oder Sprachnachricht zu gratulieren. Der Sechstklässler hat sich mit einer fröhlichen Zeichnung – ebenfalls via E-Mail – für die Wünsche bedankt.

Es ist halt im Moment wie Sommerferien

Ein Primarlehrer einer anderen Schule beobachtet, dass seine Schülerinnen und Schüler ihren Geburtstag mit der Familie feiern und keine Partys verschoben werden. Grad so wie jene Kinder, die mitten in den Sommerferien oder an Weihnachten Geburtstag haben und auch oft nicht mit den Gspänli feiern könnten. Fazit: Dass die Frühlingskinder dieses Jahr einen etwas einsameren Geburtstag verbringen werden, ist unumstösslich. Das ist schade, aber dieses Gefühl, sich an einem Tag ein bisschen besonders zu fühlen, muss nicht gestrichen werden. The Party can go on, gerade in diesen Zeiten. Geburtstagskinder und -erwachsene freuen sich umso mehr über Nachrichten und Grüsse via Videotelefonie. Vielleicht besinnt man sich sogar auf die analoge Grusskarte via Post zurück?

In Amerika hat sich die Tradition von Geburtstagsparaden entwickelt, wo Freunde mit dem Auto im Schritttempo vor dem Haus der Jubilarin defilieren. Das ist sehr amerikanisch, doch die Idee vom kurzen Distanz-Besuch unter dem Balkon oder ennet dem Gartenzaun könnte sich auch hierzulande durchsetzen. Ein 70-jähriger Ostschweizer, der am Ostersamstag eine grösseres Fest geplant hatte, zeigt sich äusserst flexibel. Er setzte sich im Liegestuhl in seinen Vorgarten, stellte den Champagner samt Gläser auf dem Briefkasten und den Kuchen auf ein Tischen in der Einfahrt parat und plauderte so den ganzen Nachmittag mit seinen vorbeispazierenden Freunden und Verwandten auf sichere Distanz.

Ein vorher erstellter und verschickter Zeitplan verhinderte grösser Ansammlungen vor seinem Briefkasten. Und für alle, die ihren Geburtstag nicht mögen, ist dieser Frühling doch ein Segen. Der Geburtstag 2020 hat einfach nicht stattgefunden, ergo ist man auch nicht gealtert.

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